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Das Krokodil schnappt wieder zu

Krokodil in der aktuellen Besetzung mit Adrian Weyermann, Düde Dürst, Terry Stevens und Erich Strebel (von links). (Bilder: pd)

Krokodil in der aktuellen Besetzung mit Adrian Weyermann, Düde Dürst, Terry Stevens und Erich Strebel (von links). (Bilder: pd)

Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.

Dü­de Dürst wird die­ses Jahr 80. Von Al­ters­mü­dig­keit ist je­doch nichts zu spü­ren, im Ge­gen­teil: Er ist im­mer noch vol­ler Ta­ten­drang. Mo­men­tan hält ihn vor al­lem wie­der das Kro­ko­dil auf Trab: En­de Au­gust hat die le­gen­dä­re Schwei­zer Pro­gres­si­ve-Rock-Band ih­re elf­te Plat­te Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ein Al­bum, das den mu­si­ka­li­schen Geist der al­ten (be­zie­hungs­wei­se da­mals noch jun­gen) Kro­ko­dil be­wahrt, oh­ne ver­staubt zu klin­gen, viel­mehr ist es auf schö­ne Wei­se zeit­los. 

Bey­ond The Eye ist be­reits das drit­te Stu­dio­al­bum der zwei­ten Kro­ko­dil-Pha­se, nach An In­vi­si­ble World Re­turns (2020), ei­ner Neu­auf­nah­me des Klas­si­kers An In­vi­si­ble World Reve­a­led von 1971, und An­o­ther Time (2021). 2024 folg­te aus­ser­dem Live­time, ein Live­al­bum un­ter an­de­rem mit sehr gu­ten Auf­nah­men vom Kon­zert in der Gra­ben­hal­le 2022, bei dem Har­dy Hepp als Gast da­bei war. 

Die­se zwei­te Pha­se be­gann 2019. Da­mals be­leb­te Dü­de Dürst das Kro­ko­dil wie­der, zu­sam­men mit den Ori­gi­nal­mit­glie­dern Ter­ry Ste­vens (Bass) und Wal­ty An­sel­mo (Gi­tar­re/Ge­sang), der 2021 je­doch krank­heits­be­dingt kür­zer­tre­ten muss­te und 2024 ver­starb. Als neue Mu­si­ker sties­sen Adri­an Wey­er­mann (Gi­tar­re/Ge­sang) und Erich Stre­bel (Key­boards/Ge­sang) hin­zu. Sie wa­ren schon bei Dü­des Pro­jekt «Back To The Groo­ve 1 & 2» da­bei. Als Gast wirk­te ab und zu auch Grün­dungs­mit­glied Har­dy Hepp mit. Er ist im Ja­nu­ar eben­falls ver­stor­ben. Mo­jo Wei­de­li, der gross­ar­ti­ge «Schno­re­gi­iger» und Flö­tist, starb noch 2006.

Im Ge­spräch schwärmt Dü­de fast schon über­schwäng­lich von der neu­en Be­set­zung. «Zum ei­nen sind Adri­an und Erich zwei sehr krea­ti­ve Mu­si­ker, zum an­de­ren macht die Zu­sam­men­ar­beit mit ih­nen sehr viel Spass. Es ist auch ihr Ver­dienst, dass der Geist von Kro­ko­dil im Hier und Jetzt wei­ter­lebt.» Wäh­rend die Rhyth­mus-Sek­ti­on mit den Ur-Mit­glie­dern Dü­de Dürst und Ter­ry Ste­vens für den un­ver­gleich­li­chen Groo­ve sorgt, ge­ben Adri­an Wey­er­mann und Erich Stre­bel der Mu­sik ei­nen fri­schen An­strich. 

Ein Stück Schwei­zer Rock­ge­schich­te 

Wenn Dü­de vom «Geist von Kro­ko­dil» spricht, ist da­mit vor al­lem der psy­che­de­li­sche Pro­gres­si­ve Rock ge­meint, mit dem die 1968 in Zü­rich ge­grün­de­te Grup­pe Schwei­zer Rock­ge­schich­te schrieb. Kro­ko­dil mach­ten von Be­ginn an ei­nen ei­gen­stän­di­gen Sound. Sie ge­hör­ten – ne­ben der St.Gal­ler Band Shi­ver, die 1969 ihr le­gen­dä­res De­büt Wal­pur­gis ver­öf­fent­lich­te – zu ers­ten in­ter­na­tio­nal be­ach­te­ten al­ter­na­ti­ven Rock­bands der Schweiz. 

