, 18. Mai 2015
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Büffelsoldaten und Dumpfköpfe

Daniel Ammann aus Herisau und Hans-Jörg Ammann aus Frankreich stellen im Alten Zeughaus Herisau aus. «Ammann» ist eine Ausstellung mit Aha- und Dada-Effekten.

Kommen sie? Gehen sie? Ist der Krieg vorüber oder erwartet er seine Opfer? Daniel Ammann sendet im Alten Zeughaus Teufen eine Einheit «Buffalo Soldiers» (Bild oben) ins Ungewisse.

Surrealer Alpaufzug

Gemeinsam mit seinem in Frankreich lebenden Onkel Hans-Jörg Ammann hat er für das Zeughaus eine Ausstellung entwickelt, und er hat sich dabei auf völlig neue Pfade begeben. Daniel Ammann ist Fotograf, in den vergangenen 20 Jahren war er fast ausschliesslich mit der Kamera unterwegs, oft auch für Saiten. Getreu seinem Motto «Mach etwas, mach das richtig» hatte er sich nach der Ausbildung von der Malerei verabschiedet. Auch jetzt greift er nicht zu Pinsel und Leinwand, die klassischen Medien überlässt er ganz seinem Onkel Hans-Jörg Ammann, der die unteren beiden Stockwerke des Zeughauses mit Stillleben, Aktzeichnungen und Landschaftsskizzen bespielt. Ammann hingegen begibt sich in den dreidimensionalen Bereich.

Seine «Buffalo Soldiers» sind kleine behornte Wesen, kniehohe Büffel aus Hockern, Schemeln, Ästen. Ein surrealistischer Alpaufzug, der ins Politische kippt, einerseits durch den namentlichen Bezug auf die afroamerikanischen Bürgerkriegssoldaten, andererseits durch die verwendeten Kürzel und Numerierungen und die textlichen Hinweise. Die Schar stolpert auf eine geöffnete Tür zu, Welcome und zugleich Go Home ist darauf zu lesen und in kleinen Bleistiftnotizen etwas von Demarkation, von Oil Peak und Treibstoffkapitalismus, von Drohender Deeskalation. Begriffe, die an Nachrichtensprache erinnern und dann doch ins Nichts führen.

Ammann_zeughausherisau_2Vorwärts-Rückwärts-Sätze

Sprache ist ein wichtiges Thema bei Daniel Ammann. Erst zur Finissage der Ausstellung wird das Rätsel der Buchstaben gelöst, die sich auf einer Leinwand, als dreidimensionale Objekte und auf dem Türblatt befinden. Zuvor darf anderes entziffert werden: Ammann hat einen Videobaum installiert. Für die Videos hat er Bekannte gebeten, einen Satz rückwärts zu sprechen, hat diesen aufgenommen und spielt ihn vorwärts wieder ab.

Gemischt werden die Sequenzen mit Videoaufnahmen aus Ammanns Archiv. So ist ein Bananentransport über den Victoriasee zu sehen, die Stimmung in einer Besenbeiz, ein Winterwald, kleine Roadmovies und vieles mehr. Eine stimmige Mischung – Kunst und Leben haben sich gefunden und sind mit einer Prise Dada gewürzt.

Vorbei geht’s dann an den «Dumbheads». Die mit Lehm gefüllten Ballons baumeln an Gummiseilen, dumm oder stumm, und genauso farbenfroh wie die Früchte in Hans-Jörg Ammanns Bildern. Die Köpfe lassen sich kneten und ziehen – auch ein möglicher Kommentar zu dem, was die Medienwelt vermag. Mehr davon gibt es am Dienstagabend im Rahmen des dichten Begleitprogramms zu hören: «Ist der Journalismus am Verludern» – es diskutieren Sina Bühler, Roland Falk, Marcel Elsener, Markus Rohner und Kaspar Surber, danach Musik von LSKB Session 15.01, One Hour Studio Session.

Bis 25. Mai 2015, täglich ab 14 Uhr, Altes Zeughaus Herisau

Bilder: Daniel Ammann

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