, 10. Januar 2018
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Dem Projer sein Schnauz

Genosse Galgenvogel schreibt über Geschichten, die die Ostschweiz nicht nicht betreffen. Heute: Publikumsarena, Trolle, Toggenburger Dorfplätze und den tieferen Sinn davon, mal kurz hinzuhocken.

Da hats den «Journalisten des Jahres» Jonas Projer einfach hingehauen. Und er hat sich auch ohnedies einiges gefallen lassen müssen in der Publikumsarena zur Sendeschlussinitiative. Ein ZHdK-Prof schwärmte zum Beispiel von den superguten SRF-Journalisten, meinte aber auf Projers Bemerkung, er würde gleich erröten, dass er ihn nicht dazu zähle, da er von ihm noch keine Recherchen gelesen habe. Da hat er noch gestanden. Ein Mensch wie Projer nährt sich an solchen Anwürfen, so wie Popeyes Bizeps an Spinat zu schwellen beginnt.

Die nun schon seit Monaten mantrahaft wiederholten Ausflüchte der Initianten, es gäbe bestimmt einen Plan B und die SRG würde es somit weiterhin geben, kontert der Talker abermals mit der ihm eigenen Mischung aus Deutlichkeit und äusserster Vorsicht: Projer ist nicht hier, um seine eigenen Punkte zu machen. Er ist der Mensch mit der Stoppuhr, der dialektische Ringrichter, der journalistische Mittler aufeinanderprallender Welten. Vielleicht müsste man ihm gelbe und rote Karten schenken, denn gefoult wird viel, auch bei anderen Abstimmungen. Im Falle der SRG hängen gerade einige Tausend Arbeitsplätze am Ausgang der Initiative und daher auch an der Diskussion: Aber was da eins an Scheisse behauptet wird! Oder in Projers Jargon: «Es gibt Meinungen, die gehen auseinander, aber dann gibts da auch noch Fakten».

Die eloquente Co-Präsidentin der Operation Libero, Laura Zimmermann, wirkte nahezu idealistisch, als sie den älteren Säcken respektablen Personen erklärte, dass dies eben der notwendige Dorfplatz sei, auf dem gestritten werden dürfe und müsse. Doch auch redaktionelle Einspieler mit animierten Quadratschädeln können nicht viel daran ändern, dass die Arena keineswegs das ideale Format ist, um Fakten zu untersuchen. Die auf Sekunden gestoppte Ausgewogenheit von «pro» und «contra», die kompromisslose Neutralität des Moderators und die teilweise konstruktiven, sinnvollen und faktenbasierten Äusserungen der Debattierenden können eines nicht übertünchen: Die Trolle operieren mit anderen Mitteln, und ihr Manko an rationalen Voraussetzungen zu einer tatsächlichen Diskussion machen sie mit einem besonderen Einsatz ihrer grossen Fresse wett.

Hingehauen hat sich Projer, als Unternehmer Koni Rüegg aus dem Publikum die Mär von der vermeintlich linken SRF fickrig und rechthaberisch in die Kamera blies: Man solle ihm sonst fünf SVPler in der SRG aufzählen. Konnte er die These der «linken SRG» nicht beweisen, so solle Projer doch den «Gegenbeweis» antreten. Projer, neben dem optischen und rhetorischen Toni-Brunner-Verschnitt sitzend, gibt zurück, es sei doch scheissegal, welchen Stimmzettel er wie ausfülle, solange er seinen Job anständig mache. Dem Troll nebenan reicht dies nicht, er sagt einen denkwürdigen Satz: «Wir alle sind politische Menschen und das fliesst in unsere Arbeit ein».

Welcher intellektuellen Fernsehprominenz er diesen Satz abgeschrieben hat, bleibt uns ein Rätsel, eines ist aber klar: Wenn Projer seinen Tschob politisch interpretieren würde, liesse das garantiert nicht auf eine linkslastige SRG schliessen; so erinnert man sich, wie er Juso-Präsidentin Tamara Funiciello in sein ausgemittetes Raster gepresst hatte, als diese einmal über den thematisch nahestehenden Kapitalismus sprechen wollte. Ein Mensch, der historisch kritische Interventionen als themenferne Ideologie verkennt, ist nicht links, egal welche Partei er wählt.

Hätte Projer aber politische Gefühle zugelassen in dieser Situation, hätte er dem sabbernden Troll mindestens einen der drei fratzenhaften Köpfe abgebissen. Es ist davon auszugehen, dass sich Projer einst als prophylaktische Ersatzhandlung Badass-Schnauz wachsen liess. Denn während er sich den Rüegg stoisch anhört, richtet er den Blick durch diesen hindurch in die Ferne. Mit Schnauz und in kämpferischer Pose spricht nicht mehr nur die Hoffnung, Projer vielleicht mal noch als treffsicheren Trollhunter zu erleben. Er müsste weit über seinen normativen Schatten springen, die Wut dann und wann zulassen und vielleicht auch mal Knoblauch und Holzpflock mit ins Studio nehmen. Aber hey: Darum ein klares Nein zum Sendeschluss, denn das wollen wir dann unbedingt sehen.

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