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Das Warum ist nun geklärt

Die sechste Ausgabe von «Gender Matters» am Donnerstag in der St.Galler Hauptpost drehte sich um Sprache und Gleichstellung. Ein solider Basiskurs, der eine Fortsetzung verdient hätte.
Von  Corinne Riedener

Die Bremsklötze von der St.Galler Elite-Uni hätten am Donnerstagabend im Raum für Literatur in der Hauptpost sein sollen. Die quälen sich ja bekanntlich mit gendergerechter Sprache herum. «Vom Binnen-I zum Gender*Stern» war das Motto, eine Veranstaltung der Reihe «Gender Matters», organisiert vom kantonalen Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung.

Zu Gast war die Psychologin Dr. phil. Franziska Moser. Sie forscht zu den Schwerpunkten Geschlechterrollen und -stereotype, geschlechtergerechte Sprache und Entwicklung der Geschlechtsidentität. Ebenfalls eingeladen war Lea Berger, Co-Präsidentin von Transgender Network Switzerland (TGNS), allerdings musste sie krankheitsbedingt absagen.

Gendergerechte Sprache sei heute unabdingbar, auch wenn kritische Stimmen sie für «überflüssig» halten, betonte Rahel Fenini vom Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung in ihrer Begrüssung. «Sozialer Wandel bringt auch einen sprachlichen Wandel mit sich.»

Das Rätsel um den verletzten Sohn

Dass das umgekehrt genauso der Fall ist bzw. sein kann, führte Franziska Moser in ihrem anschliessenden Referat aus. Die Psychologin zeigte auf, wie die Sprache unser Denken prägt und mit welchen Folgen. Sprache sei ein zentrales Mittel zur Konstruktion sozialer Wirklichkeiten, erklärte sie. Sie präge unsere Konzeptualisierung der Welt und des Alltags, unsere sozialen Beziehungen und ebenso die Wertvorstellungen.

Zur Veranschaulichung präsentierte sie das beliebte «Rätsel» um den verletzen Sohn:

Vater und Sohn haben einen schweren Autounfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Bub wird mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht, die Operation wird vorbereitet. Als alles fertig ist, erscheint der Chirurg, wird blass wird und sagt: «Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!» – Hä?

Der Chirurg ist natürlich eine Frau. Aber eben: Die meisten denken reflexartig nicht an diese Möglichkeit. Der Mann ist die Norm, auch in der Sprache. Dieses Machtgefälle wird in der feministischen Sprachkritik seit Jahrzehnten thematisiert. Mittlerweile ist man sich auch einig, dass das Weibliche in der Sprache sichtbar gemacht werden muss, der Bund und die meisten Institutionen orientieren sich darum an Genderleitfäden.

Moser hat unter anderem auch erforscht, wie sich die Verwendung des generischen Maskulinums auf Kinder auswirkt. Sie reagieren ähnlich wie Erwachsene – was sich selbstverständlich auch auf das Identifikationspotenzial auswirkt, erklärte sie. Studien hätten gezeigt, dass sich das Interesse von Mädchen für «geschlechtsatypische» Berufe erhöhe, wen beispielsweise von «Informatikerinnen und Informatikern» die Rede sei und nicht nur von der männlichen Form.

Die verlorene Generation

Diese Erkenntnisse sind nicht neu, aber es war gut, sie sich wiedermal in Erinnerung zu rufen. Trotzdem fühlte sich der Abend stellenweise ein bisschen an wie ein Basiskurs. Im Publikum sassen nicht wenige, die schon durchaus sensibilisiert waren für das Thema und sich eine vertieftere Diskussion über die Chancen und Grenzen von gendergerechter Sprache und die neusten Entwicklungen diesbezüglich gewünscht hätten. So war es angekündigt.

Mehr von Saiten zur gendergerechten Sprache: hier.

Dass es nicht dazu kam, liegt nicht an Franziska Moser oder an der Organisation. Es ist wichtig und gut, dass das Thema aufgenommen wurde. Wäre auch Lea Berger von TGNS im Raum für Literatur gewesen, hätte die Diskussion bestimmt eine weitere Wendung genommen. So aber blieb sie etwas gar fest im binären Geschlechtermodell stecken, Gendergap und Genderstern sprich die Sichtbarmachung der ganzen Vielfalt der Geschlechter und Identitäten wurde nur kurz angeschnitten, ebenso der konkrete Umgang mit gendergerechter Sprache im Alltag.

Stattdessen drehte es sich plötzlich um «die Jungen», die sich ständig nur auf TikTok und Insta rumtreiben, wo ja angeblich alles inklusive Sprache total sexistisch ist und man darum Gefahr laufe, «eine ganze Generation zu verlieren». Zum Glück widersprachen dann «die Jungen» im Publikum und erklärten, dass diese Plattformen mitunter zum diversesten gehören, was die Welt heute zu bieten hat und dass Sichtbarmachungen wie der Stern oder der Doppelpunkt für viele fix zur Sprachpraxis gehören.

Sprachgebrauch in den sozialen Medien wäre definitiv ein Thema, dem man ebenfalls einmal eine Diskussion widmen könnte. Oder der Kulturpessimismus gewisser Leute, wenn es um die Jugend geht. Alles in allem war der Abend ein guter Start ins Thema gendergerechte Sprache. Das Warum ist nun geklärt, jetzt fehlt noch ein Abend zum Wie.

Nächster Abend der Reihe «Gender Matters» zum Thema «Flâneusen*
Urbanität, Gender und Gleichstellung»: 10. Dezember, 19 Uhr Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen.

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

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2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

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2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

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Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

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Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

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Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

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01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

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Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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