Zwischen 300 und 400 Birnbäume hat Simone Kappeler über die letzten zehn Jahren mit einer vierzig Jahre alten Kamera abgelichtet. 62 davon sind im Buch versammelt, durchwegs in Schwarzweiss. Im Mittelpunkt steht die nostalgische Schönheit dieser mitunter absterbenden oder aber in vollem Blust stehenden Bäume vom Seerücken bis zum Oberthurgau. Es sind die letzten Solitäre ihrer Art, was ihnen, respektive den Aufnahmen ihre Aura verleiht.
Abgesang auf den Hochstamm
Es handelt sich ausschliesslich um selten gewordene Hochstammbäume. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden auf Anordnung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung schweizweit Millionen von Hochstammbäumen gefällt, für deren Erträge eine Abnahmegarantie bestand, und durch niederstämmige, ertragreichere Apfelbaumkulturen ersetzt, die heute das Landschaftsbild prägen.
Simone Kappeler: Birnbaum, Vogelsang, 27.1.2013.
Apfelbäume sind, muss man wissen, wesentlich ertragreicher und kostengünstiger als Birnbäume. Und vermutlich ging es nicht nur um höhere Erträge, sondern auch um die Eindämmung des staatlich geförderten Schnapskonsums.
Der im Frauenfelder Saatgut Verlag erschienene Fotoband präsentiert sich minimalistisch elegant. Die Farben von Einband und Schmutzseiten reichen von einem hellen, teilweise gelblichen Rot bis zu einem dunklen Violett und zeigen kaum erkennbar einen Baum. Die 144 Seiten des Buchs sind nicht nummeriert, ganz so als wolle man keinem der abgebildeten Bäume, von denen manche über hundert Jahre alt sind, einen Vorrang vor einem anderen einräumen. Dazu stehen am Schluss vier persönliche Kommentare der Fotografin, abgeschlossen von einem kurzen Nachwort.
Simone Kappeler: Der Birnbaum. 62 Schwarzweiss-Fotografien. Saatgut Verlag Frauenfeld 2022, Fr. 49.-
Als Vorwort dient ein Auszug aus dem Buch über die Gebirgsvölker der Schweiz von Johann Gottfried Ebel, einem Bekannten Hölderlins, aus dem Jahr 1798. Darin schildert er seinen Fussweg von Konstanz in das 30 Kilometer entfernte Arbon.
Nicht bei Ebel, sondern bei Stefan Keller in dessen Buch Spuren der Arbeit fände man zusätzliche Informationen: Im Abstand von 24 Schritten stünden «grosse und breitästige Birn- und Apfelbäume, unter denen das schönste Getreide wallte». Die Obstbäume brächten den Bauern reichen Nutzen, einen Gewinn von zwischen 30 und 50 Gulden pro Baum und Jahr. Die Mitgift vieler Töchter bestehe einzig aus einer Anzahl Birn- oder Apfelbäume.
Solche historischen Hinweise hätten dem Band trotz seinem geglückten Minimalismus vielleicht gutgetan.
Der Bruder der Fotografin, der Filmemacher Friedrich Kappeler hat vor Jahren ebenfalls Bäume, Apfelbäume, ebenfalls in Schwarzweiss fotografiert, die eine ähnliche Nostalgie ausgestrahlt haben. Vielleicht sind weder Nostalgie noch ihre Sujets ein Zufall. Die Nostalgie ist ein mentales Gegengewicht zur Zersiedelung der Landschaft – obwohl man vielleicht gerade auch die baulichen und landschaftlichen Wüsteneien fotografisch dokumentieren sollte.
Birnbaum, Fimmelsberg, 1.5.2013.
Birnbaum, Thor, 5.5.2013.
Birnbaum, Buech, 12.10.2013.
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
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Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.