Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Der Kultursektor braucht ein Ja»

Am 28. November wird zum zweiten Mal über das Covid-19-Gesetz abgestimmt. Alex Meszmer, Geschäftsführer des Dachverbands Suisseculture, erklärt, warum ein Ja für die Kulturbranche wichtig ist.
Von  Peter Surber
Alex Meszmer. (Bild: pd)

Saiten: Was würde bei einem Nein am 28. November passieren?

Ales Meszmer: Der Kultursektor käme in Schwierigkeiten, in verschiedener Hinsicht. Das Covid-19-Gesetz behielte zwar noch bis zum 18. März 2022 seine Gültigkeit. Aber das reicht nicht. Wir haben bereits im Sommer verlangt, dass die Massnahmen über Ende 2021 hinaus verlängert werden. Das Parlament hat entsprechende Vorstösse jedoch abgelehnt, so dass die Frage der Verlängerung nicht wie erhofft in der Herbstsession behandelt werden konnte. Bundesrat Maurer bremste mit dem Hinweis, man könne im Herbst dann schauen, wie es der Kulturszene gehe.

Der Bundesrat steht aber hinter einer Verlängerung.

Ja. Nach den Sommerferien hat die Taskforce Culture ihren Bericht zur Lage der Kultur geliefert. Der Bundesrat stimmte am 1. September zu und schickte am 27. Oktober die Botschaft zur Verlängerung der Massnahmen ins Parlament. Zu befürchten ist – und es gibt auch Politiker, die das unverhohlen sagen –, dass bei einem Volks-Nein am 28. November diese Verlängerung politisch vom Tisch wäre. Obwohl sie nicht Thema der Abstimmung ist.

Bis wann braucht es die Hilfsgelder?

Vorgesehen ist: bis Ende 2022. Aber das ist nicht gesichert. Es gibt zumindest in bürgerlichen Parteien Stimmen, die auf ein Ende der Kultur-Unterstützung drängen – weil sie «die Schnauze voll von Corona» hätten. Der Bundesrat sieht vor, die Massnahmen für Kultur und Sport in Artikel 11 des Gesetzes und den Corona-Erwerbsersatz weiterzuführen, nicht jedoch die gesamtwirtschaftlichen Massnahmen. Dass Wirtschaft und Gewerbe unterdessen mit den Folgen der Pandemie zurechtkommen müssten, ist das eine – die Situation im Kulturbereich ist jedoch damit nicht direkt vergleichbar.

Inwiefern?

Die Einbussen im Lockdown und der folgenden Zeit waren massiv. Die Massnahmen haben zwar über die ärgste Krise hinweggeholfen, aber wenn die Hilfe jetzt weg ist, kommt der grosse «Chlapf», den man mit den Covid-Geldern verhindern konnte, einfach verspätet.

IG Kultur Ost empfiehlt ein Ja

Ein Ja zum Covid-19-Gesetz empfiehlt auch der Vorstand der IG Kultur Ost. Die jetzt zur Diskussion stehenden Punkte seien existentiell für viele Player in der Kulturszene. Neu können auch freischaffende Künstlerinnen und Künstler unterstützt werden, die zuvor durch die Maschen des Massnahmen-Netzes gefallen sind. Zudem gibt es einen «Schutzschirm» für Events.

Der Kulturbetrieb bleibe nach wie vor gefährdet. Gemäss einer Umfrage der Taskforce Culture geben nur gerade 21% der befragten Kulturschaffenden an, wieder ein vergleichbares Auftragsvolumen wie vor Corona zu haben. «Mit einem Wort: Der Kultursektor hat Long Covid», schreibt die IG Kultur Ost. Ein Nein am 28. November wäre daher ein fatales Signal.

ig-kultur-ost.ch

Auch wenn der Kulturbetrieb nach und nach wieder in Gang kommt?

Auch dann bleibt vieles schwierig. Die Planungsunsicherheit ist immer noch da, insbesondere bei den grossen Festivals. Ohne Schutzschirm und Ausfallentschädigung wären sie ernsthaft in Frage gestellt. Dann der Produktionsstau: Viele Projekte konnten noch nicht aufgeführt werden. Und das Publikum zögert. Vielerorts sind Vorstellungen nur zur Hälfte verkauft. Das ist eine der grossen Fragen: Wann kommt das Vertrauen des Publikums zurück?

Heisst das für die Kultur, wie für andere Branchen auch, dass ihr «Geschäftsmodell» in Frage gestellt ist – Unterstützung hin oder her?

Das ist die Argumentation von rechts: Kulturveranstaltungen müssten sich halt nach dem Publikumsgeschmack richten und rentabel sein… Natürlich ist es wichtig, dass man Publikum, auch neues, zu erreichen versucht, nach dem Prinzip des «audience development». Das geschieht auch, aber es ändert nichts daran, dass ein grosser Teil der kulturellen Aktivitäten sich damit nicht finanzieren lässt und daher wie bisher auch in Zukunft staatliche Subventionen braucht – unabhängig von der Pandemie. Ich erinnere gern daran, dass die Schweiz die Unesco-Konvention zum Erhalt und zur Förderung der kulturellen Vielfalt unterzeichnet hat. Das heisst: Unterstützung und Erhalt der Kultur sind eine politische Verpflichtung.

Zurück zu den aktuellen Massnahmen: Warum ein Ja zum Covid-Gesetz?

Das jetzige Massnahmenpaket ist sinnvoll, wir haben seit Beginn der Pandemie von Seiten der Verbände dafür gekämpft und seither auch eine Reihe von Verbesserungen durchgebracht. Nicht zuletzt jene, die jetzt zur Debatte stehen: Für Corona-Erwerbsersatz müssen neu «nur» noch 30 Prozent Umsatzeinbusse nachgewiesen werden – was immer noch viel ist. Und die Freischaffenden sind neu ebenfalls unterstützungsberechtigt, womit erstmals überhaupt festgeschrieben gibt, dass es diesen Status überhaupt gibt – ein Erfolg. Ein Nein würde einen grossen Rückschritt bedeuten.

Diese Verbesserungen werden öffentlich allerdings kaum diskutiert und auch nicht in Frage gestellt. Die Gegnerschaft dreht sich nur um das Zertifikat.

Auch das Zertifikat ist für die Kultur essentiell. Dank ihm kann Kultur einigermassen wieder stattfinden. Das gilt für Veranstaltungen im Land, aber auch für Reisen. Die Schweiz ist klein, Kulturschaffende brauchen Auftritte im Ausland, und ohne Zertifikat würde das unglaublich kompliziert. Als Verbände tragen wir die Zertifikatspflicht pragmatisch mit. Das Thema Datenschutz ist aus meiner Sicht ein Scheinargument, da ist jede Google-Suche gefährlicher. Und den Gegnern halte ich vor, dass sie die Konsequenzen nicht zu Ende denken. Coronaleugner sind Pandemiebefürworter – wirklich diskriminierend ist nicht die 3G-Regel, sondern die Haltung, die Krankheit und allfällige Todesopfer in Kauf zu nehmen.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

Von  Roman Hertler
DSC2639

Lau­te Ein­sam­keit

Jo­nas Ul­rich taucht mit sei­nem ers­ten Spiel­film in die Black-Me­tal-Welt ab. Wol­ves ist ei­ne bild­star­ke Ge­schich­te über Ein­sam­keit und das Da­zu­ge­hö­ren, vol­ler Ge­gen­sät­ze und mit et­was holp­ri­gen Dia­lo­gen.

Von  Daria Frick
001 wolves

Das Ge­dächt­nis der Zu­kunft

St.Gal­len be­wahrt nicht mehr nur 1000-jäh­ri­ge Hand­schrif­ten. Mit dem In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht hier ein Ar­chiv für Web­sei­ten, künst­li­che In­tel­li­genz und das di­gi­ta­le Ge­dächt­nis der Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
2606 Internet Archive 01
Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch

Mit In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht in St.Gal­len ein Ab­le­ger des gröss­ten Ar­chivs für Web­si­ten und Künst­li­che In­tel­li­genz welt­weit. Aus­ser­dem im Ju­ni­heft: Män­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht, das gros­se St.Gal­ler 80er-Buch, das Ab­schieds­in­ter­view mit dem lang­jäh­ri­gen Kel­ler­büh­nen­chef und die Fla­schen­post aus Ve­ne­dig.

Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online

Ideen für die Zu­kunft

Wie wol­len wir künf­tig le­ben und un­se­re Nah­rungs­mit­tel pro­du­zie­ren? Die Aus­stel­lung «How goes To­mor­row» der Ost­schwei­zer Künst­le­rin Clau­de Büh­ler in der Shed­hal­le in Frau­en­feld sen­si­bi­li­siert für nach­hal­ti­ge Hand­lungs­stra­te­gien. 

Von  Vera Zatti
IMG 9114

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi

Lau­sanne-Ouchy vs. FCSG – St. Gal­len ist end­lich Cup­sie­ger!

Gaal, Gört­ler und Wit­zig schies­sen St. Gal­len zum lang­ersehn­ten Cup­sieg!

