Kategorie
Autor:innen
Jahr

Das Dornröschen von Wil

#Saitenfährtein in Wil - und hört von neuen Ideen fürs alte Gemäuer: Der Hof zu Wil erhält eine kulturelle Zwischennutzung.
Von  Peter Surber

Das Kartontäfelchen liegt noch in der verstaubten Vitrine: «Lutherbibel, Basel, 1734». Die Bibel aber ist weg wie auch alle anderen bibliophilen Kostbarkeiten – seit mutmasslich 200 Jahren ist das Regal leer. Damals wurde das Kloster St.Gallen aufgehoben und mit ihm die Dependance des Fürstabts in Wil, der Hof. «Äbtestadt» heisst Wil zwar bis heute. Doch hier, im einstigen Schmuckstück des Hofs, der Äbtekapelle, wo die Bücherschätze standen (darunter offenbar auch reformierte…), rieselt Stuck von der Decke, die Säulen lösen sich von der Wand, die Puttos an der Decke trauern.

Die 3. Etappe kommt

Das soll aber nicht in alle Ewigkeit so bleiben. Die Kapelle im zweiten Stock gehört mit diversen weiteren Räumen in den oberen Stockwerken zu den bisher noch unrenovierten Partien des Hofs. Ihre Sanierung  steht bevor; acht Architekturbüros sind engagiert im Planerverfahren; eine erste Präsentation findet dieser Tage statt.

Die Aufgabe ist komplex. Das gewaltige Gebäude mit dem Volumen von rund 40 Einfamilienhäusern, mit 800jähriger Geschichte und dem Rang eines Bauwerks von nationaler Bedeutung, ist in zwei Etappen 1994-1998 und 2008-2010 teilweise erneuert worden. Erdgeschoss und erster Stock mit Gastronomie und Bibliothek oder das Turmgeviert mit Lift und Treppe bis zum Dachstock kombinieren Alt und Neu bereits überzeugend. Ein gewaltiger Kontrast zu den «Baustellen», wie Jacques Erlanger die oberen Etagen nennt. Dort hat er sein Büro.

In St.Gallen kennt man Erlanger vom Sitterwerk und von der Militärkantine her. Jetzt ist er von der Stiftung Hof zu Wil mit einem Teilzeitpensum für eine befristete Zeit von 21 Monaten als «Mister Hof» angestellt, mit mehreren Aufgaben. Zum einen sollen die bestehenden Nutzungen sichtbarer werden; Restaurant, Säle, Stadtbibliothek und Museum sind im erneuerten Teil untergebracht; oben bieten die Volkshochschule und ein Malatelier Kurse an. Zum andern ist eine «behutsame Zwischennutzung» geplant mit dem Ziel, die Räume zu brauchen und ihr Potential auszuloten, wie Erlanger sagt. Und damit Hof und Bevölkerung von Wil näher zusammenzubringen.  Ein Nutzungskonzept besteht, es ist auf der Website hofzuwil.ch aufgeschaltet. Sieben Aktivitätsfelder werden dort definiert mit dem übergeordneten Ziel: «Leben im Denkmal».

Ganz ohne Haken ist auch die Zwischennutzung nicht. Die feuerpolizeilichen Vorschriften müssen eingehalten werden, mehr als 50 Leute pro Veranstaltung sind nicht möglich, und wer durchs Haus geht, versteht auch warum: Hier und dort tut sich ein Loch auf, die Balken biegen und die Böden krümmen sich.

Ein Traum von einem Dachstock

Aber umgekehrt haben die Räume viel Charakter und den Charme des Provisorischen – allen voran der gewaltige, selber mehrstöckige Dachstock, die frühere Kornschütte, leer bis auf die prächtige Malzputzmaschine der früheren Hofbrauerei aus dem Jahr 1904.

«Ganz viele Dinge» sollen hier stattfinden, sagt Jacques Erlanger. Er sieht sich nicht als Kurator, sondern als Ermöglicher. Und erhofft sich aus der Wiler Bevölkerung viele Anstösse und Projekte, die sich im Idealfall auf die Lokalität direkt beziehen. Oben im holzreichen Dachstock fällt das Stichwort: «La belle au bois dormant». Der französische Titel des Märchens vom Dornröschen passt perfekt zum Haus. Wie Erlanger hofft auch Simone Bernet im Namen der Fachstelle Kultur der Stadt Wil, dass die Bevölkerung ihren teilweise noch schlafenden Hof «wachküsst». Ideen seien ab sofort gefragt. «Wir fangen rollend an. Die Räume haben Geduld».

Jacques Erlanger und Simone Bernet, Leiterin der Fachstelle Kultur ad interim, im zweiten Stock des Hofs zu Wil.

«Mehr Raum für Innovationen»

Braucht Wil mehr Kultur? «Kultur braucht vor allem mehr Raum und Platz für Innovationen», sagt die Leiterin der Fachstelle Kultur, Kathrin Dörig. Vieles passiere schon; es gebe etablierte Institutionen, darunter Tonhalle, Kunsthalle, Gare de Lion, Rock am Weier, Momoll-Theater und eine Vielzahl von kulturell tätigen Vereinen. Und es gebe Vernetzungsinitiativen wie den jährlichen Kulturapéro oder die 2018 von der Fachstelle Kultur zusammen mit Thurkultur geplante «Kulturbühne». Thurkultur ist die regionale, kantonsüberschreitende Förderplattform, die für freie Projekte zuständig ist. Ihre Mittel sind allerdings nicht grossartig, nachdem eine Mehrheit der 22 angeschlossenen Gemeinden, die Metropole Wil mit ihren immerhin 23‘000 Einwohnern mit eingeschlossen, bloss den Minimalbeitrag von 1 Franken pro Einwohner leisten will – und einen Antrag auf Erhöhung abgelehnt hat.

Für den Besucher von aussen dominiert jedenfalls eher die putzige Altstadt mit dem ehrfurchtgebietenden Hof als ein pulsierendes Kulturleben das Bild der Stadt. Sinnig also, dass genau hier neues Leben ins alte Gemäuer kommen soll. Was für ein Budget für die Zwischennutzung im Hof zur Verfügung stehen wird, sei zwar noch offen, sagt Jacques Erlanger, und hänge auch von seiner Arbeit ab. Aber das Ziel ist klar: «Leben in den Hof!».

Kontakt für Interessierte hier.

 

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40