, 2. September 2014
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Das Fest, die Stadt und ihr Boden

Das Komitee «Reithalle für die Kultur» hat am Dienstag über das geplante Fest am Wochenende informiert. Und über den angeblich fehlenden Reithalle-Boden, der kürzlich dann doch noch irgendwie aufgetaucht ist.

«Die ganze Stadt kennt die Reithalle», sagte Lukas Hofstetter vom Initiativkomitee am Dienstagmorgen an der Pressekonferenz in der Militärkantine. Mit dem Fest wolle man die Halle öffnen und der Bevölkerung zeigen, «was für ein Schmuckstück sie ist». «St.Galle id Halle» ist denn auch das Motto des zweitägigen Fests mit Essständen, Bars und Festwirtschaft am kommenden Wochenende.

Votingparty in der Reithalle?

Dass ihr Fest am selben Wochenende stattfindet wie die samstägliche Museumsnacht, wollen die Initianten gleich nutzen, um die Kulturinteressierten für die Abstimmung am 28. September zu mobilisieren. «Wer bereits einen Pass hat für die Museumsnacht, muss deshalb bei uns keinen Eintritt mehr bezahlen», so Hofstetter.

Gratis soll der Eintritt voraussichtlich auch für jene sein, die ihr Abstimmungscouvert (natürlich ausgefüllt und zugeklebt) mitbringen und an der Kasse abgeben. Ob das klappt? «Leider können wir das erst in den nächsten Tagen mit Sicherheit sagen», erklärte Mitinitiant Etrit Hasler auf Nachfrage. «Wir klären derzeit noch das Rechtliche, hoffen aber, dass wir die Couverts – ähnlich wie an den Votingpartys in anderen Städten – sammeln dürfen.»

Es gibt ihn noch, den Konzertboden

Die Abstimmungsunterlagen enthalten übrigens eine Fehlinformation. In der Begründung des Initiativkomitees heisst es: «Der eigens von der Stadt angeschaffte Konzertboden, welcher bei kulturellen Veranstaltungen eingebaut werden konnte, existiert nicht einmal mehr […].» Aber: Der Reithalle-Boden existiert und ist auch noch intakt – voraussichtlich jedenfalls. Wie die Initianten bestätigten, hat es die Stadtkanzlei versäumt, eine erneute Stellungnahme beim Komitee einzuholen, was gesetzlich verlangt wäre.

«Das ist zwar kein Weltuntergang», meinte Hasler am Nachmittag, es sei aber trotzdem bedauerlich, dass man auf diese neuen Argumente nicht mehr habe eingehen können. «Der Boden lag die ganze Zeit im Keller», erklärte er zuvor an der Pressekonferenz. «Wie sich herausgestellt hat, war lediglich der Lift kaputt, mit dem er transportiert werden muss.» Die Gründe dafür seien unklar. Offensichtlich habe die Stadt einfach keine kulturellen Veranstaltungen gewollt dort, sonst hätte man sich um derlei Unterhaltsarbeiten gekümmert.

Das Initiativkomitee kritisiert diesen «unwürdigen Umgang mit dem städtischen Raum». Nur weil nie etwas gemacht worden sei, könne man jetzt nicht argumentieren, dass darin keine Kultur stattfinden könne. Es sei ohnehin eine Illusion, dass die Halle nichts koste, betonte Hasler, auch wenn man «keinen Rappen investiert hat in den letzten Jahren». Und Hofstetter bezeichnete sie als «brachliegendes Potenzial» für die Stadt St.Gallen.

Die verbleibenden Kulturräume erhalten

Es gebe hunderte von Vereinen in dieser Stadt, so das Komitee. Derzeit finde, ausser Hundesport, dreimal pro Woche Voltige-Unterricht statt. Die restliche Zeit sei für den privaten Reitsport reserviert – wobei man bei der Stadt gar nicht wisse, wer wann dort sei, und ob überhaupt. Für Hasler eine Frage der Bequemlichkeit. «Es kann nicht Aufgabe einer Stadt sein, einem einzelnen Verein, oder noch schlimmer Einzelpersonen, eine solche Halle zu finanzieren.»

Konkrete Pläne für das Programm in der Halle gibt es noch nicht. Es soll aber Ausdruck eines breit gefassten Kulturbegriffs sein, hielt Mitinitiant Mattias Fässler zuvor fest, da die gemeinsame Nutzung im Vordergrund stehe. Neben den ankündigten Grosskonzerten denke man beispielsweise auch an Flohmärkte, Veranstaltungen migrantischer Kulturvereine oder Blasmusikanlässe. «Schliesslich geht es auch darum, die noch verbleibenden Kulturräume zu erhalten.»

 

Freitag, 5. September:
18.00 Uhr: Marius von der Jagdkapelle, Kinderkonzert
19.30 Uhr: Mummenschanz, Martin O. und Rigolo Swiss Nouveau Cirque
21.00 Uhr: 50. Poetry Slam St.Gallen 

Samstag, 6. September: 
16.00 Uhr: Yes Im very tired now, Elektronika
18.00 Uhr: BDC Beat Dictator Crew
, Hip Hop
20.00 Uhr: Starch and Friends, Funk

An beiden Tagen gibt es Bratwürste vom Grill, türkische Süssspeisen, Soft-Ice und vieles mehr.
Weitere Infos auf: reithalle.sg

 

Bild: Hannes Thalmann

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