, 31. August 2022
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Brutalismus sorgfältig erneuern

Die gewerbliche Berufsschule GBS St.Gallen, oben im Riethüsli-Quartier gelegen, ist ein Zeitzeuge des Brutalismus: eine typische «Betonkiste». Nun zeigt ein Architekturwettbewerb, wie mit diesem Baustil sorgfältig umgegangen werden kann und doch etwas Neues entsteht.

Siegerprojekt Les Halles: Blick ins künftige Foyer im Erdgeschoss. (Bilder: pd/René Hornung)

In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre erbaut, kennen alle, die im Berufsschulhaus im Riethüsli zur Schule gehen und gingen, die Macken dieser «Betonkiste». Vor allem im Winter, wenn es durch alle Ritzen zieht. Das Schulhaus ist nach 45 Betriebsjahren sanierungsbedürftig. Darüber war sich auch das St.Galler Stimmvolk im Klaren, als es 2019 einen Kredit von 111 Millionen Franken bewilligte.

Sieg für die Jungen

Nach diesem Ja wurde ein eingeladener Architekturwettbewerb lanciert, dessen Resultate nun ausgestellt sind. 50 Büros haben Interesse an der Teilnahme bekundet, 12 durften mitmachen, darunter zwei Nachwuchsbüros mit jungen Architekt:innen. Und just eines der beiden jungen Büros hat nun den Zuschlag bekommen: Malte Kloes Architekten aus Zürich mit ihrem Projekt «Les Halles».

Ankunftsbereich und zweigeschossige Unterrichtszone.

Der Titel ihres Projekts bezieht sich auf mehrere Atrien, die in die – wie die Fachleute meinen – sehr stabile originale Betonstruktur geschnitten werden. So entsteht hinter dem Haupteingang ein offener, dreigeschossiger Raum, der viel Licht ins bestehende Haus bringen wird. Rundum werden Lernlandschaften und Begegnungsorte entstehen.

Denn ein zeitgemässes Schulhaus sei weit mehr als ein Korridor mit lauter Schulzimmern, betonte GBS-Rektor Daniel Kehl an der Medienpräsentation der Wettbewerbsergebnisse. Heute gehe es um Begegnung, Austausch und Zusammenarbeit. Das brauche solche Freiräume.

Allerdings: Fragt man bei den Lehrer:innen nach, gibt es einige Skepsis gegenüber solch offenen Räumen. Zu viel Geläuf, zu viel Lärm, zu wenig Möglichkeiten, sich für die konkrete Unterrichtssituation einzurichten, lautet die Kritik.

Ausstellung: Blick auf die Projekte

Am Architekturwettbewerb haben einige schweizweit renommierte Architekturbüros teilgenommen. Die meisten der eingereichten Projekte schlagen – wie das Siegerprojekt auch – einen Ergänzungsbau im Osten, zwischen heutigem Schulhaus und der Turnhalle vor. Einzelne wollten auf der Südseite die Räume ergänzen. Das Siegerprojekt komme dank der Aufstockung des Westflügels mit einem vergleichsweise bescheidenen Fussabdruck für den Neubau aus, stellte Kantonsbaumeister Michael Fischer an der Präsentation fest.

Alle Wettbewerbsbeiträge sind im 3. Stock der Hauptpost St.Gallen (Eingang Gutenbergstrasse) ausgestellt: 1. bis 10. September, Mo-Fr 16–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr.

Das Raumprogramm verlangte aber mehr als solche Begegnungsorte. Die GBS braucht auch mehr Platz, denn die heutigen Aussenstandorte an der Grütli- und der Zürcherstrasse in St.Gallen – beides Mietobjekte – sollen aufgegeben werden. Erreicht wird der zusätzliche Platz durch die Aufstockung des bisher zweigeschossigen Teils im Westen und einen zusätzlichen Bau im Osten, zwischen dem heutigen Hauptbau und der Turnhalle.

Nachhaltig und subtil

Dieser Vorschlag – so Kantonsbaumeister Michael Fischer – sichere den Charakter des Schulhauses. Er lobte die Architekt:innen für ihr nachhaltiges und gut durchdachtes Projekt, das mit dem Bestand subtil umgehe. Nur wenig wird abgebrochen, und was raus muss, kann vor Ort zu neuem Beton verarbeitet werden. Der Neubau im Osten ist als reiner Holzbau konzipiert, die bestehenden Gebäude bekommen neue, kombinierte Solarpanel-/Holzfassaden. Auch auf die Dächer kommt Fotovoltaik, und beheizt werden die Schulhäuser künftig mit Erdsonden.

Les Halles: Blick in den Park.

Der Neubau wird, wie der Bestand, eine Terrasse im Süden haben, die dann über die ganze Länge des Areals – gut 200 Meter – begehbar sein wird und unter anderem den Zugang zur Mensa bietet. Der parkähnliche Freiraum im Süden, gegen den Talboden, bleibt erhalten.

In der GBS gehen heute rund 2000 Lernende aus 30 Berufen ein und aus sowie 150 Lehrer:innen. Auf sie wartet allerdings eine aufreibende Bauzeit in mehreren Etappen. Wenn alles nach Plan läuft, starten die Arbeiten 2026 und sind 2032 beendet.

Prominente Verlierer: die Projekte von Andy Senn (oben), Jessenvollenweider und Christ&Gantenbein.

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