Der Gast hat das Recht, dass er schnell zu seinem Bier kommt. Dass die Band pünktlich beginnt. Dass die Band mindestens 70 Minuten spielt. Dass es laut genug ist, aber nicht zu laut. Dass die Band all ihre Hits spielt. Und sauber muss es sein.
Im Palace ist das nicht anders – aber nicht so wichtig. Ins Palace gehen nicht Leute, die Hasspostings schreiben, wenn einer dieser Punkte nicht erfüllt ist. Denn im Palace hat der Gast noch sehr viel weitreichendere Rechte als in den üblichen Veranstaltungs-Locations. Woanders investiert ein Unternehmer in eine Band-Gage und versucht, möglichst hohe Gewinnmargen beim Weiterverkauf in Form von Eintrittskarten zu erzielen.
Die Leute im Palace ticken anders. Vor und hinter den Kulissen. Hier gelten andere Rechte des Gastes sehr viel mehr. Hier soll die Band nicht schön sein (aber sie darf), vor allem soll sie – im besten Wortsinn – eigenartig sein. Und was zu sa- gen haben. Und hier muss man auch nicht Hitparadenstürmer sein, um Gehör zu finden. Hier gibt es mit der erfreulichen Universität sogar einen seit Jahren funktionierenden fixen Raum für Ideen und das Infragestellen des Herkömmlichen – und die Leute lieben das.
Gastrecht 2 – Ja, Panik lädt ein: 4. November, 21 Uhr, Palace St.Gallen. Futur II – Die Party zum Buch!
Hier gibt es also tatsächlich noch Menschen, die nicht eingelullt werden wollen, sondern ernsthafte Auseinandersetzungen suchen – sich dabei aber im Ideal- fall nicht sonderlich ernst nehmen. Leute, die nicht ihr Leben damit verbringen, mit dem Versuch, andere durch Aggression oder Imitation zu beeindrucken, die Zeit totzuschlagen. Irgendwie nehmen die Leute im Palace vor und hinter den Kulissen das Leben ernst und gelassen gleichzeitig.
Und die Macher hinter den Kulissen paaren das mit Hartnäckigkeit und Ausdauer – und haben Spass dabei. Seit 10 Jahren widersetzt man sich hier den Verlockungen der Anbiederung. Seit 10 Jahren werden neue Wege beschritten, Experimente gewagt. Und immer wirkt es sehr glaubwürdig, scheint es so, als wären da Leute am Werk, die lieben, was sie tun.
All das ist bewundernswert. Wirklich.
Aber jetzt mal unter uns: Bei Euerm ambitionierten und vor allem sehr sympathischen Auftritt beim poolbar-Fussball-Invitational habt Ihr Euch wacker geschlagen. Aber, liebes Team vom Palace: Ich weiss nicht recht, wie ich es interpretieren soll, dass Ihr meine jährlichen freundlichen Einladungen zur erneuten Teilnahme an unserem Turnier ausgeschlagen habt.
Ist es die Angst, Eure damalige Top-Leistung nicht erneut abrufen zu können? Wäre egal – es gibt jedenfalls eine dritte Halbzeit, die Ihr gewiss souverän meistern werdet. Oder habt Ihr gar Angst vor den Österreichern, weil hier unter Umständen ein rechtslastiger Wolf im Schafspelz zum Bundespräsidenten werden könnte? Kann ich nachvollziehen und ist mir äusserst zuwider – aber beim poolbar-Festival werdet Ihr Euch immer wohl und sicher fühlen. Oder haben Euch die Türsteher abgeschreckt? Ja, Ihr habt beim Palace keine – wie geil! Aber, sorry, bei uns sind sie Pflicht. Und inzwischen stehen da – ehrlich! – lässige, nein, richtig liebe Kerle.
Ihr seid jedenfalls hiermit offiziell und herzlich eingeladen, am poolbar-Fussball-Invitational #5 teilzunehmen. Bitte den 5. August 2017 dick im Kalender anzustreichen. Wir räumen Euch auch gerne spezielle Gastrechte ein:
Können wir darüber am 22.November reden? Da wage ich mich nämlich wieder mal über die Grenze und erwerbe durch den Kauf meines Tickets für Beak> nicht nur mein Gastrecht darauf, Geoff Barrow (Portishead!) im Palace zu sehen, sondern auch mein Gastrecht, bei Euch mit guten Leuten ein Bier zu trinken.
Und ich würde Euch gerne respektvoll die Hand schütteln und zu 10 Jahren Palace gratulieren – darf ich?
Herwig Bauer, 1973, ist Gründer und gemeinsam mit Heike Kaufmann Geschäftsführer des poolbar-Festivals in Feldkirch. poolbar.at
Dieser beitrag erschien im Novemberheft von Saiten. Hier gehts zum ersten Gastrecht-Beitrag von Chrigel Fisch.
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