, 1. Februar 2018
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Die Depeschenagentur im «Streik on Tour»

Wenn die Schweizerische Depeschenagentur sda streikt, ist auch das Regionalbüro an der Neugasse in St.Gallen nicht besetzt. Seit Dienstagmorgen erhalten Ostschweizer Medien wie das «Tagblatt», FM1 oder TVO keine Meldungen mehr.

Die streikende sda-Belegscahft am Mittwoch in Zürich vor dem Tamedia-Gebäude.

Die sda-Redaktion wehrt sich gegen die Art und Weise, wie eine einschneidende Restrukturierung durchexerziert wird. Angekündigt war anfang Januar ein markanter Stellenabbau innert zwei Jahren. Tatsächlich wurden die Entlassungen und Änderungskündigungen bis zum 31. Januar durchgezogen.

36 von 150 Stellen werden gestrichen. Dabei sind um die 25 Entlassungen. 51 Personen werden die Stellenprozente gekürzt.

Kern des Protests gegen den Abbau ist die Behandlung der zwölf Redaktorinnen und Redaktoren, die über 60 bzw. 61 Jahre alt sind. Mehrere von ihnen haben über 20 Jahre für die sda gearbeitet. Sie werden alle entlassen, müssen sich nach Ablauf der Kündigungsfrist beim RAV melden und danach hauptsächlich mit Arbeitslosengeldern die Zeit bis zur ordentlichen Pensionierung überbrücken. Welche Leistungen sie aus dem Sozialplan erhalten werden, ist noch unbekannt. Der wurde noch nicht ausgehandelt.

Die Arbeitsniederlegung der sda hat sich inzwischen zu einem «Streik on Tour» entwickelt. Nach dem Start in Bern fand gestern Mittwoch die Kundgebung in Zürich statt. Die sda-Belegschaft marschierte vor das Tamedia-Gebäude und wurde dort von den Redaktionen von «Tagesanzeiger» und «Sonntagszeitung» mit Applaus empfangen. Es gab Solidaritätsbekundungen von der WoZ oder von Vertreterinnen der «Republik» oder des Online-Portals «Watson», das Onlineportal FM1today hat bereits am Dienstag über den Streik berichtet.

Liebe KollegInnen von der SDA, viele Grüsse von unserer heutigen Redaktionssitzung!

Posted by Die Wochenzeitung – WOZ on Donnerstag, 1. Februar 2018

 

Bereits seit längerem lassen sich der Streik und die Reaktionen darauf auf Twitter unter inside_sda mitverfolgen.

Am Donnerstag, dem dritten Streiktag, wurde die Aktion nach Lausanne verlegt. Dort wurde die Reaktion von RTS (Radio Télévision Suisse) besucht. Auf Transparenten hiess es an die Adresse der sda: «La Suisse Romande a besoin de vous».

Inzwischen ist es zu ersten Gesprächen zwischen dem Verwaltungsrat der sda sowie einer Delegation der Redaktion gekommen. Je nach Ergebnis wird der Streik unbefristet weitergeführt oder sistiert.

Hintergrund der Restrukturierung bei der Schweizerischen Depeschenagentur ist einerseits die Medienkrise. Massgebend sind aber auch Manöver der Verlage, denen die sda gehört. Unter anderem haben sie im letzten Jahr die Immobilien der sda verkauft und den Erlös zusammen mit dem Eigenkapital – insgesamt um die 20 Mio. Franken – sich selber als Dividende ausgeschüttet.

Update 2. Februar, 15 Uhr:
Seit neun Uhr morgens laufen die Gespräche zwischen sda-Redaktionskommission und Verwaltungsrat. Dieser hatte gestern gefordert, dass der Streik für die Dauer der Gespräche sistiert wird – dem ist die sda-Belegschaft nun nachgekommen.

Am Freitagmittag hat sich eine klare Mehrheit für einen Unterbruch des Streiks ausgesprochen. Je nach Verlauf der weiteren Gespräche behält sich die Redaktion vor, die
Arbeit erneut niederzulegen.

Die Kundgebung zur Sistierung des Streiks vor dem sda-Gebäude am Freitag in Bern.

 

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