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Bunte Collage aus Paradiesen

Kunst zum «Draufstehen». (Bild: Larisa Baumann) 

Kunst zum «Draufstehen». (Bild: Larisa Baumann) 

Im Zentrum der Ausstellung «Stranger Than Paradise» im Open Art Museum steht ein collagierter Teppich, der bereits an der Olma zu sehen war. Nun erscheint er im Kontext zwischen paradiesischer Harmonie und gebrochener Idylle.

«Ich steh’ auf Kunst.» Zahl­rei­che Be­su­cher:in­nen der letzt­jäh­ri­gen Ol­ma konn­ten das von sich sa­gen, wenn nicht im über­tra­ge­nen Sinn, dann mit Si­cher­heit im wört­li­chen: Ein bun­ter Tep­pich lud ein, ihn zu be­tre­ten, dar­auf zu ste­hen und zu ent­de­cken. Col­la­ge­ar­tig zu­sam­men­ge­fügt wa­ren dar­auf Bil­der aus der Samm­lung des Open Art Mu­se­ums zu se­hen.

Erst­mals über­haupt war an der Ol­ma so­mit ein Kunst­mu­se­um mit ei­ner Son­der­aus­stel­lung prä­sent. Be­wusst wur­den die Kunst­wer­ke nicht kon­ven­tio­nell an die Wand ge­hängt, son­dern in Form ei­nes be­geh­ba­ren Tep­pichs mög­lichst zu­gäng­lich für al­le ge­stal­tet. Die­ser wur­de von Stu­die­ren­den und Ehe­ma­li­gen der Hö­he­ren Fach­schu­le für Ge­stal­tung am GBS St.Gal­len ent­wor­fen, un­ter der Lei­tung von Mar­kus Pawlick, Lehr­gangs­lei­ter HF Pro­dukt­de­sign.

Ein­ge­bet­tet in die Ori­gi­na­le

Fünf Mo­na­te spä­ter kann die Tep­pich-Col­la­ge er­neut be­tre­ten wer­den. Die­ses Mal im Open Art Mu­se­um selbst. Un­ter dem Ti­tel «Stran­ger Than Pa­ra­di­se» wird der am Bo­den aus­ge­roll­te Tep­pich mit wei­te­ren Wer­ken an der Wand und im Raum er­gänzt. Ei­ner­seits han­delt es sich da­bei um Ori­gi­na­le der Bil­der auf dem Tep­pich, an­de­rer­seits um wei­te­re Ar­bei­ten aus der Samm­lung, wel­che die Aus­stel­lung in the­ma­ti­scher Hin­sicht er­gän­zen. Land­schaf­ten, Blu­men, Tie­re und Lie­bes­paa­re sind wie­der­keh­ren­de Mo­ti­ve. Mit ih­ren pa­ra­die­si­schen Sze­ne­rien, far­ben­fro­hen, teils gross­for­ma­ti­gen Wer­ken bil­det die­se Aus­stel­lung auch ei­ne Art Ge­gen­pol zur vor­an­ge­gan­ge­nen über «ver­bor­ge­ne Schät­ze aus Schwei­zer Psych­ia­trien».

Trotz­dem er­zäh­len die bio­gra­fi­schen An­ga­ben der nun prä­sen­ten Künst­ler:in­nen oft von ei­nem har­ten, von Ar­mut, phy­si­scher oder psy­chi­scher Krank­heit ge­präg­ten Le­ben, das im Ge­gen­satz zum Pa­ra­die­si­schen steht. Der Aus­stel­lungs­ti­tel macht ex­pli­zit auf­merk­sam auf Ir­ri­tie­ren­des, Be­fremd­li­ches und Ab­sur­des, das im Zu­sam­men­spiel der Wer­ke, aber auch in­ner­halb ein­zel­ner Ar­bei­ten zu fin­den ist.

Auf dem Tep­pich steht zum Bei­spiel ein über­gros­ser Hund von Mar­ga­re­te (1906–1969) mit­ten in der un­be­ti­tel­ten Alp­auf­fahrt (1987) von Kon­rad Zül­le (1918–1988), aus der zu­sätz­lich ei­ne Kuh über den Rand ins nächs­te Bild zu ent­flie­hen scheint. Emil Graf (1901–1980) schafft in sei­nen Öl­bil­dern durch fein aus­ge­führ­te Blu­men ei­ne Tie­fe oh­ne Flucht­punkt-Per­spek­ti­ve, wäh­rend die in der ge­schaf­fe­nen Land­schaft ste­hen­den Fi­gu­ren be­fremd­lich flach und ver­gleichs­wei­se grob wir­ken.

Zwi­schen Ge­gen­sät­zen

Die Aus­stel­lung, die von ei­ner Pu­bli­ka­ti­on be­glei­tet wird, be­wegt sich be­wusst zwi­schen Ge­gen­sät­zen, wie die Mu­se­ums-lei­te­rin Mo­ni­ka Jag­feld er­klärt. Das Frem­de in schein­bar Ver­trau­tem wird er­sicht­lich, eben­so wie sich das Pa­ra­dies selbst als Kon­strukt des Frem­den ent­puppt. Fremd be­deu­tet un­be­kannt und da­durch un­er­reich­bar, was ei­ne un­ge­bro­che­ne Fas­zi­na­ti­on aus­löst. Das Mo­tiv des Pa­ra­die­ses ist ein uni­ver­sel­les kul­tur­ge­schicht­li­ches Kon­zept und wie­der­keh­ren­des The­ma in der Nai­ven Kunst und der Art Brut.

Links vom Bild oh­ne Ti­tel von Cor­ne­lia Si­mon-Bach (1941–2018) führt ein of­fe­ner Durch­gang ins Ka­bi­nett. Auf dem Ge­mäl­de zu se­hen ist ein kreis­för­mi­ges La­by­rinth und ein schma­ler Aus­schnitt ei­nes ge­schlos­se­nen Gar­tens: Der «Hor­tus Con­clus­us» ver­weist auf ei­ne lan­ge Bild­tra­di­ti­on und wird häu­fig als Sym­bol von Rein­heit ver­wen­det. The­ma­tisch führt uns die­ses Ge­mäl­de zur Raum­in­stal­la­ti­on im ab­ge­dun­kel­ten Ka­bi­nett: Hor­tus Con­clus­us heisst das Werk der Tex­til­for­sche­rin Thes­sy Schoen­hol­zer Ni­chols, 1955. Ei­ne Grup­pe fi­li­gra­ner Mi­nia­tur­gär­ten dreht sich im Kreis und ent­fal­tet durch ihr Schat­ten­spiel ih­re Wir­kung über die ei­ge­ne phy­si­sche Form hin­aus. Die In­stal­la­ti­on ver­wan­delt das Ka­bi­nett in ei­nen Ort der Kon­tem­pla­ti­on.

«Stran­ger Than Pa­ra­di­se» ver­mit­telt kein ein­heit­li­ches Bild des Pa­ra­die­ses, son­dern viel­mehr ei­ne Col­la­ge in­di­vi­du­el­ler Bild­wel­ten, wo­mit wir wie­der beim Tep­pich und Aus­gangs­punkt der Aus­stel­lung an­ge­langt sind. Im Rah­men der Be­gleit­an­läs­se wird der Tep­pich be­zie­hungs­wei­se Wunsch­stü­cke da­von öf­fent­lich ver­stei­gert. Es ist so­mit auch nach der Fi­nis­sa­ge am 7. Ju­ni noch mög­lich, «auf Kunst zu ste­hen».

«Stran­ger Than Pa­ra­di­se»: bis 7. Ju­ni, Open Art Mu­se­um, St.Gal­len.
open­art­mu­se­um.ch

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
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Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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