Der Billionstel eines Lichtjahrs
Pico Lightyear, die regionale Folk-Rock-Entdeckung 2025, proben, wenn überhaupt, immer gleich übers ganze Wochenende. Die mehrtägigen Sessions gehören zu ihrer Gründungsgeschichte. Ihr Debütalbum ist im Oktober erschienen, getauft wird am 17. Januar.
Pico Lightyear: Samuel Lutz, Karin Roth, Albin Efinger, Emanuel Keller (Bild: pd/Simon Costabiei)
Eigentlich wollten sie explizit keine Band gründen. Entstanden ist aus dem Nichtvorhaben innert weniger Monate ein hübsches Debütalbum, ausserdem gab es Auftritte am Openair zwischen den Obstbäumen in Steinach und am Rapid Openair in Bonaduz als Bühnenpremieren. (Wenn man den lauschigen Try-out-Abend im «3. Stock» in Herisau vergangenen April nicht mitrechnet.) In ihrer Spielklasse darf man also durchaus von einem Steilstart sprechen.
Es begann harmlos mit ein paar Jamsessions unter langjährigen Freunden. Sam Lutz (Drums) und Albin Efinger (Gitarre, Gesang, Synths, Bass) kennen sich aus Herisau, trafen sich oft an Konzerten, hätten aber aufgrund der persönlichen Vorlieben nie geglaubt, je gemeinsam Musik machen zu können. Sie wagten dennoch den Versuch und riefen – eben weil sie keine Band gründen wollten – eine Reihe einwöchiger Sessions mit ihnen als beständiger Besetzung und wechselnden Gastmusiker:innen ins Leben. Sie trafen sich etwa in der Scheune des alten Herisauer Bauernhauses, in dem Lutz aufgewachsen ist, oder in Ferienhäusern im Tessin und in Engelberg.
Es geigt auch ohne Geigen
Einer, der immer häufiger mitwirkte, war ihr gemeinsamer Freund Emanuel Keller (Gesang, Gitarre, Bass), von Haus aus eher im Reggae als im Rock der härteren Gangart (Lutz) oder im Folk (Efinger) daheim. Hinzu kam bald auch Karin Roth, die aus einer Hemberger Familie, bestehend aus lauter Volksmusikant:innen und einem Bruder mit grossem Flair für Hardcore-Tunes, stammt. Und obwohl sie die mitgebrachte Violine, an der sie sich erst seit Kurzem versuchte, bald wieder beiseitelegte, sollte es rasch geigen mit ihr: Mit Gitarre, Tasten und vor allem ihrem Gesang harmonierte es einfach besser.
Das ehemalige Bauernhaus im Piemont...
... für zwei Wochen umfunktioniert zum Aufnahmestudio. (Bilder: pd)
Der Bandname entstand nach einer Debatte über möglichst sinnfreie Masseinheiten: Pico Lightyear schien ihnen absurd genug – es entspricht dem Billionstel eines Lichtjahrs oder rund 9,5 Kilometer. Nahbar und weit forttragend beschreibt den Folk-Rock-Sound ihres Debütalbums mit seinen feinen Psychedelic- und Alternative-Anflügen eigentlich ganz gut.
Raum für ausufernde Live-Outros
Museum of Changing Memories ist nach einer Zeile eines Songs, der es nicht auf die Platte geschafft hat, benannt. Im Februar 2025 mieteten sich Pico Lightyear für zwei Wochen in ein abgelegenes Haus im Piemont ein und nahmen jeden Tag einen Song auf. Den Lead hat niemand inne, sie arrangieren alles gemeinsam. Die Ideen kommen in unterschiedlichem Reifegrad in die Proben. Dawn etwa ist mit seiner raffinierten Akkordfolge-Idee, die an Radiohead erinnert, auf der progressiveren Seite angesiedelt, ein typischer Efinger-Song, an dem viel gefeilt wurde. All I Can Tell oder Hold Me Close sind dann eher typische Folk-Songs aus Roths Feder. Düsterer wirds bei Blazy Eyes, post-rockiger bei At the Door, auf dem Max Nadig, Lutz’ Bandkollege von Avalanche Prey, als Gast an Gesang und Saiten mittut. Heimliches Highlight ist aber der Opener Where Life Begins, eine vorwärts schunkelnde Folkrock-Ballade, sehr schön eingesungen von Karin Roth.
So beschert uns Museum of Changing Memories den einen oder anderen Handsome-Family-, aber auch Pink-Floyd-Moment. Die meist relativ kurzen Tracks kommen schnell auf den Punkt, ohne sich in Up-tempo-Gefilde zu verirren, und lassen bei Live-Interpretationen viel Raum für ausufernde Outros. Während der Bass an den Proben herumgereicht wird, zupft an Konzerten Dshamilja Maurer, Bassistin der Rheintaler Sängerin Damiana Malie, den Viersaiter. Auch an der Plattentaufe in der Grabenhalle wird sie am Start sein.
Pico Lightyear: Museum of Changing Memories. Erschienen am 24. Oktober 2025 in Eigenproduktion auf den gängigen Streamingplattformen.
Plattentaufe: Samstag, 17. Januar, 20 Uhr, Grabenhalle, St.Gallen (Support: Subaqua).
Was mit Gedichten und dazugehörigen Gemälden begann, wurde bald zum multimedialen Grossprojekt. Die Herisauer Dominik Lämmler und Sam Liechti, Schöpfer des Projekts «Hallers Erben», können dabei auf tatkräftige Unterstützung zählen.
Am Freitag haben The Young Gods in der St.Galler Grabenhalle Halt gemacht und dabei ihr neues Album Appear Disappear präsentiert. Es war ein fantastisches Konzert, das einen bis in die Knochen erschütterte.
Hassreden, die Angst vor öffentlicher Kritik oder Zwischenmenschliches: Auf dem neuen Dachs-Album I wöt mir selber is Gsicht chotze geht es um viele Themen, die Basil Kehl beschäftigen. Das macht es nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr persönlich.
Nach zwei gefeierten Alben zog sich Crimer fast komplett zurück. Zum einen wegen der Geburt seines Kindes, zum anderen aufgrund psychischer Probleme. Nun feiert er vier Jahre nach der letzten Platte mit der EP The Birthday Celebration eine gelungene Rückkehr – und spielt am Samstag im Palace.
Die St.Galler Musikerin Akryl, die inzwischen in Deutschland lebt, erobert mit ihrer Musik die Indie-Szene. In sehr persönlichen Songs verarbeitet sie ihre Sorgen und Ängste. Nun tauft sie im Palace ihre erste EP.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.