, 8. Oktober 2021
2 Kommentare

Heavy Riffs und Ganovenstories

A Normal Day, das Debut-Album von Catalyst, kommt kraftvoll daher, wie man es sich vom St.Galler Alternative-Duo gewohnt ist. Getauft wird in der Grabenhalle.

Dominic Curseri (Gitarre, Gesang) und Ramon Wehrle (Drums) sind Catalyst. (Bild: Ladina Bischof)

Die St.Galler Rockszene blüht. Allen voran derzeit mit Catalyst. Die Zweimann-Combo, die 2016 den BandXOst-Contest gewann, veröffentlicht nach zwei EPs endlich ihr Debut-Album. Fans von The Black Keys, Johnossi oder Royal Blood werden sich in A Normal Day sofort zu Hause fühlen.

Epische Powerhymnen wechseln sich mit bluesigem Wüstenrock, der mit den oktavierten Leadgitarrenparts – so viel Nostalgie sei erlaubt – an jene Epoche erinnert, in der sich der Stoner Rock aus Palm Desert noch nicht komplett der unbedingten Tanzbarkeit verschrieben hat. Man darf zwar auch bei Catalyst ungehemmt die Hüften kreisen lassen. Einfaches Kopfnicken ist aber auch völlig okay.

Die blues-rifflastigen Stücke Sunshades und Jolene widmen sich Ganovenstories, zuerst einem missglückten Raubüberfall, bei dem die Protagonistin (Jolene?) im zugehörigen Clip niedergeschossen wird, während Jolene im Folgetrack im Auto, die Maschinenpistole im Anschlag, von einem Bankraub flüchtet. Hier wird mit gewisser Absicht atmosphärisch die Nähe zu Tarantino- und Coen-Filmen gesucht.

Catalyst: A Normal Day, erscheint heute bei Radicalis als CD, auf Vinyl und auf den gängigen Streamingplattformen.

Plattentaufe mit Special Guest Dirty Sound Magnet, 30. Oktober, 21 Uhr, Grabenhalle St.Gallen

grabenhalle.ch

An anderer Stelle drücken die catalystischen Indie- und Pop-Einflüsse durch. Lässig schlängelt sich Church on a Beach in den eingängigen Chorus, dramatisch baut sich das ausufernde Finale von The Name im langgezogenen Zwischenteil auf. Auch hier wurde wieder coole Videoarbeit geleistet. In einem One Shot beobachtet Sänger und Gitarrist Dominic Curseri, wie Drummer Ramon Wehrle im holzgetäferten Dachzimmer ein bisschen wüten und Requisiten demolieren darf.

Bedächtiger erklingt die Ballade The Nature of Daydreams, stimmig gesungen im Duett mit Gastsängerin Natasha Waters inklusive choralem Schluss. In den grossen Dramen fühlen sich Catalyst merklich zu Hause. Da schwingt songtechnisch immer auch eine gute Portion Matt Bellamy (Muse) mit. Klanglich schlägt sich das besonders im Opener Spacecraft oder im siebenminütigen, eingangs sonor ins Mic gehauchten Foldable Heart durch. Es sind die eigentlichen Highlights der Platte.

Wer wissen will, wie solides Rock-Handwerk aus der Gallenstadt heute tönt, organisiere sich mindestens A Normal Day auf CD oder Vinyl. Noch lohnender – bei gleichzeitigem Kauf der Platte – wäre allerdings der Besuch der Plattentaufe. Special Guest ist das nicht minder empfehlenswerte Fribourger Psychedelic-Trio Dirty Sound Magnet, das wegen Covid seine Europatournee absagen musste und daher gleich zwei Alben produzierte: die im November 2020 erschienene Live-Session Live Alert! sowie ein Studioalbum, das erst 2022 rauskommt. Da geht ordentlich was im Schweizer Heavy-Alternative-Land.

2 Kommentare zu Heavy Riffs und Ganovenstories

  • Knew sagt:

    And a massive round of applause also from Ireland for those two fabulous musicians from Catalyst and their epic sound.
    We hope to see and hear you over here some time.

  • Peter Honegger sagt:

    Ich hab mir Catalyst gestern 08.10, über Spotify via Kopfhörer, auf die Ohren gegeben.
    Ich bin „baff“ und hocherfreut.
    SPACECRAFT, mein Song.

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