«Meine Geburt, 1940 in Battersea, war begleitet von einem Konzert explodierender Bomben und einer Lichtschau von Scheinwerfern, die über den schwarzen Himmel Londons fegten.» So beginnt das Leben des Künstlers und Schriftstellers Larry Peters. Anfänglich kein einfaches: Als Teenager putzt er Billardtische in Soho. An der Chelsea School of Art und dem Royal College of Art erhält er seine Ausbildung in einer Zeit, in der London förmlich explodiert. Im «Swinging London» der 1960er-Jahre begegnet er zahlreichen Künstlern und Künstlerinnen, unter ihnen Pop-Art-Shootingstars, die später Weltruhm erlangen werden, und er kommt in Kontakt mit Pop- und Rockmusikern.
Larry Peters: Me and my Work, 1992.
In einem kleinen Atelier in Wimbledon entstehen erste geometrisch abstrakte Bilder. Mit 30 kommt Larry Peters mit seiner Schweizer Frau und zwei kleinen Töchtern in die Schweiz und wird Lehrbeauftragter an der St.Galler Schule für Gestaltung. Er malt, stellt bisher über 50 Mal aus, zeichnet, schreibt und mischt sich ins Kulturleben ein. Jetzt lebt er, weiterhin wach künstlerisch und schriftstellerisch tätig, als Hobbygärtner, Tischtennisspieler und Teetrinker in Bruggen, oder wie er sagt: im «Wild West» von St.Gallen.
Theatralische Szenen
Im Buch Looking at art gibt er Einblick in beide Seiten seines Schaffens, die Kunst und das Wort. Im Laufe seines Schaffens wurden seine bildnerischen Kompositionen zum Hintergrund eines neuen Elements, nämlich der menschlichen Figur als Galeriebesucher. «Dieser Schritt», so Peters, «erlaubt mir, die Beziehung zwischen dem bildnerischen und dem realen Raum zu erforschen.» Dabei wird der virtuelle (abgebildete) Betrachter der Kunst von einem realen Betrachter im Ausstellungsraum beobachtet. Aus Fotos entwickelt er 2D-Zeichnungen und daraus wieder 3D-Drahtfiguren. So entsteht «eine theatralische Szene, sozusagen eine Theateraufführung ohne Worte. Man spürt den Geist und die Geister von René Magritte und Caspar David Friedrich auf dieser meiner Bühne».
Larry Peters – Looking at art. Hrsg. von Larry Peters und Margrith Rekade, VGS St.Gallen 2020, Fr. 38.-. Erscheint am 11. Juni.
Ausstellung: 12. Juni bis 5. Juli, Architektur Forum St.Gallen. Vernissage: 11. Juni, 18.30 Uhr. Reading and Talking: 21. Juni, 14 Uhr
84 Seiten Abbildungen belegen im Buch diese vielfältige Auseinandersetzung. Die Kunsthistorikerin Corinne Schatz stellt in ihrem Buchbeitrag fest, dass es bei all diesen Werken weniger um Theorie als um das konkrete Seherlebnis gehe. Peters «Untersuchungsmodelle» seien ein Erlebnisangebot, das eigene Sehen und Verhalten zu beobachten und zu hinterfragen. Übertragen in der Ausstellungssituation in lebensgrosse Dimensionen, sieht sich das Publikum plötzlich Seite an Seite mit filigranen Drahtfiguren, die vor einer bemalten oder mit Texten beschrifteten Wand stehen.
Larry Peters: People looking at space II, 2019
Für Corinne Schatz verbinden sich die perspektivischen Entdeckungen der Renaissance und die Verschmelzung mit dem Motiv in der Romantik (Stichwort: Caspar David Friedrich). Beigefügt sind konzeptionelle Ansätze von Magritte bis in die Gegenwart, Elemente aus der Wahrnehmungspsychologie und der Rezeptionsästhetik, alles abgeschmeckt mit einer Prise britischen, gelegentlich auch maliziösen Humors.
Unsinn macht Spass
Humor leitet über zum anderen Teil seines Schaffens, dem Zerteilen der Wörter, um sie anders zusammen zu fügen oder sie aneinander zu reihen, um ihren Sinn zu ändern oder neu zu definieren oder, um mit Worten zu spielen. Ein Beispiel:
I’d rather be a happy nobody than a miserable somebody but I’d rather be a happy somebody than a miserable nobody
Mehrere weitere Beispiele im Buch zeugen von seiner Faszination mit Wörtern, Buchstaben, Slogans, Gedichten, von seinen Reflexionen darüber und seinem Wunsch, das Geheimnis oder das Surreale hinter dem Alltäglichen zu entdecken. Hinzu kommen Betrachtungen zum Thema Kunstbetrachtung und Rückblicke auf Ereignisse aus seinem Leben, alle zweisprachig oder im Sprachmix.
In seinem Essay zum «Schrift Steller» Larry Peters schreibt Fred Kurer: «Dass sich Unsinn oder in sich Widersprüchliches einstellt in den Texten, ist kein Schade, vielmehr Gewinn. Ist oft Genuss. Macht Spass.» Corinne Schatz sieht das Buch als «eine brisante und höchst vergnügliche wie lehrreiche Rezeptur, die garantiert für Überraschungen und Erkenntnisse sorgt».
Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.
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