Anstelle eines rauschenden Festes gab es am 9. März in der Lichtensteiger Hauptgasse Würste vom Grill und eine kleine Lichtshow: Die Schwestervereine Rathaus für Kultur und Dogo – Residenz für Neue Kunst feierten ihr zweijähriges Bestehen zurückhaltend und unter Sicherheitsauflagen.
Corona hat die jungen Kulturschaffenden vor grosse Herausforderungen gestellt. So konnte etwa die Werkschau «Dogo Totale» im November 2020 nicht durchgeführt werden, die beliebte Diskussionsreihe «Dogo Talks» fand online statt.
Lichtspektakel statt Geburtstagsparty: Am 9. März feierten die Dogo-Residenz und das Rathaus für Kultur in Lichtensteig Geburtstag.
Aber es ist nicht alles schlecht in der Pandemie, sagt Dogo-Leitungsmitglied Marcel Hörler. «Man merkt in Corona direkt, dass man mit Risiken umgehen muss», sagt er. «Und eine mögliche Reaktion darauf ist, flexibler zu werden.»
Jahrespublikation in Vorbereitung
Die kurzfristig abgesagte Werkschau war einer der Impulse, der die Dogo-Residenz in einen Transformationsprozess führten. Und eines der Ergebnisse daraus ist, dass Dogo an einer begleitenden Publikation zum laufenden Kunst-Jahr arbeitet. «Das ist ziemlich Corona-resistent», sagt Hörler und lacht. Bereits letztes Jahr hatte Marcel Hörler durch seine Mitarbeit beim Projekt HOX erste Ansätze für eine Publikation erprobt.
Valérie Hug war damals mit dabei und arbeitet zusammen mit Hanes Sturzenegger und Sirkka Ammann vom Rathaus für Kultur an der geplanten Jahrespublikation der Dogo-Residenz. «Hox war ursprünglich als Ausstellungsbegleitung für die Kunstausstellung VEE in Samstagern gedacht», erzählt sie im Gespräch. «Aber dann hat es sich zu einem eigenständigen Magazin-Projekt weiterentwickelt.»
Als Jahresdokumentation soll die Dogo-Publikation die verschiedenen Gefässe des Vereins, von den Produktionen der Kunstschaffenden über etwaige Werkschauen bis zu den Dogo-Talks, fassen. Eine grosse Herausforderung, wie Hug bestätigt. «Wir wollen nicht einfach Transkripte der Künstlergespräche abdrucken, das wäre zu einfach gedacht.» Mehr möchte sie noch nicht verraten.
Ein Motto als roter Faden für die Produktionen
Auch in anderer Hinsicht hat sich Dogo fürs dritte Jahr weiterentwickelt. Selbstverständlich stehen noch immer die Atelier-Residenzen im Zentrum, und wie bis anhin sollen sich die Kunstschaffenden, die das Angebot nutzen möchten, direkt mit dem Ort Lichtensteig und der Region Toggenburg auseinandersetzen.
Neu ist hingegen, dass ein Jahresthema vorliegt. «So erhalten wir mehr Konsistenz, einen roten Faden in die Produktionen, die in der Residenz entstehen», ist Marcel Hörler überzeugt. Und das sei von Vorteil für die geplante Publikation, ergänzt Valérie Hug. Die Ausschreibung für die Saison 2022 startet am 15. März mit dem Motto «Home».
Residenzen neu mit Hochschul-Partnerschaft
Das diesjährige Jahresmotto lautet jedoch, nicht sehr überraschend: «Risiko». Kunstschaffende aus aller Welt und aus allen Disziplinen bewarben sich auf die Lichtensteiger Residenz-Plätze.
18 solche vergibt Dogo 2021, maximal fünf Künstlerinnen und Künstler leben zeitgleich in den Dogo-Räumlichkeiten im Rathaus für Kultur. Seit März sind dies Chi Him Chik, Yuan-Teng Choke, Claudio Näf, Elischa Heller und Jan Hofer.
Besonders erfreut ist Marcel Hörler über die ebenfalls neue Partnerschaft mit der Hochschule für Design und Kunst Luzern – zwei der Residenzen sollen ab diesem Jahr Studierenden der Hochschule vorbehalten bleiben.
Chaos Crew Take One, Take Two, Take Three, Take Four
Alle Künstlerinnen und Künstler werden wiederum an den Dogo-Talks mitwirken. Stattfinden werden die diesjährigen Produktionen unter dem Titel «Chaos Crew Take One-Four». Wie genau sie aussehen sollen, wird mit den Kunstschaffenden erarbeitet, auch die Partizipation des Publikums, etwa via Umfragen auf Instagram, fliesst mit ein.
«Der Ausgang ist jeweils ungewiss», erzählt Marcel Hörler. Denn die verschiedenen Künstlerinnen und Künstler brächten ganz unterschiedliche Hintergründe mit ein, sodass auch performative Möglichkeiten bestünden.
Der erste Dogo-Talk der Saison soll in den nächsten Wochen geschehen – entweder als Livestream, als partizipative Performance oder als fertige Produktion.
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