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Den Frauen geht die Geduld aus

Vor 27 Jahren haben die Frauen gestreikt. Heute, am 14. Juni, erinnern sie mit Plakaten an die noch immer nicht erfüllten Forderungen. Mit dem Slogan «Gleichstellung jetzt!» lancieren die SP- und Jusofrauen ein Frauen*jahr.
Von  Redaktion Saiten , 

Der Frauenstreik vom 14. Juni 1991 ist zumindest den nicht mehr ganz Jungen in guter Erinnerung: Er hat überdurchschnittlich mobilisiert und sensibilisiert für Gleichstellungsfragen. Aber 27 Jahre später seien längst nicht alle Fragen beantwortet, sagt die Plakataktion: «Was selbstverständlich sein sollte, muss endlich selbstverständlich werden.»

Drei Forderungen stellt der «feministische Thesenanschlag» in den Vordergrund: Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie inklusive Anerkennung von Haus- oder Care-Arbeit als gleichwertige Tätigkeiten, sowie: keine Gewalt gegen Frauen. Gerade was die Lohngleichheit betreffe, sei das Bewusstsein für das Thema eher geschwunden in den letzten Jahren, sagt Andrea Scheck von den Juso St.Gallen. Und selbstverständlich brauche es den Einsatz von Männern wie von Frauen, um sie endlich durchzusetzen.

Am St.Galler Bärinnenplatz wurde das Thema dann konkreter. Die Gewerkschaft Unia zeigte den Arbeitgebern symbolisch die Rote Karte, und SP-Kantonsrätin Bettina Surber erklärte warum: Bei ungelernten Tätigkeiten, auf dem Bau, in Gastro- oder in Verkaufsjobs, verdienten gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundes Männer rund 1000 Franken mehr als Frauen. Über alle Branchen hinweg betrage der «unerklärliche Lohnunterschied» 7,4 Prozent oder 585 Franken monatlich – «man kann das Jahr für Jahr bedauernd feststellen, aber von diesem Bedauern können sich die Frauen nichts kaufen», sagte die Rednerin.

Deshalb seien weitere Massnahmen nötig – etwa Zertifizierungen für Betriebe, die Lohngleichheit gewähren, der Kampf gegen lohnmässig ungeschützte Arbeit auf Abruf, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und: mehr Frauen in die Politik und an führende Positionen. Bei den Diskussionen um die Spitalfinanzierung sei die Finanzkommission des Kantonsrats (mit immerhin vier Frauen) einer Delegation aus Spital-Verwaltungsrat und Wirtschaftsprüfern gegenüber gesessen: zwölf Männer, keine Frau. Fazit: «Wir sind noch lange nicht am Ziel.»

Lohngleichheit sei derzeit kaum ein Thema im Kanton, bestätigte auch Maria Huber von der Gewerkschaft vpod und Mitglied der kantonalen Schlichtungsstelle für Gleichstellung, auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA. Derzeit sei keine einzige Lohnklage im Kanton hängig. «Das Thema Lohngleichheit ist nicht mehr in den Köpfen der Frauen», sagte Huber.

Die Sprache des Plakats ist zwar deutlich: «Wir haben lange genug gewartet – wir Frauen wollen nicht mehr länger warten.» Dass die Gleichstellung, wie gefordert, innert gerade einmal einem Jahr Tatsache werden soll, hält Andrea Scheck allerdings für nicht sehr wahrscheinlich. Aber auch Schritte in die Richtung seien wichtig. Und zudem habe das Frauen*jahr erst gerade begonnen und sei noch lang.

Zeit also für einen neuen Frauenstreik? Darüber sei jedenfalls gesprochen worden, sagt Andrea Scheck. Vorläufig sollen Plakate mobilisieren – in St.Gallen unter anderem am Bahnhof, an der Post oder beim Waaghaus sowie schweizweit in mehr als 50 Städten. Und auf dem Bärenplatz liessen die Frauen am Schluss der Aktion violette Ballone in den Himmel steigen. Ein Teil der Ballone schaffte es, die meisten verhakten sich allerdings symbolträchtig an den Drähten. Aber sie blieben dafür sichtbar.

(Bilder: Su.)

 

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