, 31. Oktober 2019
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«Die Halle ist eine Ergänzung, keine Konkurrenz»

Mit HEKTOR entsteht auf dem St.Galler Güterbahnhof-Areal eine grosse multifunktionelle Halle. Die Stadt zahlt mit. Walter Boos, Mitinitiant des Projekts, zum Umbau und dem künftigen Programm.

Bild: Tine Edel

Saiten: Die HEKTOR-Halle hat unter dem Titel Standortförderung von der Stadt eine halbe Million Franken zugesprochen erhalten, für einen zehnjährigen «professionellen und kommerziellen Betrieb». Ist das Projekt damit gesichert?

Walter Boos: Die Zusage ist für uns entscheidend. Es ist jedoch keine Subvention, sondern ein Darlehen. Gemäss unserem Finanzplan können wir nach dem dritten Jahr unsere erste Rückzahlung leisten. Das Darlehen ist die erste Säule der Finanzierung, dank ihm kommen jetzt weitere Beiträge hinzu. Wir suchen aber noch Investoren, die mit einem mittleren oder grösseren Kapital einsteigen.

Das Projekt soll danach selbsttragend sein?

Ja. Wobei wir mit HEKTOR zwischen die Sparten fallen. In St.Gallen wäre es unmöglich, eine solche Halle als reinen «Kulturtempel» zu betreiben. Unser Projekt ist eine Mischung zwischen Kultur, Sport und Business, organisiert als AG. Es ist ein neuer Weg. Am ehesten vergleichbar ist das Presswerk Arbon.

Kultur, Sport und Business: Was hat man da konkret zu erwarten?

Wir werden, nur ein Beispiel, 700 Rollschuhe hier haben und sind mit den städtischen Schulen im Gespräch für eine Zusammenarbeit. Dabei geht es uns auch darum, montags und dienstags eine sinnvolle Nutzung aufzubauen, wenn in Sachen Veranstaltungen nichts los ist. Das Motto heisst: «eine Halle für alle». Nur wenn wir viele Interessengruppen abholen können, ist ein so grosses Projekt tragfähig.

Den Slogan «Halle für alle» hat auch die Grabenhalle. Macht HEKTOR ihr Konkurrenz?

Für alle: Das ist für uns ein zentrales Stichwort. Konkurrenz ist aber kein Thema, ich würde eher von Ergänzung sprechen. Grabenhalle oder Palace decken Konzerte bis zu 500 Personen ab, HEKTOR wird Platz für grössere Acts bis 1500 Personen haben — doch ist das nicht die Hauptaufgabe. HEKTOR wird wie die Olmamessen oder die Lokremise für GVs zur Verfügung stehen, für Weihnachtsessen, Hochzeiten, Ausstellungen und so weiter.

Das stellt gewaltige Anforderung an die Infrastruktur…

Das ist so, und das Budget ist auch entsprechend immer weiter gewachsen. Es braucht, nur ein Beispiel, Mobiliar, Tische und Stühle unterschiedlicher Art, wobei wir diese teils auch mieten werden. Wir wollen uns step by step anpassen an die Bedürfnisse. Die Richtung, welche Veranstaltungen stattfinden, wird vom Publikum bestimmt.

Das ist der kommerzielle Teil. Der kulturelle?

Es gibt eine grosse Bühne mit Backstage-Bereich für Theater, Konzerte oder Tanz. Dazu bietet die Halle Platz für Ausstellungen, Modeschauen, Festivals aller Art. Sie ist mobil und teilbar. Die Halle wird sehr flexibel sein, inklusive dem grossen Keller, den man mitnutzen kann.

Die Klage ist alt, es gebe keinen Saal für Konzerte mittlerer Grösse in der Stadt. Füllt HEKTOR diese Lücke? Und was für Konzerte werden das sein?

Man kann an eine Sophie Hunger denken, an eine Billie Eilish: in dieser Kategorie. Wir werden Konzerte durchführen, aber HEKTOR ist kein Klub. Wir wollen ein Mischbetrieb bleiben, das ist auch die Absprache mit der Stadt und den Nachbarn. Und wir können Tourneeproduktionen nach St.Gallen holen. Im Gegensatz zu Messe- oder Mehrzweckhallen wird die HEKTOR-Halle spezifischer für solche Anlässe ausgerüstet sein.

hektor.sg

Mehr zum Projekt im Maiheft von Saiten oder hier.

Worin besteht der Umbau?

Die Decke wird vollisoliert, die Wände bleiben roh, die Rolltore werden erneuert, auch für den Lärmschutz. Im Keller gibt es in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken ein Block-Heizkraftwerk, dessen Abwärme die Halle heizen wird. Die grösste Investition sind Lüftung und Heizung, samt den Vorschriften, die für Räume dieser Grössenordnung gelten. Obwohl wir eine Zwischennutzung sind, müssen wir das Gesetz einhalten, was eine Festinstallation fordert. Im Aussenraum wird es eine Begegnungstreppe geben, innen eine Bar, aber keine Küche.

Bei all diesen Investitionen: Kann das funktionieren für bloss zehn Jahre?

Zehn Jahre, das ist der Plan. Ob die Halle danach noch eine Weile weiterexistiert, bleibt vorläufig Spekulation. In zehn Jahren soll alles abbezahlt sein. Das ist sportlich und nur zu schaffen dank wohlwollenden Leuten, die uns in irgendeiner Form unterstützen.

Dass das Bedürfnis besteht, ist unbestritten?

Auf jeden Fall. Neben den Olmahallen ist es die einzige grössere Halle in dieser Stadt und entsprechend auch wirtschaftlich sehr interessant. Die Gestaltung wird vintagemässig sein. Die Leute haben den Wunsch, auch grössere Veranstaltungen an einem Ort zu machen, wo sie sich wohlfühlen. Für uns alle ist es zentral, einen guten Geist einzubringen. Und das passt zum Lattich-Projekt. Der wache Geist, mit dem wir im Lattich aufgenommen worden sind: Das ist es, was St.Gallen braucht.

Traumstart ist wann?

Im Frühling, April oder Mai 2020, wenn alles rund läuft.

Kann HEKTOR scheitern?

Nein. Beziehungsweise: Klar, so wie alles scheitern kann. Das ist anstrengend, aber auch spannend, wie das Leben: Es gibt keine Sicherheit. Aber die Energie ist gut, wir tragen sie hinaus in die Stadt, wir haben das Feuer des Anfangens. Vor der Fortsetzung später habe ich allerdings ebenso Respekt. Qualität zu halten ist mindestens so anspruchsvoll wie mit Qualität zu starten.

Dieser Beitrag erscheint im Novemberheft von Saiten.

1 Kommentar zu «Die Halle ist eine Ergänzung, keine Konkurrenz»

  • […] Ein Artikel über Hektor im Magazin Saiten hat mich zum Nachdenken gebracht. Es gibt in der Stadt viele Eventlokale zum mieten (oder auch nicht). Es gibt städtische, halb öffentliche, rein kommerzielle, einfache und luxuriöse Angebote. Sucht man sich aber ein Lokal, dann ist man gezwungen sich ans Telefon/Mail zu setzen und die bekannten Lokale abzuklappern. […]

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