, 5. April 2016
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Buchental: Auf gutem Weg – von wegen!  

Wenn einem Schulamt alles aus der Nase gezogen werden muss, macht es etwas falsch. Ein hartes Urteil – aber nach der behördlichen Zwischenbilanz zum Konflikt an der St.Galler Realschule Buchental bleibt nichts anderes übrig. 

Erst auf hartnäckiges Nachfragen erfahren die Medienleute das Wichtigste. Und noch immer scheint das nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Neben der Freistellung einer Lehrperson Ende letzten Jahres sind gegen vier weitere Lehrkräfte Zurechtweisungen ausgesprochen worden. Mit welchen Konsequenzen die Lehrpersonen zu rechnen haben und ob diese arbeitsrechtlicher Art sein könnten, wollen an der Medienorientierung am Montag weder Stadtrat Markus Buschor von der Direktion Schule und Sport noch die Leiterin des Schulamtes, Marlis Angehrn, konkret sagen.

Ein Klima der Einschüchterung und Angst

Der seit einem Monat ad interim eingesetzte Schulleiter Jakob Egli, der als 69-jähriger Rentner das Buchental in den nächsten eineinhalb Jahren wieder in den normalen Schulalltag zurückführen soll, kann sich «harte Entscheide» gegen Teammitglieder vorstellen. Er wünscht sie bei seinem Troubleshooting aber nicht.

Was war passiert: Ende Juli 2015 kündigte der damalige Schulleiter des Buchentals nach 20-jähriger Tätigkeit, wegen unterschiedlicher Auffassungen, wie es dazu hiess. Ende des Jahres wurde ein langjähriger Lehrer freigestellt, weil er sich über den neuen, bis Ende Februar 2016, ad interim eingestellten Schulleiter abfällig geäussert haben soll. Im Nachhinein sprachen einige Lehrpersonen, von denen zwei inzwischen gekündigt haben, von einem «Klima der Einschüchterung und der Angst» an der Schule.

Die Klasse des Freigestellten forderte in einem offenen Brief die Rückkehr ihres Lehrers. Der Kleine Vorstand des Verbands Lehrpersonen Sektion St.Gallen (VLSG) protestierte beim Stadtrat gegen den Personalentscheid. Drei Lehrpersonen des Buchentals reichten zudem eine Aufsichtsbeschwerde ein, weil das Schulamt forsch und ungerechtfertigt gehandelt habe.

Schwere Pflichtverletzungen

An der Medienorientierung sagt Stadtrat Buschor: «In der Realschule Buchental kam es zu schweren Pflichtverletzungen vereinzelter Lehrpersonen gegenüber Schülerinnen und Schülern sowie Kolleginnen und Kollegen. Zahlreiche Eltern- und Medienreaktionen waren in den vergangenen Wochen und Monaten die Folge.» Was unter «schweren Pflichtverletzungen» zu verstehen ist, erklärt Buschor erst auf Nachfrage: «Beschimpfungen und Respektlosigkeiten im internen Umgang und während des Schulbetriebs.»

Zu den vielen Vorschlägen, 72 an der Zahl, die aus dem Kollegium im Buchental zur Verbesserung des Klimas an das Schulamt gerichtet worden sind, sagt Schulamtsleiterin Angehrn auf Nachfrage: «Die Häufung ist erstaunlich. Der Konflikt hat wahrscheinlich schon lange geschwelt. Das Schulamt verhielt sich lange sehr milde, bevor es dann eingegriffen hat.» Von den Lehrpersonen verlangt Angehrn Loyalität und sagt unmissverständlich: «Die Schulleitung führt und niemand anders!» Auf die Nachfrage, was mit der Aufsichtsbeschwerde der Lehrpersonen an den Stadtrat geschehe, fällt die Antwort der Schulamtsleiterin vage aus: Der Stadtrat werde diese behandeln. Über den weiteren Ablauf äussert sie sich aber nicht.

Lehrerverband ist «irritiert»

Stadtrat Buschor kritisiert das Protestschreiben des VLSG. Dieses stütze sich nicht auf Fakten, sondern auf einseitige Äusserungen und Gerücht ab. Dazu sagt Gion Berther, Präsident des VLSG: «Wir sind irritiert, wie das Schulamt kommuniziert. An uns gelangten viele Lehrpersonen aus dem Buchental und schilderten die Situation. Wir sind mit Stadtrat Buschor zu einer Aussprache zusammengetroffen. Diese ist gut verlaufen. Nach dem Treffen jedoch wurde eine Lehrperson freigestellt. Das hat uns sehr erstaunt und zum Protestschreiben veranlasst.» Die Schulverwaltung müsste hinter den Lehrpersonen stehen, sagt Berther weiter. Diese fühlten sich heute aber alleingelassen.

Das Fazit, das Buschor zieht, tönt mehr obrigkeits- als konfliktorientiert: «Was sich im vergangenen Jahr an der Realschule Buchental an Verfehlungen seitens einzelner Lehrpersonen zugetragen hat, macht den Stadtrat betroffen. Entsprechend mussten gegen fehlbare Lehrpersonen nötige arbeitsrechtliche Schritte eingeleitet werden. Inzwischen konnte das Schul- und Arbeitsklima dank verschiedener Massnahmen massgeblich verbessert werden. Eingefordert werden Selbstverständlichkeiten wie eine transparente und offene Kommunikation untereinander, Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, Bereitschaft, sich führen zu lassen und ein respektvoller Sprachgebrauch.» 

 

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