So manche schlagen Saiten von hinten auf, um die schwarzweissen Comics von Julia Kubik als Erstes zu lesen. Seit fünf Jahren findet sich in jeder Saiten-Ausgabe ganz am Ende eine kurze Bildgeschichte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Beiträgen ist diese jedoch keine Reportage, kein Abbild der Wirklichkeit, sondern besticht immer wieder durch absurde Momente und Sichtweisen.
Und doch sind es immer auch kleine Heimatgeschichten. Nicht nur, weil sie in St. Gallen entstehen, wo Kubik seit ihrem 17. Lebensjahr lebt und ihre Ausbildung zur Grafikerin absolvierte, ohne je in diesem Beruf gearbeitet zu haben, sondern auch, weil sie Geschichten aus der Region erzählen. Es sind Begegnungen aus dem hiesigen Umfeld, persönliche Erlebnisse und aktuelle Themen, immer in Mundart erzählt.
Die Moral springt aus den Zeichnungen
«Der Lokalbezug ist nur eine Behauptung», sagt Kubik. Und doch kann man ihn hin und wieder ganz konkret entdecken, etwa bei der investigativen Aufklärung der Hechtbisse im Mannenweiher im vergangenen Sommer. Viele Geschichten sind aber auch allgemeingültig. Durch die Kontinuität des monatlichen Erscheinens ist eine vielfältige Mischung entstanden, die jetzt eine ganze Ausstellung in der Alten Kaserne in Winterthur füllt.
Die Protagonist:innen sind oft aus der Tierwelt, sie alle können sprechen. So haben ihre Comics den Stil der guten alten Fabel, in der ebenfalls Tiere mit menschlichen Zügen dargestellt werden, um eine gewisse Moral zu vermitteln. Die Moral springt auch aus den Zeichnungen. Zum Beispiel in Kabutt, der Geschichte eines angeschossenen Rehs, das von einer Antilope überredet wird, in eine Bar mitzukommen, wo es mit seinem blutenden Herzen für trübe Stimmung sorgt – solche Momente kennen wir wohl alle, oder? Eigentlich fühlt man sich hundeelend und trotzdem lässt man sich überreden, unter Leute zu gehen.
Selten klare Pointen
In der Ausstellung finden wir aber auch den Eisbader, der sich mit pathetischer Überlegenheit gesund friert. Ein Yuppie-Paar, das sich einen lackierten Riesenkürbis und einen schwarzen Stier als extravagantes Design-Equipment gönnt. Die Hatefull-Yoga-Lehrerin, bei der die Stunde garantiert keine Freude macht und die tief in den Schmerz atmet, damit man garantiert bei jeder Bewegung merkt, dass man hier fehl am Platz ist. Das «emotional support Moos», eine Schweizer Variante der amerikanischen Haustiere, die auf Flügen beruhigend wirken sollen.
«Ich finde es schön, wenn sich Realität und Fantasie vermischen: Eigentlich spielt bei mir alles in einer Welt, die so ähnlich aussieht wie die reale, aber es passieren auch immer wieder surreale Dinge», sagt Kubik, die im vergangenen Jahr den Kulturförderpreis der Stadt St. Gallen gewann. Sie ist Mitglied der Minimal-Punkband Hundefutter, co-hostet zusammen mit Matthias Fässler in der St.Galler Grabenhalle die Talkshow Kubik und Fässler und postet Instastories aus den Tiefen der Ostschweizer Provinz. In ihren Standortcomics gibt es selten eine klare Pointe, dafür herrlich tragikomische, offene Enden, Verwirrung und anarchischen Humor.
Für alle, die ihn noch nicht gesehen haben, hier der September-Comic:
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht