Kategorie
Autor:innen
Jahr

Brutalismus sorgfältig erneuern

Die gewerbliche Berufsschule GBS St.Gallen, oben im Riethüsli-Quartier gelegen, ist ein Zeitzeuge des Brutalismus: eine typische «Betonkiste». Nun zeigt ein Architekturwettbewerb, wie mit diesem Baustil sorgfältig umgegangen werden kann und doch etwas Neues entsteht.
Von  René Hornung
Siegerprojekt Les Halles: Blick ins künftige Foyer im Erdgeschoss. (Bilder: pd/René Hornung)

In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre erbaut, kennen alle, die im Berufsschulhaus im Riethüsli zur Schule gehen und gingen, die Macken dieser «Betonkiste». Vor allem im Winter, wenn es durch alle Ritzen zieht. Das Schulhaus ist nach 45 Betriebsjahren sanierungsbedürftig. Darüber war sich auch das St.Galler Stimmvolk im Klaren, als es 2019 einen Kredit von 111 Millionen Franken bewilligte.

Sieg für die Jungen

Nach diesem Ja wurde ein eingeladener Architekturwettbewerb lanciert, dessen Resultate nun ausgestellt sind. 50 Büros haben Interesse an der Teilnahme bekundet, 12 durften mitmachen, darunter zwei Nachwuchsbüros mit jungen Architekt:innen. Und just eines der beiden jungen Büros hat nun den Zuschlag bekommen: Malte Kloes Architekten aus Zürich mit ihrem Projekt «Les Halles».

Ankunftsbereich und zweigeschossige Unterrichtszone.

Der Titel ihres Projekts bezieht sich auf mehrere Atrien, die in die – wie die Fachleute meinen – sehr stabile originale Betonstruktur geschnitten werden. So entsteht hinter dem Haupteingang ein offener, dreigeschossiger Raum, der viel Licht ins bestehende Haus bringen wird. Rundum werden Lernlandschaften und Begegnungsorte entstehen.

Denn ein zeitgemässes Schulhaus sei weit mehr als ein Korridor mit lauter Schulzimmern, betonte GBS-Rektor Daniel Kehl an der Medienpräsentation der Wettbewerbsergebnisse. Heute gehe es um Begegnung, Austausch und Zusammenarbeit. Das brauche solche Freiräume.

Allerdings: Fragt man bei den Lehrer:innen nach, gibt es einige Skepsis gegenüber solch offenen Räumen. Zu viel Geläuf, zu viel Lärm, zu wenig Möglichkeiten, sich für die konkrete Unterrichtssituation einzurichten, lautet die Kritik.

Ausstellung: Blick auf die Projekte

Am Architekturwettbewerb haben einige schweizweit renommierte Architekturbüros teilgenommen. Die meisten der eingereichten Projekte schlagen – wie das Siegerprojekt auch – einen Ergänzungsbau im Osten, zwischen heutigem Schulhaus und der Turnhalle vor. Einzelne wollten auf der Südseite die Räume ergänzen. Das Siegerprojekt komme dank der Aufstockung des Westflügels mit einem vergleichsweise bescheidenen Fussabdruck für den Neubau aus, stellte Kantonsbaumeister Michael Fischer an der Präsentation fest.

Alle Wettbewerbsbeiträge sind im 3. Stock der Hauptpost St.Gallen (Eingang Gutenbergstrasse) ausgestellt: 1. bis 10. September, Mo-Fr 16–19 Uhr, Sa 10–13 Uhr.

Das Raumprogramm verlangte aber mehr als solche Begegnungsorte. Die GBS braucht auch mehr Platz, denn die heutigen Aussenstandorte an der Grütli- und der Zürcherstrasse in St.Gallen – beides Mietobjekte – sollen aufgegeben werden. Erreicht wird der zusätzliche Platz durch die Aufstockung des bisher zweigeschossigen Teils im Westen und einen zusätzlichen Bau im Osten, zwischen dem heutigen Hauptbau und der Turnhalle.

Nachhaltig und subtil

Dieser Vorschlag – so Kantonsbaumeister Michael Fischer – sichere den Charakter des Schulhauses. Er lobte die Architekt:innen für ihr nachhaltiges und gut durchdachtes Projekt, das mit dem Bestand subtil umgehe. Nur wenig wird abgebrochen, und was raus muss, kann vor Ort zu neuem Beton verarbeitet werden. Der Neubau im Osten ist als reiner Holzbau konzipiert, die bestehenden Gebäude bekommen neue, kombinierte Solarpanel-/Holzfassaden. Auch auf die Dächer kommt Fotovoltaik, und beheizt werden die Schulhäuser künftig mit Erdsonden.

Les Halles: Blick in den Park.

Der Neubau wird, wie der Bestand, eine Terrasse im Süden haben, die dann über die ganze Länge des Areals – gut 200 Meter – begehbar sein wird und unter anderem den Zugang zur Mensa bietet. Der parkähnliche Freiraum im Süden, gegen den Talboden, bleibt erhalten.

In der GBS gehen heute rund 2000 Lernende aus 30 Berufen ein und aus sowie 150 Lehrer:innen. Auf sie wartet allerdings eine aufreibende Bauzeit in mehreren Etappen. Wenn alles nach Plan läuft, starten die Arbeiten 2026 und sind 2032 beendet.

Prominente Verlierer: die Projekte von Andy Senn (oben), Jessenvollenweider und Christ&Gantenbein.

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
Image2

Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
260708 Gutesbauen 02 260527 GBO2603 4559 MAX

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB