, 2. Oktober 2018
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Der Zwischenturm

In Konstanz gibt es einen Turm zur Katz. Er wird neu zu einem Zentrum für Kunst und Gestaltung. Momentan befindet sich das Projekt in der Findungs- und Experimentierphase.

«Zwischen zwei Türmen» nannte sich die jüngste Ausstellung passenderweise: Zuvor hatte das Gebäude als Bildungsturm gedient, jetzt wird es zum Kunstturm verwandelt. Bis Ende September waren Arbeiten von Boris Petrovsky und Niklaus Troxler sehen. Als nächstes wird Platz gemacht für lokale und internationale Projekte.

Fast nicht sichtbar tarnt sich der Turm zur Katz im Innenhof der Wessenberg-Galerie. Man kann sich durch das Kulturzentrum am Münster oder das Wessenberg Café anpirschen, dann entdeckt man das historische Gebäude. Von einer Katze ist weit und breit nichts zu sehen. Der Name des Turms stammt von der historischen Patriziergesellschaft «Zur Katz», die erstmals in der Mitte des 14. Jahrhunderts in der Stadt Konstanz erscheint und Mitglieder aller Schichten aufnahm.

Hotspot für Zeitgenössisches

So ist auch der Anspruch des Kulturamtes an dieses Gebäude: Ein Ort für alle soll hier öffentlich zugänglich sein. Und das derzeitige Museumsangebot soll ergänzt werden. Im Kulturzentrum am Münster liegt der Schwerpunkt auf Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, hinzu kommen Ausstellungen des Kunstvereins sowie Lesungen und Filmprojekte im Gewölbekeller. Nun wird dieses Angebot erweitert um einen Hotspot für Zeitgenössisches. Unter der Leitung des Kulturamtes finden hier künftig vier bis fünf Ausstellungen jährlich statt. Durch Kooperationen mit der HTWG, der Uni sowie dem Forum für Architektur wird dieser Schwerpunkt verstärkt. Ziel sind neue Formate, weg vom gängigen Ausstellungsbetrieb und vom White Cube, hin zu Hybridformen.

Anna Martinez Rodriguez ist zuständig für Programm und Organisation im Turm. Troxlers Plakate passten gut nach Konstanz, da sie nicht nur Jazz-, sondern oft auch einen Schweizbezug haben, den man in Berlin vielleicht schon nicht mehr verstehen würde, sagt die Kunsthistorikerin.

Ein Stockwerk darunter befand sich die Arbeit von Boris Petrovsky, der für seine Lichtinstallationen bekannt ist. Er zeigte mit Alfa Beta Meta eine Vorausschau auf eine Ausstellung im Konstanzer Siemens-Areal, die ab Mitte Oktober dort zu sehen ist. Petrovskys Vater war Arbeiter bei Siemens, und so sammelt der Künstler Fotografien und Materialien aus dessen Alltag, der gleichzeitig Petrovskys erster Berührungspunkt mit der industriellen Welt war.

Bis zum 7. Oktober gibt es im Erdgeschoss einen Einblick in die Arbeit der Macherinnen des neuen NUN-Magazins, dessen zweite Ausgabe am 28. September im Turm gefeiert worden ist. «Das Magazin passt gut zum Konzept des Turms», sagt Sarah Müssig, die Leiterin des Kulturamts; «das ist genau der Blick auf die Stadt und die Qualität, die wir uns vorstellen.» Diese Woche geht es weiter mit einer Ausstellung der österreichischen Künstlerin Sarah Bildstein (5. bis 21. Oktober), des Konstanzers Dominik Böhringer (8. bis 28. Oktober) sowie Arbeiten eines Künstlerkollektivs aus der Niederburg. Im November (bis 2. Dezember) schliesst im Erdgeschoss des Turms eine Videoarbeit von Ye Wang mit dem Titel flat,flat,flat) die aktuelle Ausstellungsreihe ab.

Noch ist die Finanzierung unsicher

Sarah Müssig kämpft noch mit einigen Hürden. Diese sind natürlich finanzieller Natur. Bisher gibt es keinen Lift im Gebäude, und eine Variante, die nicht den knappen Platz der Ausstellungsräume noch weiter schmälert, sondern aussen am Turm angebracht werden könnte, kostet dementsprechend mehr.

Auch mit dem bisherigen Budget von 20’000 Euro ist das neue Konzept nicht realisierbar. «Das war ausreichend für das Angebot des Bildungsturmes, da die Aussteller mit fertigen Konzepten kamen und nur mehr Plakate gedruckt werden mussten. Wenn wir jetzt auch inhaltlich arbeiten, brauchen wir entsprechend mehr Mittel», so Müssig. Das Kulturamt hat daher für den kommenden Doppelhaushalt 80’000 Euro für die Bespielung des Turms angemeldet.

Solange dieser Kredit nicht bewilligt ist, arbeitet das Kulturamt mit Projekten, die zum Experimentieren einladen und Erfahrungswerte einbringen. «Wenn die Politik neue Wege in der Kunst fordert, muss es auch jemand fördern», so die Leiterin des Kulturamtes. Das sieht die lokale Politik hoffentlich genauso.

facebook.com/TurmZurKatz/

 

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