, 7. August 2013
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Das Kulturplatz-Aus

Was die Fachjury überzeugte, gefällt dem St.Galler Stadtrat nun doch nicht – auch nach der einjährigen Überarbeitung nicht. Es wird im Museumsquartier keinen Kulturplatz geben. Die Finanzen spielten dabei eine Rolle, aber nicht nur.  

Der Stadtrat hat sich gegen den Kulturplatz entschieden und in einem Schreiben die Architekten des Siegerprojektes, Ivo Barão und Peter Hutter, die Jury, das Stadtplanungsamt und die Anwohner des «Platzes» informiert. Dieser Entscheid kommt überraschend.

Die Vorgeschichte:

2011 schrieb die Direktion Bau und Planung einen Wettbewerb aus: Ein Kulturplatz soll zwischen der Tonhalle, dem Stadttheater und dem Kunstmuseum entstehen und die ohnehin sanierungsbedürftige Museumsstrasse aufwerten. Eine 8-köpfige Jury bewertete die eingegangenen Projekte.

Das Siegerprojekt «Blue Notes» vom Architekturbüro Barão und Hutter überzeugte die Jury dadurch, dass es nicht versuchte, aus der Strasse einen Platz zu machen, sondern die Strasse selbst in den Mittelpunkt stellte. Pavillons sollten als «Perlenkette» die Strasse und den Stadtpark durchziehen.

Der Stadtrat nahm das Siegerprojekt Anfang 2012 zur Kenntnis, aber genehmigte es nicht.

Die vom Projekt begeisterte Fachjury machte sich daraufhin mit den Architekten an die Überarbeitung und legte nun das Projekt erneut dem Stadtrat vor. Nun trifft sie die definitive Absage unvorbereitet – und sie überrascht.

Aktuell:

Dass sich der Stadtrat aus finanziellen Gründen gegen das mit 7,13 Millionen veranschlagte Projekt «Blue Notes» entscheidet, liegt in fit13plus-Zeiten nahe. Allerdings hatte Dirk Ruggaber vom Stadtplanungsamt noch im April die Chancen des Projektes als gut eingeschätzt. «Fit13plus ist ein Faktor, aber kein Killer», sagte er damals gegenüber Saiten. Dass nun aber auch eine «qualitative Beurteilung» eine Rolle gespielt und die «Lösung nicht gefallen» hat, erstaunt den Architekten Peter Hutter eben so sehr wie die Leiterin des Stadtplanungsamtes Helen Bisang.

Alfred Kömme, Direktionssekretär Bau und Planung, sagt am Telefon, er könne nicht konkreter werden, ausser dass das Projekt den Stadtrat «nicht überzeugt» habe. Und er betont, dass es häufig der Fall sei, dass man sich gegen ein Siegerprojekt ausspreche, ob privat oder öffentlich, denn «die politische Behörde ist nicht an einen Juryentscheid gebunden».

Ob häufig oder nicht – in der Stadt St.Gallen ist das ein rarer Fall. Architekt Peter Hutter meint, dass es doch unkonventionell sei, dass ein Juryentscheid nicht akzeptiert werde.

Im Raum steht die Frage, was genau den Stadtrat, trotz dem Urteil seiner Fachjury, qualitativ am Projekt «nicht überzeugt» hat?

Markus Buschor, Stadtrat und selber Architekt, sagt auf Nachfrage, dass das Projekt nicht fachlich beurteilt wurde, sondern inhaltlich, und inhaltlich sei es nicht das gewesen, was der Stadtrat bestellt habe. Das Projekt habe zu viel gewollt und wäre nur in Teilen realisierbar gewesen.

Die Perlenketten haben sozusagen über die Schnüre geschlagen.

Offen bleibt:

1. Warum wurde das Projekt überhaupt weiterverfolgt? Schliesslich war schon Anfang 2012 klar, was es inhaltlich will. Markus Buschor, der erst seit Anfang 2013 im Stadtrat ist, weiss nicht, warum es nicht schon damals vor der Überarbeitung gestoppt wurde.

2. Liegt der Grund darin, dass das Projekt mit Elisabeth Beéry, damalige Stadträtin für Bau und Planung sowie  auch Jury-Mitglied, eine überzeugte Befürworterin hatte, die nun an der  entscheidenden Stadtratssitzung fehlte?

3. Exerziert hier der Stadtrat einen klammheimlichen Extra-Klimmzug an seinem fit13plus-Barren? – Zumindest offiziell hat der Stadtrat noch nichts über das Kulturplatz-Aus verlauten lassen.

1 Kommentar zu Das Kulturplatz-Aus

  • Angelo Clerici sagt:

    Besonders stossend ist auch, dass in „fit13plus-Zeiten“ noch Steuerghelder für die Weiterbearbeitung des Projektes eingesetzt werden, obwohl offensichtlich bereits zu Beginn klart war, dass dem Projket eine Absage erteilt wurde.

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