, 30. März 2015
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«Die FHS muss sich endlich mit strenggläubigen Studierenden auseinandersetzen»

An der Fachhoschschule St.Gallen sorgen strenggläubige Freikirchler für Irritation: So wurden etwa Studierende homophob beleidigt. Die Studierendenorganisation beklagt, dass die Schulleitung das Problem über Jahre nicht angepackt hat.

«So etwas geht gar nicht. Homosexualität ist krank», sagt ein junger Mann, der in einer Vorlesung des Studienfachs Soziale Arbeit an der Fachhochschule St.Gallen (FHS) sitzt, gut hörbar in den vollen Saal. In der Reihe vor ihm sitzt die 23-jährige Marianne*. Als sie sich umdreht und den Studenten fragt, warum er so etwas behaupte, antwortet dieser: «Homosexualität ist nicht von Gott gewollt.» Anlass für seine Kritik ist, dass der Dozierende gerade über die geplante Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm spricht: Wer Homosexuelle öffentlich verunglimpft, soll dafür strafrechtlich belangt werden. Das hat der Nationalrat im März beschlossen.

Zu solchen und ähnlichen Vorfällen kommt es an der FHS immer wieder, wie mehrere Studierende der Sozialen Arbeit gegenüber Saiten erzählen: In Gruppenarbeiten wird zu Themen wie Scheidungsrecht oder Sexualaufklärung im Schulunterricht gesagt: «Das braucht es nicht.» Scheidungen seien von Gott nicht vorgesehen, Und Aufklärung würde die Kinder nur unnötig sexualisieren. «Der Student, der das gesagt hat, hat dann noch gesagt, er wolle später in der Schulsozialarbeit tätig sein», sagt Marianne.

Marco*, der mit Marianne im vierten Semester, studiert, ist selber homosexuell und steht öffentlich auch dazu. «Als ich einmal bei einer Gruppenarbeit den Raum verliess, haben einige strenggläubigen Studierende über mich gelästert, weil ich schwul bin. Andere Studierende haben mir das danach berichtet.» Er habe sich diskriminiert und beleidigt, aber auch machtlos gefühlt.

Heikle Doppelrolle

Marco* und Marianne haben sich mit fünf anderen Studierenden aus ihrem Jahrgang zusammengetan und sich mit den Vorfällen und ihren Bedenken bei einem Dozierenden gemeldet. Sie seien der Meinung, dass die FHS das Thema strenggläubige Studierende in der Sozialen Arbeit aufarbeiten müsse. «Als ich zu studieren begann, war ich schon sehr erstaunt, wie viele in unserem Jahrgang Mitglieder in verschiedenen Freikirchen sind», sagt Marco. Marianne schätzt den Anteil strenggläubiger Studierender in ihrem Jahrgang, der etwa 100 Personen zählt, auf 15 bis 20 Prozent. «Trotzdem hört man von offizieller Seite nie etwas zum Thema: Es gibt keine Diskussion darüber, keine offizielle Haltung.»

Natürlich könne jeder für sich glauben was er wolle, sagen beide. «Wer allerdings so streng religiös eingestellt ist, dass er etwa glaubt, Gott sei gegen Scheidungen, wird Mühe haben, das im Beruf auszublenden», sagt Marco. Das sei der Grund, warum die FHS genauer hinschauen müsse.

Diese heikle Doppelrolle – Gläubiger und Sozialarbeiter – hat auch «SozialAktuell», die Fachzeitschrift des Berufsverbandes avenir social, mehrfach thematisiert. «Die Anforderung, Mission oder Evangelisation strikt von der Arbeit zu trennen, wird in vielen Fällen nicht erfüllt», heisst es in einem Artikel vom Mai 2012. Diese Kritik bezieht sich allerdings auf Institutionen wie Privatschulen, Heime oder Drogenhilfestellen, die von Freikirchen betrieben werden.