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bis­se am Bo­den­see­ufer

Die Me­di­ka­men­ten­ver­su­che von Müns­ter­lin­gen als Teil ei­nes Vam­pir-Mu­si­cals? Auf die Idee muss man erst ein­mal kom­men. Die Büh­ne Mam­mern wagt den Ver­such. Ab 29. Mai im Zir­kus­zelt.

Von  Michael Lünstroth
Cast landscape

Zwi­schen Gleis, Ge­gen­wart und Ge­sell­schaft

Die dies­jäh­ri­ge Kul­tur­lands­ge­mein­de fin­det ent­lang der Bahn­li­nie zwi­schen Gos­sau und Was­ser­au­en statt. Es ist ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res Ex­pe­ri­m­ent­zwi­schen Kunst, Ge­sell­schaft und Ak­ti­vis­mus. Aus­ser­dem stellt die Kul­tur­lands­ge­mein­de künst­le­risch und or­ga­ni­sa­to­risch die Wei­chen für die Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
KULA Vorstand Oleksandra Tsapko

Ein Fes­ti­val für Punk­rock

Am Sams­tag fin­det in St.Gal­len erst­mals das Punk­fes­ti­val El Car­tel statt. Es soll da­zu bei­tra­gen, die Sze­ne zu stär­ken. Da­bei fehlt es ge­ra­de in St.Gal­len an Nach­wuchs.

Von  David Gadze
Yellow tales grabepunk

Wy­bora­da: Die fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek der Ost­schweiz

Seit 40 Jah­ren macht die Bi­blio­thek Wy­bora­da in St.Gal­len sicht­bar, was lan­ge fehl­te: Li­te­ra­tur von und über Frau­en. Heu­te sind Au­torin­nen und fe­mi­nis­ti­sche The­men zwar stär­ker prä­sent in der Öf­fent­lich­keit, doch die Re­le­vanz der Bi­blio­thek ist nach wie vor gross.

Von  Marion Loher
2605 Wyborada Laura Tura room

Or­ches­trier­ter An­griff ge­gen ex­ter­nen Auf­klä­rungs­un­ter­richt 

Mit ei­ner In­ter­pel­la­ti­on grei­fen SVP und EDU im St.Gal­ler Kan­tons­rat den aus­ser­schu­li­schen Auf­klä­rungs­un­ter­richt an. Und mit Un­ter­stüt­zung des «Leh­rer­netz­werks Schweiz» wol­len El­tern aus Büt­schwil ei­ne Mit­ar­bei­te­rin der Fach­stel­le für Aids- und Se­xu­al­fra­gen vor Ge­richt brin­gen. Da­hin­ter steckt ei­ne or­ches­trier­te Ak­ti­on.

Von  René Hornung
2502 Aufklaerung Badges Inv nr 1300

Brü­cke zwi­schen mu­si­ka­li­scher und sprach­li­cher Tra­di­ti­on

«Die­ci», die ita­lie­ni­sche Zahl für zehn, ist das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Hei­den-Fes­ti­vals. Es ver­weist da­bei nicht nur auf das Ju­bi­lä­um, son­dern auch auf ei­ne kul­tur­po­li­ti­sche Hal­tung.

Von  Lilli Kim Schreiber
Heiden Festival Nicoals Senn Tom Rigney USA

Naturmuseum Thurgau

Der Grim­bart zum An­fas­sen

Von  Vera Zatti
Dachs Illustration quer def 1

Ein Ber­ner in St.Gal­len

Das St.Gal­ler Thea­ter Trou­vail­le ent­deckt den Mu­si­ker und Ju­ris­ten Ma­ni Mat­ter neu. «’S isch ei­nisch ei­ne gsy»– 90 Jah­re Ma­ni Mat­ter ver­bin­det zahl­rei­che Lie­der und li­te­ra­ri­sche Tex­te des Ber­ners zu ei­nem abend­fül­len­den Pro­gramm. Sai­ten hat mit dem Thea­ter­lei­ter Mat­thi­as Flü­cki­ger ge­spro­chen.

Von  Vera Zatti
Mani Matter Pressefoto

Ein Kurz­trip durch Schein­wel­ten

Vier Jah­re nach ih­rem De­büt keh­ren Lev Ti­gro­vich mit ei­ner neu­en EP zu­rück. Die­se han­delt von Kon­troll­ver­lust, Il­lu­sio­nen und gros­sen Ge­füh­len – und ent­hält erst­mals ei­nen Song, der nicht auf Rus­sisch ge­sun­gen ist.

Von  David Gadze
Lev Tigrovich Press Photo 4 Lena Frei