, 11. Oktober 2012
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Der Blick des Bildhauers

Gastbeitrag von Wolfgang Steiger. Sieben Jahre arbeitete er im Kellerraum hinter den 7 Gleisen. Seine Steinbildhauerwerkstatt fiel dem Abrissbagger zum Opfer. Aber es gibt ihn noch. Kürzlich, einen Tag nach der feierlichen Einweihung der neuen Fachhochschule, eröffnete Patrick Benz im «Gostomundo» im Lachenquartier seine erste Einzelausstellung. Der Ausstellungsraum im ehemaligen Fabrikgebäude an der Feldlistrasse befindet […]

Gastbeitrag von Wolfgang Steiger.

Sieben Jahre arbeitete er im Kellerraum hinter den 7 Gleisen. Seine Steinbildhauerwerkstatt fiel dem Abrissbagger zum Opfer. Aber es gibt ihn noch. Kürzlich, einen Tag nach der feierlichen Einweihung der neuen Fachhochschule, eröffnete Patrick Benz im «Gostomundo» im Lachenquartier seine erste Einzelausstellung. Der Ausstellungsraum im ehemaligen Fabrikgebäude an der Feldlistrasse befindet sich um die Ecke seines neuen Ateliers, das sich notabene wieder in einem Kellergeschoss befindet.

Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt durch 20 Jahre seines Schaffens. Der gelernte Steinbildhauer Benz verfeinert mit wachsender Routine seine dreidimensionalen Umsetzungen von Ideen. Ob er Skulpturen haut, plastisch arbeitet, malt oder druckt, Patrick Benz stellt keine überkonstruierte Kunst her. Reduktion auf das Wesentliche und die unbedingte Verpflichtung gegenüber dem Blick des Bildhauers  geben den doch ziemlich verschiedenartigen Arbeiten den inneren Zusammenhalt. Seine künstlerische Aufmerksamkeit gehört dem Fluss der eigenen Körperbewegungen, mit denen er das Material formt. Schliesslich lädt die Dynamik aus dieser handwerklichen Aktion seine Objekte mit Kraft auf.

Wie immer in der Kunst ist auch das Gegenteil wahr. Die Oberfläche der Kleinplastik «Sentimente» jedenfalls ist fein geschliffener Polyester. Statt Bahnenspitzen im Sandstein oder mit Schwung an einer Holzplatte Kerben anbringen war Patrick Benz hier genötigt mit Spachtel und Schleifpapier seine sonst ausgreifenden Bewegungen zurück zu nehmen. «Sentimente» als Wortspiel von «Sedimente» (Ablagerungen) und «Sentiment» (Gefühl) besitzt eine atemberaubende Statik. Unter der Polyesterhaut ahnt der Betrachter gefühlsbeladene Objekte, die durch das Leben zusammengepappt, verschliffen und wie in eine neue Form gegossen sind.

In Patrick Benz’ Kelleratelier im Lachenquartier hängt das Bild «Rosenbergstrasse 53». Im gelbgrünen Wohnblock aus der Gründerzeit mit den kleinen Balkonen und den Graffitis an der Brandmauer befanden sich neben seinem Atelier auch die «Rarbar» und das «Alpenrösli». Was Steinhauer Benz in Tüpflitechnik mit dem Pinsel auf die Leinwand von 1 m auf 1.40 m «haute» ist Geschichte. Subkultureller Widerstand und berauschende Nächte in autonomen Räumen atmen durch die Textur des Pinsels. Der vielseitige Patrick Benz – er spielt auch noch Akkordeon – funktionierte schon hinter dem Bahnhof sein Bildhaueratelier zum Musikantentreff um. Wie damals richtet er auch in seiner jetzigen Werkstatt von Zeit zu Zeit die «Bar Bühne Benz» ein und lädt zu Hausmusik ein.

 

Ausstellung im «Gostomundo», Feldlistrasse 31 a, 9000 St.Gallen

Öffnungszeiten:
Di., Mi., und Fr. 14.30-18.30
Do. 14.30-20.00
Sa 10.00-16.00

Finnissage: 26. Oktober 2012

 

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