, 27. August 2013
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Der beleidigte St.Galler Untergrund

Das Geothermie-Projekt geht ein bisschen weiter. Ein zweites Beben würde aber das Ende bedeuten.

Gegen 40 Medienvertreter nahmen an der Veranstaltung teil, an der über die Zukunft des grössten Pilotprojekts im Bereich erneuerbare Energien der Schweiz informiert wurde.

Die Kurzfassung: Das Vorhaben steht auf der Kippe. Und das wird noch lange der Fall sein.

Der St.Galler Stadtrat hat am Dienstag zwar bekannt gegeben, dass im Bohrloch weitergearbeitet werden kann. Das bedeutet allerdings nur ein vorläufiges Ja zum Projekt: Vor allem sollen nun weitere Informationen gesammelt werden. Geplant ist auch ein Produktionstest, der das Potenzial der Gas- und Wasservorkommen aufzeigen wird.

Danach folgt die grosse Pause.

Das Bohrloch wird verschlossen, die Arbeiten werden eingestellt. Die neuen Erkenntnisse werden ausgewertet. Irgendwann danach wird entschieden, ob das Geothermie-Kraftwerk realisiert werden kann. Denkbar sei ein Parlamentsbeschluss oder auch eine Volksabstimmung, sagte Stadtrat Fredy Brunner.

Unter anderem wird nun versucht, eine Messsonde «zu fangen», die bei den Ereignissen vom 20. Juli verloren ging. Sie befindet sich in einer Tiefe ab 4000 Metern und könnte nach dem Beben noch einige Zeit Daten gesammelt haben. Projektleiter Marco Huwiler beschrieb das geplante Vorgehen so:

«Möglichst sanft, um den Untergrund nicht zu beleidigen».

Die beiden entscheidenden Sätze der Medienorientierung lauteten aber:

«Das Restrisiko bleibt bestehen.»

«Bei einem weiteren Erdbeben wird der Stadtrat das Projekt stoppen.»

Hauptthema war denn auch die Gefahr weiterer Beben:

Stefan Wiemer, Leiter des Schweizerischen Erdbebendienstes bezifferte die Möglichkeit spürbarer Beben auf 10 bis 20 Prozent. Für ein zweites Beben in der Stärke von 3,5 bestehe ein Risiko von 1 bis 3 Prozent. Erstmals erwähnt wurde an der Pressekonferenz, dass es ungefähr an der gleichen Stelle schon einmal ein Erdbeben gegeben hat: Das Abtwiler Beben von 1835 mit einer Stärke von 4,7.

Der St.Galler Untergrund ist offenbar aktiver als gedacht.

Wiemer bezeichnete die Zone in rund 4500 Meter Tiefe als «kritisch vorgespannte Verwerfung». Sie gilt neu als «seismisch aktiv». Bei den Arbeiten im Bohrloch sei relativ wenig gemacht worden. «Doch der Untergrund hat ungewöhnlich stark regiert.» Eine Quantifizierung der Gefahren sei sehr schwierig, sagte Wiemer, «weil wir halt zu wenig wissen.»

Das bedeutet:

Das Risiko wird das St.Galler Geothermie-Projekt begleiten. Noch lange.

Bei vergleichbaren Vorhaben in Deutschland kam es häufig erst nach der Inbetriebnahme eines Kraftwerks zu Beben.

1 Kommentar zu Der beleidigte St.Galler Untergrund

  • Hansueli Stettler sagt:

    Also wärs nun an der Zeit, die Zeit zur Umsetzung all der anderen Energieziele zu nutzen. Schrittchenweise, aber immer auf der sicheren und günstigen Seite: Sanieren, Dämmen, Solarenergie, Wind und Erdwärme der weniger riskanten Sorte.
    Alles schön mit rascher payback-rate, so attraktiv für alle Besitzer und Mieter..
    Und bei dieser Gelegenheit halt wieder so eine neue Idee vom Ökotekten – gratis für alle, die sie hören wollen:
    Die Deponie Tüfentobel 1. nochmals vollflächig um gut 20-30 m höher aufstocken, dabei 2. simultan Wärmeregister einziehen. So bauen wir in den nächsten 20 Jahren kontinuierlich den grössten Saisonspeicher Europas und können die überschüssige Sommerwärme der KVA kostengünstig in den Winter retten. Erneut eine win/win Situation: für die Natur im Steinachtobel und die bessere Nutzung bestehender städtischer Infrastrukturen.
    Und sicher nichts dagegen, wenn jedes Haus nur noch ein Untergeschoss haben dürfte. So viele Parkplätze (= Quartierparkhäuser….) wie momentan landauf- und ab gegraben werden, brauchen wir eigentlich ja gar nicht. Bei der Fachhochschule hätten wir so gegen 40’000 m3 weniger in die Deponie geliefert und ein stattlicher Haufen der teuren statischen Probleme wären nicht aufgetaucht….

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