Die neue Onlinezeitung «Republik» war noch keinen Monat alt, da konnte sie schon ihren ersten Scoop vermelden. Olympias superhightechsecure Laborbecher, in denen das Athletenbisi hätte tubelfest versiegelt gelagert werden können, konnten von den Journis geöffnet und wieder geschlossen werden. Problematisch ist das nicht, weil somit Athletenbisi auf das Sandwich des Laborwarts im selben Kühlschrank tropfen kann, sondern weil kurz vor Wettkampfbeginn klar war, dass es wieder gelingen wird, das kontaminierte Athletenbisi mit sauberem Bisi von einem nüchternen Puristen auszutauschen.
Die Empörung hielt sich in Grenzen, abgesehen von einer Handvoll einsamer Seelen, die dies als Anlass sahen, irgendwo in diesem Internet zu kommentieren, da müsse man jetzt hart durchgreifen und diese Bisiathleten für tausend Jahre sperren. Dieselben Menschen sind es aber auch, die jeweils mit Augustweggen und Fähnlein vor dem TV hocken und auf dem Balkon mit einer Kuhglocke rumnerven, wenn Rosché Federer wiedermal ein Goal gegen FC Wawrinka geschossen hat. Auf solche Monster hört man nicht.
«Da isch pschisse mfall! Da döof me nöö!» – Doping im Sport ist ein bisschen wie Ananas auf der Pizza. Alle sagen, dass sie es nicht mögen, wissen aber eigentlich ganz genau, wie gut es zusammenpasst. Im Grunde ist Sport ohne Drogen gar nicht auszuhalten. Und überhaupt: Wer die gedopten Langläufer als zu schnell empfindet, kann ja den Fernseher langsamer einstellen. Aber natürlich können wir uns von unserem brötigen Unterbewusstsein auch die Konfitüre klauen lassen. Und uns dann über das trockene Brot beschweren.
Dabei kommt Langlauf per se von langweilig, Biathlon von schizophren und Buckelpiste von Wackelkontakt; daran hat man sich auch mal sattgesehen. Eine zeitgenössische Olympiade würde stattdessen endlich versuchen, wieder einigermassen kundenorientiertes Spektakel anzubieten und ein dopes Programm hochwertiger Wettkämpfe in Spritzenwerfen, Pillencurling, Speedrutschen und Pilzlifliegen zusammenstellen. Und wer im Winter unbedingt Schnee unter der Nase braucht, soll sich diesen olympisch geben, nur halt nicht diesen gelben.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.