Kategorie
Autor:innen
Jahr

Breaking: Jetzt spricht der Hecht!

Eine Boulevard-Zeitung schreibt über eine Hecht-Attacke in den Drei Weieren und die ganze Stadt steht Kopf. Saiten hatte Glück und erhielt ein Exklusiv-Interview mit dem Übeltäter.
Von  Sandro Zulian
Saiten konnte das vielgescholtene Tier exklusiv interviewen.

Er ist bereits eine Legende, ein nasses enfant terrible, als Schurke in den Medien verleumdet, als «aggressives Tier» verschrien. Der Hecht, der mutmasslich am Montag eine 32-jährige Frau im Mannenweier gebissen haben soll, findet sich im Kreuzfeuer der Kritik. Was der Täter zur ganzen Sache zu sagen hat, liest man nur hier.

Saiten: Guten Tag Herr – äh, wie heissen Sie überhaupt?

Hecht: Hans. Hans Echt. Mit diesem Namen wird klar, dass ich einerseits echt bin und andererseits auch ein Hecht. Brilliant, nicht?

Sicher, Sie sind ein ganz toller Hecht. Noch vor einer Woche kannte Sie kaum jemand. Jetzt stehen Sie plötzlich in der öffentlichen Kritik, weil Sie eine badende Frau im Mannenweier attackiert haben. War der Angriff politisch motiviert?

Erst einmal möchte ich mich in aller Form bei der Frau entschuldigen. Mich stört es überhaupt nicht, dass auch Frauen im Mannenweier baden. Im Gegenteil. Ich würde mich freuen, wenn auch einmal ein Fräulein Hecht bei mir wenden würde. Politisch war meine Tat sicher nicht motiviert. Ich bin grundsätzlich kein animal politique. Ich weiss nicht, was mich geritten hat. Ich war wohl einfach frustriert.

Wogegen richtet sich Ihr Frust denn?

(lacht) Was für eine Frage. Ihr Menschen befindet euch seit ein paar Monaten in einem seichten «Lockdown», der den Namen gar nicht verdient hat. Ich hingegen verbringe bereits fast mein ganzes Leben in diesem grüntrüben Tümpel, in dem man kaum die Flosse vor den Augen sieht. Wissen Sie, wie das ist? Manche der Badegäste duschen nicht einmal, bevor sie ins Wasser springen. Das Menschenwasser kitzelt so eklig in den Kiemen, besonders das wärmere. Und da ich, wie Sie vielleicht bemerkt haben, keine Augen auf dem Rücken habe, landen Badegäste teils direkt auf mir.

Das klingt schmerzhaft.

Ist es auch! Und jetzt, da ich einmal zugeschnappt habe, weil ich einfach enerviert war über die Lebenszustände von uns Stadtfischen, wird bereits diskutiert, ob man mich aus dem Teich entfernen soll. Mich! Noch kein einziges Mal stand zur Debatte, ob ein Gast das Badeareal verlassen soll, weil wieder mal einer auf meinem Kopf gelandet ist.

Was sollte man denn Ihrer Meinung nach tun?

Ein bisschen Verständnis wäre ganz schön. Wir Hechte sind Raubfische. Wir schnappen zu, sobald wir etwas für Nahrung halten. So ein kleiner Zeh oder auch einmal ein kapitaler Fuss ähneln halt gerne einem kleinen Fisch und damit meinem Zvieri. Das ist eben mein Naturell.

Wäre ein Umzug, den die Stadt St.Gallen vielleicht bald anbietet, nicht das Beste?

Ich könnte mir ein Leben in einem anderen Gewässer durchaus vorstellen. Es ist zwar schon cool, dass die Leute am Wochenende halbleere Alkoholflaschen in den Weier werfen, dann kann ich manchmal auch noch ein wenig auf den Putz hauen. Ab und an rieselt auch ein wenig weisses Pulver ins Wasser, dann geht die Party wieder drei Tage (lacht). Aber alleine ist das auf die Dauer gar nicht so lustig. Und jene Karpfen, die sich in meine Nähe wagen, sind unter uns gesagt ziemlich langweilige Dumpfbacken. Mit denen ist kaum ein anständiges Gespräch zu führen. Längerfristig ist das wohl kein Leben für mich.

Und was haben Sie jetzt vor?

Ich werde wohl noch jemanden beissen, um den städtischen Umzugsplänen etwas nachzuhelfen. Dieses Mal aber einen Mann. Wissen Sie, was bei denen auch ein bisschen aussieht, wie ein kleiner Fisch? (lacht)

Hans Echt (2015) ist ein Hecht aus dem Mannenweier. Aufgewachsen ist er im Bubenweiher. Nach der Sekundarschule schloss er eine Lehre zum Metallbauschlosser ab. Er ist alleinschwimmend und lebt seit seiner Geburt in den drei Weieren.

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
mabo,  

herrliche artikel... (het mir de obig grettet haha)

Chris1291,  

Gute schilderung der anderen Seite Und mit viel Humor eingepackt Habe als leidenschaftlicher Angler Tränen gelacht Weiter so

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

Von  Roman Hertler
DSC2639

Lau­te Ein­sam­keit

Jo­nas Ul­rich taucht mit sei­nem ers­ten Spiel­film in die Black-Me­tal-Welt ab. Wol­ves ist ei­ne bild­star­ke Ge­schich­te über Ein­sam­keit und das Da­zu­ge­hö­ren, vol­ler Ge­gen­sät­ze und mit et­was holp­ri­gen Dia­lo­gen.

Von  Daria Frick
001 wolves

Das Ge­dächt­nis der Zu­kunft

St.Gal­len be­wahrt nicht mehr nur 1000-jäh­ri­ge Hand­schrif­ten. Mit dem In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht hier ein Ar­chiv für Web­sei­ten, künst­li­che In­tel­li­genz und das di­gi­ta­le Ge­dächt­nis der Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
2606 Internet Archive 01
Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch

Mit In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht in St.Gal­len ein Ab­le­ger des gröss­ten Ar­chivs für Web­si­ten und Künst­li­che In­tel­li­genz welt­weit. Aus­ser­dem im Ju­ni­heft: Män­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht, das gros­se St.Gal­ler 80er-Buch, das Ab­schieds­in­ter­view mit dem lang­jäh­ri­gen Kel­ler­büh­nen­chef und die Fla­schen­post aus Ve­ne­dig.

Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online

Ideen für die Zu­kunft

Wie wol­len wir künf­tig le­ben und un­se­re Nah­rungs­mit­tel pro­du­zie­ren? Die Aus­stel­lung «How goes To­mor­row» der Ost­schwei­zer Künst­le­rin Clau­de Büh­ler in der Shed­hal­le in Frau­en­feld sen­si­bi­li­siert für nach­hal­ti­ge Hand­lungs­stra­te­gien. 

Von  Vera Zatti
IMG 9114

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi

Lau­sanne-Ouchy vs. FCSG – St. Gal­len ist end­lich Cup­sie­ger!

Gaal, Gört­ler und Wit­zig schies­sen St. Gal­len zum lang­ersehn­ten Cup­sieg!

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bis­se am Bo­den­see­ufer

Die Me­di­ka­men­ten­ver­su­che von Müns­ter­lin­gen als Teil ei­nes Vam­pir-Mu­si­cals? Auf die Idee muss man erst ein­mal kom­men. Die Büh­ne Mam­mern wagt den Ver­such. Ab 29. Mai im Zir­kus­zelt.

Von  Michael Lünstroth
Cast landscape

Zwi­schen Gleis, Ge­gen­wart und Ge­sell­schaft

Die dies­jäh­ri­ge Kul­tur­lands­ge­mein­de fin­det ent­lang der Bahn­li­nie zwi­schen Gos­sau und Was­ser­au­en statt. Es ist ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res Ex­pe­ri­m­ent­zwi­schen Kunst, Ge­sell­schaft und Ak­ti­vis­mus. Aus­ser­dem stellt die Kul­tur­lands­ge­mein­de künst­le­risch und or­ga­ni­sa­to­risch die Wei­chen für die Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
KULA Vorstand Oleksandra Tsapko