Gemäss Medienberichten könnte die Spielstätte des FC St.Gallen schon bald Kybun-Stadion heissen. Ob nun der Schuhhersteller zum Zug kommt oder nicht – der bevorstehende Namenswechsel verdeutlicht ein grundsätzliches Problem: Die Heimat unserer Mannschaft hat keinen dauerhaften Namen.
Der Verkauf der Namensrechte mag ökonomisch sinnvoll sein. Trotzdem: Ohne dauerhaften Namen wird das Stadion des FC St.Gallen nie die beinah schon mythische Bedeutung haben, wie sie das Espenmoos einst hatte.
Ein Verkauf der Namensrechte beeinträchtigt die Identifikation der Fans mit dem Verein, indem sie den zentralen Bezugspunkt einer jeden Fan-Biografie austauschbar macht. Man stelle sich die Diskussion in einigen Jahrzehnten vor, wenn sich altgediente Fans nachts an der Bar über die raren Erfolge der Vereinsgeschichte unterhalten:
«Weisst du noch, als wir damals in der AFG Arena im Cuphalbfinal standen?»
«War das nicht schon im Kybun-Stadion?»
«Nein, nein, aber in dem waren wir doch mal kurz vor dem Einzug in die Europa League-Gruppenphase?»
Je häufiger der Name wechselt, desto grösser die Verwirrung. Desto grösser das Problem. Bereits im letzten Sommer haben wir die Diskussion angestossen, wie man diesem Missstand Abhilfe schaffen könnte. Und auch der Schäfer hatte seine aufmüpfige Meinung dazu.
Uns erreichten damals unzählige Vorschläge, die wir zu gruppieren versucht haben.
Die Historischen: Fussball ist immer auch Geschichte. Um das darzustellen, bieten sich in St.Gallen vor allem zwei Begriffe an: «Espen» und «Gallus». Wenig verwunderlich erreichten uns einige solcher Vorschläge, wahlweise kombiniert mit Park, Platz, Arena oder Garten. Auch etwas exklusivere Varianten kamen vor, wie zum Beispiel der «Espenpalast» oder das «Gallus-Stübli».
Die Pragmatischen: Viele Fans haben sich schon damit abgefunden, dass das Stadion wohl immer einen Sponsorennamen tragen wird. Sie versuchen, daraus das Optimum rauszuholen. Ganz offensichtlich kommt für viele nur eine Firma als Sponsor in Frage: Schützengarten. Das hätte den Vorteil, dass der Name des Stadions gleich ohne Zusatz auskommen würde. Der «Schützengarten» wäre allein schon ein funktionierender Stadionname. Und vermutlich sogar einer, der das eigentliche Sponsoring der Firma überdauern könnte.
Die Kritischen: Auch Kritik wurde vereinzelt mit der Einsendung eines Vorschlags verbunden. So deuten wir zumindest die Schöpfung «Sankt Guantanamo» als Hinweis auf die – zumindest früher festzustellenden – Verhältnisse beim Einlass in den Gästeblock. Auch der Vorschlag «Karin Keller-Sutter-Kampfbahn» dürfte eine subtile Message beinhalten.
Die Amüsanten: Natürlich war nicht alles ganz ernst gemeint oder nicht problemlos umsetzbar. Darunter hat uns neben dem «Böllä vörä Stadion» vor allem folgender Vorschlag ein Schmunzeln entlockt:
Tinnitus-Arena @senfsg pic.twitter.com/T0JNnbii4z — sali zämme (@salizaemme) July 7, 2015
Tinnitus-Arena @senfsg pic.twitter.com/T0JNnbii4z
— sali zämme (@salizaemme) July 7, 2015
Der Name muss von unten kommen Namensrechte werden wohl immer verkauft werden, solange sich ein Käufer finden lässt. Dessen sind wir uns durchaus bewusst. Trotzdem, wie wir letzten Sommer schon festgestellt hatten: Unsere Heimat hat einen Namen verdient, der nicht wie ein Spieler ausgewechselt wird. Und wenn er nur inoffiziell ist.
Während wir uns nicht anmassen, den passenden Namen zu bestimmen, hoffen wir doch, mit dieser Zusammenstellung nochmal eine Diskussion anstossen zu können. Und in diese möchten wir natürlich auch nochmal unseren eigenen Vorschlag einbringen: Warum nicht Emil-Gretler-Stadion?
Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.
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