Der Arbeitsauftrag sei durch eine strengreligiöse Einstellung aber auch grundsätzlich in Frage gestellt, heisst es in der Fachzeitschrift:«Sozialer Arbeit nachzukommen mit der Einstellung, dass Gott die Lösung für prinzipiell jedes Problem ist, ist zumindest fragwürdig. (…) Anstatt adäquate Hilfeleistungen anzubieten, wird versucht, die persönliche Einstellung weiterzugeben: nämlich dass Hilfe ohne den richtigen Glauben nicht möglich ist.»

Wer will, schlängelt sich durch

Auch auf der Traktandenliste der Studierendenorganisation Soziale Arbeit (SOSA) steht das Thema schon länger: «Alle an der FHS wissen, dass es in der Sozialen Arbeit eine nicht zu übersehende Anzahl strenggläubige Studierender aus Freikirchen gibt. Aber es wird im Unterricht einfach nicht darüber geredet», sagt Roman Rutz, SOSA-Vorstandsmitglied. Die SOSA habe das Thema in den letzten zwei Jahren schon mehrfach gegenüber dem Vorstand des Fachbereiches Soziale Arbeit angesprochen, passiert sei bisher aber nichts. «Wir wünschen uns ein Haltungspapier sowie eine Anlaufstelle, bei der Vorfälle mit strengreligiösen Studierenden gemeldet und Probleme deponiert werden können.»

Die SOSA kritisiert aber auch grundsätzlich die «kaum vorhandene Diskussionskultur» an der Schule hinter dem Bahnhof: «Die FHS verspricht, dass man sich im Studium der Sozialen Arbeit mit der eigenen und fremden Positionen auseinandersetzt – was in der Realität aber kaum der Fall ist.» Wer wolle, könne sich «durchschlängeln», ohne je Farbe zu religiösen, politischen und moralischen Grundeinstellungen bekennen zu müssen, sagt Rutz. «In einem voll besetzten Vorlesungssaal mit 100 Leuten entstehen keine Diskussionen. So merken auch die Dozierenden nichts von allfälligen Studierenden mit extremen Einstellungen», sagt Rutz.

Früher mussten Studierende zudem eine Art Vorstellungsgespräch absolvieren, um zum Studium zugelassen zu werden. Auch um der wachsenden Anzahl Bewerber Herr zu werden, wurde dieses aber abgeschafft. Heute erklären Bewerber schriftlich, warum sie Sozialarbeiter werden möchten. Die SOSA kritisiert, dass das Auswahlverfahren so ungenauer geworden sei.

Seit Jahren ein Thema

Unter den Studierenden schwelte das Thema schon, als der FHS-Bereich Soziale Arbeit noch in Rorschach angesiedelt war. «In meinem Studiengang kam es zu mehreren Konflikten mit strenggläubigen Studierenden», sagt Thiemo Legatis, der seinen Bachelor 2013 abgeschlossen. Auch damals eckten Studierende mit offen geäusserter Homphobie an. «Ich kann mich zudem an eine Gruppenarbeit erinnern, in der ein Studierender über Behinderte sagte, die müsse man nicht fördern. Ihre Behinderung sei schliesslich von Gott gewollt, daran dürfe man nichts ändern wollen.» Legatis schätzt, dass in seinem Jahrgang 10 bis 15 Prozent strenggläubige Studierende eingeschrieben waren.

Auch in Rorschach tat sich damals eine Gruppe Studierender zusammen, die über solche Vorfälle irritiert war. Daraus entstand ein Open Space, ein Podium, an dem jeder das Wort ergreifen kann. «Das Interesse war riesig», erinnert sich Legatis. Am Open Space wurden denn auch von weiteren Vorfällen berichtet. Leider habe sich dort nur ein Freikirchler «geoutet» und mitdiskutiert. «Wir hatten auf eine Diskussion mit Leuten von beiden Seiten gehofft», sagt Legatis.

Das Positionspapier, das die SOSA fordert, war damals schon ein Thema: «Wir haben das von der Leitung verlangt, es ist aber nie etwas passiert, obwohl einzelne Dozenten auch Sympathien für unser Anliegen hatten», sagt Legatis. Er finde es heikel, dass die Schule das Problem so lange ignoriert habe. «Schliesslich werden an diesem Ort staatlich legitimierte Sozialarbeiter ausgebildet. Wenn einige davon einen Glauben haben, der gewisse Leute diskriminiert und Gott als Lösung für alle Probleme sieht, ist das bedenklich.»

Studienleitung wird aktiv

Trotz mehrerer Initiativen von Studierende ist das Thema bis im Frühjahr 2015 nicht bis zur Spitze des Fachbereichs durchgedrungen: Als Saiten Barbara Fontanellaz, Leiterin des Fachbereichs Soziale Arbeit, mit den oben geschilderten Vorfällen und der Kritik der SOSA konfrontiert sagt diese, sie müsse zuerst Abklärungen treffen. Verständlich ist dies insofern, als Fontanellaz ihre jetzige Stelle erst seit letzten Dezember bekleidet.

Zwei Wochen später, Mitte März, dann der Bescheid: Der Fachbereich, zusammen mit der Hochschulleitung der FHS St. Gallen, werde nun ein Grundlagenpapier erarbeiten. «Mehrere Dozierende haben mir bestätigt, dass ein solches Papier erwünscht ist», sagt Fontanellaz.

Alle Studierenden, die neu im Fachbereich Soziale Arbeit beginnen, sollen künftig auf diese Grundsatzerklärung aufmerksam gemacht werden. «Es wird darin um den Umgang mit Diversität im Allgemeinen gehen. Sei das nun in Bezug auf Religion, Alter, Geschlecht oder Herkunft», sagt Fontanellaz. «Darin soll zum Ausdruck kommen, dass Diskriminierungen und Herabwürdigungen jeglicher Art entschieden entgegenzutreten ist», sagt Fontanellaz.

Einen ähnlichen Schritt, wie jenen den Fontanellaz nun ankündigt, hat 2012 die Fachhochschule Nordwestschweiz gemacht: Dort war es zu aggressivem Auftreten strenggläubiger Studierender gekommen. Die Schulleitung erliess ein Grundlagenpapier zum Umgang mit Diversität in der Sozialen Arbeit, das an alle Studierenden und Professoren verschickt wurde. Unter anderem heisst es darin, die Soziale Arbeit habe eine besonders starke Verpflichtung, «die Mechanismen der Herabwürdigung, Stigmatisierung, Diskriminierung und des Ausschlusses von Menschen zu verhindern». Der Umgang mit Diversität – etwa der Herkunft, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung – müsse von «Akzeptanz und Bestärkung» geprägt sein.

*Name geändert

40 Kommentare zu «Die FHS muss sich endlich mit strenggläubigen Studierenden auseinandersetzen»

  • Markus sagt:

    Behinderung ist also von Gott gewollt und man darf Betroffene nicht fördern, Homosexualität aber nicht und muss unterdrückt werden. Kann sich dieser Gott bitte entscheiden? Habe diese christlichen Fundamentalisten noch nie verstanden, und mir wird Angst und Bang denke ich daran, dass meine Kinder eines Tages in einer öffentlichen Schule in die Fänge solcher Leute geraten könnten.

  • Sebastian sagt:

    Die FHS St. Gallen muss sich grundsätzlich überlegen, ob Studenten, welche religiöse Begründungen für die Lebenslagen und Lebenssituationen der Klientel der Sozialen Arbeit heranziehen, dem von der FHS angestrebten Prozess der Professionalisierung der Sozialen Arbeit und deren Anerkennung in der Gesellschaft und der Bevölkerung förderlich sind. Meines Erachtens beschneiden die genannten und beschriebenen religiösen Begründungen die Fachlichkeit der Sozialen Arbeit. Ob mit einem Grundlagenpapier dem Sachverhalt der Freikirchen und deren Hardlinern genüge getan wird, darüber sollte sich die FHS in einem weiteren Prozess dringend auseinandersetzen.

  • Markus sagt:

    Studierende eines Fachbereiches bei welchem der Mensch im Zentrum steht, benötigen ein Grundlagenpapier, um zu wissen, wie sie mit Menschen umzugehen haben? Das macht nachdenklich… und zeugt davon, dass in diesem Studienbereich wohl viele Fuss gefasst haben, die sich das Privileg gut zu sein auf die Fahnen schreiben wollen, um damit gut zu sein indem sie sich am Nachteil anderer, indem sie dann angeblich helfen, ein besseres Selbstwertgefühl verschaffen….
    Ein Grundlagenpapier fordert die Annahme von Diversität… Toleranz als Forderung!! Toleranz wäre, anzuerkennen, dass es viele Meinungen gibt, und manchmal auch politisch keine korrekten. Das die politisch inkorrekten Meinungen keine Toleranz von denen erfahren die Toleranz fordern, ist indes nicht verwunderlich. Denn wer Toleranz fordert hat das Prinzip der Toleranz nicht verstanden. Tolerant sein, heisst nicht, alles gut zu heissen, aber es heisst genau so wenig, zu fordern für etwas anderes tolerant zu sein. Anscheinend gebietet das Verständnis von Toleranz auf der Seite einiger Heuchler Toleranz zu fordern und damit das Prinzip der Toleranz zu verlassen.

    • Michaela sagt:

      Gefällt mir
      Mein Supervisor an der FHS hat mir vor Jahren bereits Intoleranz attestiert als ich in der Vorstellungsrunde, angesprochen auf mein Wertesystem, meine christlichen Werte nannte und sagte, dass ich Gott glaube. Alle Freikirchler seien intolerant, meinte er. Aha, sehr tolerant und objektiv! Stellt euch vor, selbst in freikirchlichen Kreisen gibt es unterschiedliche Haltungen und Bibelauslegungen.

    • Valentin sagt:

      autsch!
      erstens fordert niemand toleranz, denn toleranz heisst ja im ursprüglichen wortlaut „ertragen, aushalten“ was für mich sehr negativ konnotiert ist. akzeptanz wäre schon besser, anzustreben wäre jedoch normalität; und unterschiede in geschlecht, sexualität, herkunft oder religion nicht mehr als unterschiede sondern als natürliche diversität anzuschauen!
      das problem bei extremer religiöser haltung ist, dass jene personen glauben, dass gewisse „unterschiede“ vor allem was religion oder sexualität anbelangt nicht normal wären.
      dies macht ein zusammenleben schwierig und ich sehe es als gefahr in diesem berufsfeld, da dann extreme meinungen weitergegeben werden und somit diskrimination und stigmatisation gefördert werden was paradox ist zu den „lehren“ der sozialen arbeit!

      darum als kritik zu markus‘ kommentar.
      gläubige sollen genau so akzeptiert werden wie andersgläubige, atheisten usw. jedoch wird kein homosexueller jemandem die meinung aufzwingen dass schwul oder lesbisch sein besser ist, und kein asiate wird einem europäer sagen dass seine „rasse“ die richtige ist… was der grosse unterschied ist zu den (frei)kirchlern! (und ich will niemanden schubladisieren, ich spreche von jenen die an der als „problem“ wegen ihren offenen feindlichen äusserungen aufgefallen sind).

    • Lukas Abegg sagt:

      Sie vergessen eines: Toleranz ist nicht grenzenlos. Was über allgemein akzeptierte Werte hinausgeht, kann nicht toleriert werden. Von solchen Positionen kann ohne weiteres Toleranz gefordert werden, ohne dass sich dabei ein Widerspruch auftäte.

    • Oliver Braunschweiger sagt:

      Diese Schule hat nach eigenen Erfahrungen generell ein Problem mit Fanatikern. Nun möchten also die linken Extremisten und „politisch Korrekten“ in ihrer inszenierten moralischen Höherwertigkeit den religiösen Fanatikern mittels einem Positionspapier den Mund verbieten. Ideologiebedingt Verständlich! Dann aber bitte auch den Feminanzen, Toleranzfanatikern und ideologischen Hardlinern/Dozenten aus den eigenen Reihen ein entsprechendes Mundregelwerk verordnen. Ja… Maulkörbe sind eine wirklich tolle Lösung!

      • Roman sagt:

        Meines Erachtens geht es bei der Forderung nach einem Haltungspapier keineswegs darum, Andersdenkenden das Mund zu verbieten. Vielmehr um eine Auseinandersetzung mit Werten und Haltungen, welche gerade für Sozialarbeiter*innen im späteren Berufsleben elementar sind! Auch möchte ich unterstreichen, dass gläubige Menschen sehr gute und engagierte Sozialarbeiter*innen oder Sozialpädagogen sein können!!! Wer jedoch Menschen aufgrund ihrer Sexualität diskriminiert, hat an einer Hochschule für Soziale Arbeit ebenso wenig verloren, wie an einer PH!

        Weiter würde es mich schon noch interessieren, an welcher Ecke Sie in der FHSG einen linken Extremisten gefunden haben… und von was für einer Ideologie sprechen Sie hier eigentlich? Ökonomischer Realismus?

    • Lucia sagt:

      Toleranz soll nicht dazu dienen, Intoleranz zu tolerieren!

    • Sibille sagt:

      Diesem repressiven Verständnis von Toleranz setze ich den folgenden Artikel von Herbert Marcuse entgegen: http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/iph/prphd/breitenstein/mat/ws07/marcuse_repressivetoleranz.pdf
      Der Aufsatz ist zwar etwas älter – aber dennoch hochaktuell!!

      Insofern kann ich das Anliegen der Studierenden, die ein Haltungspapier und den kritischen Diskurs einfordern, nur unterstützen!

  • Manuel Lehmann sagt:

    Studiere selber Soziale Arbeit und finde es unglaublich, dass man so blind sein kann. Da wird immer von Berufethos, Menschenrechten, etc geredet und wenn es darauf ankommt, schaut man einfach weg. Die Soziale Arbeit war so häufig in einer problematischen Rolle gegenüber stigmatisierten Gruppen, dass man eigentlich meinen könnte das Bewusstsein wäre ausgebildet. Allem Anschein ist das nicht so. Aber es liesse sich auch fragen, ob sich die Sozialarbeit allgemein genug wehrt gegenüber Stigmatisierungen ihrer Klientel.

  • Holderidoo sagt:

    Gute Initiative!

    Vergesst dann bitte auch nicht jene Strenggläubigen, die den allmächtigen „Markt“ zum Gott erheben und ihn als Lösung aller Probleme proklamieren. Von denen wimmelt es nämlich auch und die haben ihre Erfüllungsgehilfen breit verstreut: vom König von Rorschach bis in die Papeterie Schiff!

  • Lars sagt:

    Das Problem findet sich nicht nur an der FHS, sondern auch an der PHSG. Hier gibt es eine Bibelgruppe, welche auf den Infobildschirmen beworben wird.

  • Rebecca sagt:

    Das ähnliche Bild haben wir an der PH in Rorschach und St.Gallen. Auch hier wird das Thema von der Schulleitung nicht thematisiert. Wenn ich zukünftige Biologielehrer sehe, welche an der Schöpfungsgeschichte festhalten, Homosexuelle kriminalisieren und aus dem Sexualkundeunterricht eine Bibelstunde machen wollen, wird mir übel.

  • Oliver Braunschweiger sagt:

    Diese Schule hat nach eigenen Erfahrungen generell ein Problem mit Fanatikern. Nun möchten also die linken Extremisten und „politisch Korrekten“ in ihrer inszenierten moralischen Höherwertigkeit den religiösen Fanatikern mittels einem Positionspapier den Mund verbieten. Ideologiebedingt Verständlich! Dann aber bitte auch den Feminanzen, Toleranzfanatikern und ideologischen Hardlinern/Dozenten aus den eigenen Reihen ein entsprechendes Mundregelwerk verordnen. Ja… Maulkörbe sind eine wirklich tolle Lösung!

    • stefan sagt:

      Ich habe da etwas Mühe mit dem Wort „Maulkorb“. Wenn Sie den Artikel aufmerksam lesen steht dort, dass das Thema bereits offen diskutiert werden sollte, sich dort aber nur ein Freikirchler zu Wort meldete. Soziale Arbeit ist nunmal eine Fachrichtung, die gewisse Werte als Grundlage hat, bzw. haben sollte. Und das finde ich persönlich legitim. Damit kann man sich nun identifizieren oder nicht. Falls nicht, sollte man sich aber überlegen, ob man am richtigen Ort studiert. Die Zwischenlösung, sich – wie im Artikel beschrieben – durchzuschlängeln halte ich persönlich für feige. Ich verstehe das Grundlagenpapier nicht als Maulkorb, sondern als Position der FH, die sie nunmal haben darf/soll. Wer das nicht teilen will, muss es auch nicht. Nur sich selbst fragen, ob sich die eigene Gesinnung mit jener der Sozialen Arbeit verträgt.

  • […] Hier geht’s zum Saiten-Artikel. […]

  • Sarah sagt:

    Spannender Bericht.
    Als bekennende Christin trage ich gerne meine Haltung zur Diskussion bei; was da passiert ist (Diskriminierung) finde ich absolut falsch. Ich stehe voll und ganz hinter den Werten von meinem Glauben, aber der absolute Grundsatz ist Annahme und Liebe gegenüber unseren Mitmenschen. Ich finde Homosexualität nicht gut, habe aber nicht das Recht Homosexuelle zu verurteilen (und das möchte ich auch nicht). Im Gegenteil, wichtig ist der Mensch, nicht das was er tut. (Im Glauben genauso wie in der Sozialen Arbeit).

    Problematisch ist, dass ich mich durch solche Berichte (gleich wie die genannten homosexuelle Studenten, nur auf ihre Secualität bezogen ) verurteil/abgelehnt fühle. Wir dürfen nicht stigmatisieren. Es gibt mindestens genau so viele Christen die behinderte, Ausländer, homosexuelle etc. von Herzen gern haben und auch auf professioneller Ebene mit Ihnen arbeiten können, wie es die genannten „strenggläubigen Christen“ die aus diesem Bericht als Problemgruppe hervorgehen, gibt.

    Leute, wir Formen die Geselllschaft! Unsere Lebenshaltung sollte durch Annahme geprägt sein (insbesondere bei uns Sozis)! Nicht durch gegenseitige Fehlersuche und Schuldzuweisungen. Egal ob Christ, Atheist, Homo- oder Heterosexuell.

    • MM Jr. sagt:

      Das Problem löst sich ganz einfach. Die geschätzten Damen und Herren des sozialen Studienganges besitzen wohl zu wenig Wissen im Bereich der Naturwissenschaften und Evolutionslehre. Also entweder die Zulassungs-Bedingungen erschwerten (mindesten gymnasiale Matura) oder den Pflichtmodul-Katalog erweitern mit Grundkursen in Biologie, Chemie, Physik und/oder Evolutionstheorie, damit diese Menschen verstehen wie unsere Welt funktioniert – da scheint es Lücken zu geben.

      Mit diesem Background sind sie dann auch fähig ihre heiligen Schriften kritisch zu hinterfragen, neu zu interpretieren oder sogar zu Grabe zu tragen.

      • Oliver Braunschweiger sagt:

        Und wer soll das bitte unterrichten? Leider wettern die Dozenten an dieser Schule selber gerne gegen die Naturwissenschaften um die eigene Ideologie mittels Pseudo- und Geisteswissenschaften recht zu fertigen.

        Aus meiner Sicht passen die Evangelikalen sehr gut in diesen Studiengang.

      • stefan sagt:

        Ach, ein Gymnasium-Abgänger ist dann also befreit von religiösen Ansichten? Chemie/Physik-Kenntnisse führen zu einer Abkehr vom Glauben? Ich kann Ihrer Argumentation nicht folgen. Meiner Erfahrung nach ziehen sich homophobe Einstellungen durch alle Alters- und Bildungsklassen. Das ist kein reines Freikirchen-Problem, obwohl sich das in diesen Kreisen wohl besonders auffällig zu manifestieren scheint. Diskriminierungen gehören grundsätzlich diskutiert und im Extremfall sanktioniert, egal von wem oder aus welcher Glaubensrichtung diese geäussert werden.

      • Ostli sagt:

        Und du glaubst es gibt keine Christen am Gymnasium? Oder glaubst du das ein bisschen Schulunterricht den Glauben einfach «wegtherapiert». Du lebst tatsächlich in einer anderen Welt als die meisten «strenggläubigen» Christen wenn du derart an unser Schulsystem glaubst 😉
        btw. ich habe an der FHS grade letzte Woche mit einer jungen Frau (mit gymnasialer Matura) genau zu dem Thema eine etwas hitzige Diskussion geführt… Dein Argument ist also so was von nichtig. Unser Schulsystem fördert einiges, aber kritisches Denken gehört bestimmt NICHT dazu.

    • pete sagt:

      Ich bin Christ („Freikirchler“) und im Abschluss meines Studiums als Sozialarbeiter.
      Ich kann dem Statement von Sarah nur zustimmen.

      Ich habe im Rahmen eines Moduls im Studium Stellung bezogen zur Debatte „Fremdplatzierung von Kindern bei frommen Pflegeeltern“ (war eine Blickschlagzeile). Es wurde konstruktiv diskutiert und jeder konnte seine Meinung kundtun.
      Ich erlebe immer wieder grosse Ungewissheit und Vorurteile gegenüber Christen, welche z.T. auch von einseitigen Medienberichten gefördert werden. Ich finde es auch wichtig, dass hier der Dialog gefördert wird.

      Es gibt ja auch ganz viele „Nichtchristen“ mit ganz verschiedenen Wertevorstellungen, welche in einem Meinungsmainstream / Wertepluralismus versinken. Ich habe generell an der Schule für Soziale Arbeit kaum Wertediskussionen erlebt im Unterricht, hätte es aber geschätzt, wenn hier mehr Austausch stattgefunden hätte, natürlich in einem sinnvollen Rahmen.

      Dass es verschiedene Haltungen, Wertevorstellungen, Welt- und Menschenbilder gibt, wird sich wohl auch durch einen Dialog nicht ändern, aber das Verständnis kann gefördert werden. Man darf sich auch mal auf die Füsse stehen, wir Christen werden gelehrt, „alles was ihr tut, geschehe in Liebe“. Wir bleiben Lernende.

    • D. sagt:

      Nun Sarah, mit deiner Einteilung in gut und schlecht hast du dein Urteil bereits kundgetan. Ob du das willst oder nicht. Du findest Homosexualität „nicht gut“. Ich finde es einfach schlecht, wie du zuerst urteilst und dich dann hinter deinem Wunsch nach Urteilsfreiheit versteckst. Du kannst einen homosexuellen Menschen in dieser Diskussion nicht von seiner Sexualität trennen. Genau diese ist ja anscheinend auch im Jahr 2015 noch Stein des Anstosses und Grund zur Diskriminierung seitens fanatischer Christen und Kleingeistern.

      „Ein Mensch soll nicht nach seinen Taten beurteilt werden.“ Soll er denn überhaupt beurteilt werden?

      „Es gibt mindestens genau so viele Christen die behinderte, Ausländer, homosexuelle etc. von Herzen gern haben und auch auf professioneller Ebene mit Ihnen arbeiten können, wie es die genannten “strenggläubigen Christen gibt?“ Ist das jetzt einfach so ein Bauchgefühl von dir, d.h. meinst du mit annehmen, dass einfach irgendwelche Annahmen getroffen werden? Sind die fanatischen Christen nicht eher in der Minderheit?

      Oder gibt es gar genau so viele schwule und lesbische und hetero- und bisexuelle … Christen, welche schwule und lesbische und hetero- und bisexuelle Behinderte, schwule und lesbische und hetero- und bisexuelle … Ausländer und schwule und lesbische und hetero- und bisexuelle … Christen von Herzen gern haben?

      Beim erwähnten Grundlagenpapier, geht es darum, dass die FHS als Institution ihre Haltung in Bezug auf Religion, Alter, Geschlecht oder Herkunft bekannt gibt. Überraschend, dass dies erst jetzt in Angriff genommen wird!

      Es geht also darum Haltung zu beziehen. Und mir scheint, als möchtest du es gerne allen Seiten recht machen, damit dich alle von Herzen gern haben können.

  • Schull sagt:

    Aus irgendeinem Grund sind Freikirchler, Freikirchler. #notthesmartest

  • Paul sagt:

    Die FHSG sollte sich mal überlegen, was Soziale Arbeit bedeutet. Ein Blick auf die Aufnahmekriterien und Ausschlussregelungen reichen, um zu wissen, dass dort keine autonome Menschen augebildet werden, die dann gestärkt durch die Ausbildung, Hilfe zur Selbsthilfe anbieten können. Die Schuld auf die FHSG zu schieben wäre aber sehr plump! Schuld ist das Bildungssystem (und ggf. das sich die Leitung der FHSG nicht dagegen stellt), welches nicht auf die Entwicklung des einzelnen Menschen, sondern die Selektion ausgerichtet ist. Wenn 100 Studenten einen ganzen Vormittag in einer Vorlesung sitzen und auf ihren Iphones die interessantere Aussenwelt suchen, frage ich mich: Was könnten die 100 Personen in der Welt bewirken, wenn Sie den gelassen werden…
    Teillüsung: Die FHSG-Leitung könnte ihren Fehler einsehen und auf einmalig Fr. 500.– Lohn verzichten, diesen an zum Beispiel (www.dubistdu.ch) spenden und so ein deutliches Zeichen geben, wie man das Thema Homosexualität angeht. Das wäre Soziale Arbeit.

  • Thommen_65 sagt:

    Ich war der erste, der ca. 1974 das Thema Homosexualität in die Verbandszeitschrift Soziale Arbeit setzte, aus der Schwulenbewegung heraus!
    Es kann nur eine Auseinandersetzung mit den Religiösen geben, indem ein Kurs über die Geschichte der Religiösitäten angeboten wird! Glauben hat eine Geschichte und diese gehört dazu!
    Es gibt übrigens Bereiche, die von den Religiösen bewusst nicht angesprochen werden, genauso, wie nie über David und Jonathan gepredigt wird, oder den Lieblingsjünger Johannes!
    Neben den Homosexuellen gibt es ja noch andere Naturwidrigkeiten, die weggebetet werden könnten. Und wie steht es um die Zusammenhänge von Alkoholismus, Entzug und Glaubenseifer?
    Also seid nicht so fantasielos!
    Grüsse von Peter Thommen_65, Schwulenaktivist im Kleinbasel

  • raphael sagt:

    sozialarbeiter sind meistens eh nur formularwissenschaftler und paragraphenreiter. die soziale arbeit mit ihren ämtern, sind nur ein instrument, die soziale revolution zu schüren, und somit gehhilfen für den liberalen markt gedanken, welcher alleine kaum fähig wäre, einer gesellschaft einen sicheren fortgang zu gewährleisten. die welt versinkt in scheinheiligkeit und erntet desinteresse..

    • stefan sagt:

      Herr Raphael, was bitteschön hat Ihre Einstellung zu den „Formalwissenschaftlern und Paragraphenreiter“ mit dem hier diskutierten Thema zu tun? Einfach mal die Gelegenheit nutzen um über die Sozis herziehen?

    • Thommen_65 sagt:

      Wer in der Welt herum schauen kann, sieht ohne Scheuklappen sehr gut, was der liberale Markt als Gott in der Welt anrichtet! Der liberale Markt profitiert natürlich unermesslich davon…

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  • Ursula sagt:

    An der Hochschule für Soziale Arbeit in Siders/Sierre gibt es ein ganzes Modul mit dem Titel ‚kritisches Denken‘ in dem sich die Studierenden mit Ideologien, religiösen und politischen Positionen, sog. Sekten, Verschwörungstheorien etc. auseinandersetzen und diese im Verhältnis zu ihrer Berufsethik und ihrer persönlichen, privaten Einstellung diskutieren. Und das im konservativen Wallis!

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