Bald konn­ten sie ei­nen Plat­ten­ver­trag beim in­ter­na­tio­na­len La­bel Li­ber­ty Re­cords un­ter­schrei­ben. Dort wa­ren auch die Krautrock­pio­nie­re Can und Amon Düül II un­ter Ver­trag. Ei­ne ge­mein­sa­me Deutsch­land­tour­nee folg­te. Und Clau­de Nobs, Mit­be­grün­der und lang­jäh­ri­ger Lei­ter des Mon­treux Jazz Fes­ti­val, ver­pflich­te­te Kro­ko­dil 1969 für die ers­te Durch­füh­rung des Mon­treux Su­per Pop – qua­si dem Rock- und Pop-Ab­le­ger des Jazz Fes­ti­vals –, un­ter an­de­rem zu­sam­men mit Va­nil­la Fudge und East of Eden.

Krokodil bei einem Konzert 1969: Hardy Hepp, Walty Anselmo, Mojo Weideli, Düde Dürst und Terry Stevens (von links). 

Krokodil bei einem Konzert 1969: Hardy Hepp, Walty Anselmo, Mojo Weideli, Düde Dürst und Terry Stevens (von links). 

Das Le­ben als Pro­fi­mu­si­ker war je­doch hart. Geld floss nicht ge­ra­de in Strö­men. So ar­bei­te­te Dü­de ne­ben­her im­mer noch als Gra­fi­ker, um et­was da­zu­zu­ver­die­nen. Ne­ben den Um­schlä­gen al­ler Kro­ko­dil-Plat­ten ist er ver­ant­wort­lich für die Ge­stal­tung von über 100 Plat­ten­co­vers. Da­zu ar­bei­te­te er als Zeich­ner für ver­schie­de­ne Me­di­en. 

Nach fünf Al­ben in fünf Jah­ren lös­ten sich Kro­ko­dil 1974 auf; Har­dy Hepp hat­te die Grup­pe be­reits 1971 ver­las­sen. 

Dü­de wid­me­te sich nach dem En­de von Kro­ko­dil neu­en Band­pro­jek­ten. Er stieg et­wa bei Jo Gei­lo & The He­art­brea­k­ers ein, ei­ner Soul-Funk-Band, bei der Im­pro­vi­sa­ti­on ih­ren Platz hat­te. Ei­ne Wei­le spiel­te er bei den wie­der­auf­er­stan­de­nen Les Sau­te­r­el­les. Und ak­tu­ell bil­det er zu­sam­men mit Adi Wey­er­mann und Tho­my Jor­di die Beat­les-Co­ver­band Fla­ming Pie. Die­se hat dem­nächst ei­nen Auf­tritt in Lon­don. Aus­ser­dem ar­bei­te­te er als Ses­si­on-Mu­si­ker in Bru­no Spör­ris Ton­stu­dio oder als Pro­du­zent, et­wa von Har­dy Hepp.

Jazz hat die Lie­be zur Mu­sik ent­facht 

Dü­de Dürst ent­deck­te die Lie­be zur Mu­sik schon in jun­gen Jah­ren. Sein äl­te­rer Bru­der hat­te ei­ne gros­se Samm­lung von Jazz-Plat­ten. Die­se Mu­sik fas­zi­nier­te ihn – und sie be­geis­tert ihn bis heu­te. Dü­de war bald klar: Ich wer­de Mu­si­ker. Al­ler­dings nahm er nie Mu­sik­un­ter­richt, son­dern brach­te sich die In­stru­men­te au­to­di­dak­tisch bei. 

Dü­des ers­tes In­stru­ment war die Po­sau­ne. Dann wur­de er an­ge­fragt, ob er nicht bei The Star­lights Schlag­zeug spie­len wol­le. Ob­wohl er ein gros­ser Be­wun­de­rer von Jazz-Drum­mern war, hat­te er vom Schlag­zeug­spie­len kei­ne Ah­nung. «Doch ich sag­te zu und knie­te mich voll rein. Das war der An­fang mei­nes We­ges als Mu­si­ker», so Dü­de. Er spiel­te in ver­schie­de­nen Bands, un­ter an­de­rem bei The Counts. Ei­nes Ta­ges kam To­ni Ves­co­li auf ihn zu: Les Sau­te­r­el­les brauch­ten drin­gend ei­nen Schlag­zeu­ger. Und so wur­de Dü­de schon in jun­gen Jah­ren Be­rufs­mu­si­ker. Da­ne­ben blieb er aber im­mer auch gra­fisch tä­tig. 

Die da­ma­li­gen Pop­grup­pen in der Schweiz wa­ren mehr­heit­lich Co­ver­bands. Sie spiel­ten Beat­mu­sik mit we­ni­gen ei­ge­nen Songs, das meis­te war klar vor­ge­ge­ben. Dü­de fehl­te das Im­pro­vi­sie­ren, das Ver­än­dern von Stü­cken. Dar­aus ent­wi­ckel­te er das Be­dürf­nis, ei­ne ei­ge­ne Band zu grün­den. Zu­sam­men mit Sän­ger Har­dy Hepp, der das De­büt von Les Sau­te­r­el­les pro­du­ziert hat­te, rief er Kro­ko­dil ins Le­ben. Und war­um der Na­me? «Wal­ty muss­te da­mals auf ein klei­nes Kro­ko­dil auf­pas­sen, das in ei­nem Ter­ra­ri­um da­hin­ve­ge­tier­te. So ka­men wir bei ei­ner psy­che­de­li­schen Ses­si­on auf den Na­men Kro­ko­dil», er­zählt Dü­de. 

Je­den Tag am Schlag­zeug 

Ein gu­tes Mit­ein­an­der sei bei ei­ner Band wich­tig, be­tont Dü­de Dürst. «Und eben ei­ne gros­se Por­ti­on Krea­ti­vi­tät, auf­ein­an­der ein­ge­hen, im­pro­vi­sie­ren. Das ha­be ich im Jazz ge­lernt.» Er selbst spielt im­mer noch sehr gern. Fast je­den Tag sitzt er am Schlag­zeug. Und ihm ist es wich­tig, das gan­ze Pro­jekt in den ei­ge­nen Hän­den zu ha­ben. Kro­ko­dil ma­chen al­les un­ab­hän­gig: Mu­sik, Ge­stal­tung der Plat­ten, Wer­bung, Ver­trieb. Und al­les er­scheint auf dem ei­ge­nen La­bel Kro­ko­dil Re­cords. Da­bei ist Dü­de nicht nur Schlag­zeu­ger, son­dern auch Pro­du­zent und Ma­na­ger der Band. 

Sei­nem un­er­müd­li­chen Ein­satz ist es auch zu ver­dan­ken, dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die al­ten Kro­ko­dil-LPs wie­der­ver­öf­fent­licht wur­den und heu­te (fast) al­le Stü­cke der Band wie­der – oder so­gar erst­mals – auf LP oder CD er­hält­lich sind. Und zu gu­ter Letzt ar­bei­tet Dü­de am Bild­band You’re Still a Part of Me zur Ge­schich­te von Kro­ko­dil, mit je­der Men­ge un­ver­öf­fent­lich­tem Bild­ma­te­ri­al und Tex­ten von Sa­mu­el Mu­men­tha­ler. Das Buch soll 2027 er­schei­nen.

Kro­ko­dil sind ein wich­ti­ges Stück Schwei­zer Mu­sik­ge­schich­te – und im­mer noch in­no­va­tiv. Und die «neu­en Kro­ko­dil» hal­ten sich nun schon ei­ne Wei­le – in­zwi­schen län­ger als in der ers­ten Pha­se. Geht es nach Dü­de Dürst, soll das noch ei­ne Wei­le so blei­ben. 


Kro­ko­dil – Bey­ond The Eye (Kro­ko­dil Re­cords): er­schie­nen am 28. Au­gust auf Vi­nyl, CD und als Down­load. 
Live: Frei­tag, 25. Sep­tem­ber, 20:30 Uhr, Gra­ben­hal­le, St.Gal­len; Mitt­woch, 30. Sep­tem­ber, 20:15 Uhr, Ei­sen­werk, Frau­en­feld. 
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

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Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

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Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover