, 14. November 2014
10 Kommentare

Die Operation am St.Galler Herz

Der St.Galler Bahnhof Nord ist keiner. Sondern ein Friedhof Nord. Aber das kann sich ändern – hier das Sechs-Punkte-Programm, wie das tote Herz St.Gallens wiederbelebt werden kann.

Welche Stadt in der Schweiz gibt ihren wichtigsten, zentralsten Platz aus der Hand? Keine. Ausser St.Gallen. Am Bahnhof Nord wird klar, was passiert, wenn eine aktive Bodenpolitik fehlt. Das Resultat: ein Chaos.

Doch noch ist Polen nicht verloren. Oder anders gesagt: Der Unort «Bahnhof Nord» hat Chancen, doch noch ein guter Ort zu werden. Wenn man jetzt nichts falsch macht.

Die Gewerbekasse hat die Segel gestrichen. Chef Fässler und SVP-Mann Richle verzichten auf ihren Neubau. Das ist gut so. Ein reines Verwaltungsgebäude hätte dem Bahnhof Nord den Todesstoss versetzt.

Damit sind wieder Optionen offen. Das Spanische Klubhaus (und das benachbarte Wohnhaus) stehen zum Verkauf. Die Möglichkeit einer Neuorientierung ist gegeben. Was ist zu tun?

klubhaus2Erstens: Die Stadt muss das Klubhaus kaufen. 1,5 Millionen sind ein Pappenstiel im Vergeich zu dem, was auf dem Spiel steht. Die Spanier sollen mit ihrer Beiz bleiben. Sie sind die besten Garanten für Leben im Quartier.

Zweitens: Die Stadt muss Ideen fürs Quartier entwickeln. Insbesondere für eine Platzgestaltung. Damit der Bahnhof Nord ein Begegnungsort wird und nicht eine Ansammlung von Blech bleibt. Das Schlüsselwort ist die öffentliche Nutzung. Warum nicht einen Wettbewerb veransalten? Vielleicht zusammen mit interessierten Investoren?

Drittens: Kanton und SBB müssen mit ins Boot. Ohne sie ist eine Platzgestaltung nicht möglich. Mindestens die Hälfte der oberirdischen Parkplätze muss weg. Sonst kann kein Platz entstehen. Da der Kanton die Parkplätze auf 20 Jahre von der SBB gepachtet hat, müssen beide Träger in die Lösung einbezogen werden.

Viertens: Falls der Kanton nicht willig ist, kann man auch etwas nachhelfen. Er braucht das Platztor für die Erweiterung der HSG. Gibst du mir, so geb ich dir. Alles klar?

Fünftens: Der einzige Privatbesitzer in der Häuserzeile zwischen Klubhaus und Fachhochschule wird abgefunden. Das ist bereits auf gutem Weg. Doch es wäre nun grundfalsch, das ganze Areal einfach einem Generalunternehmer zur Überbauung zu übergeben. Hier steht Stadtentwicklung auf dem Spiel, und zwar am zentralsten Ort, den die Stadt hat. Also braucht es sorgfältige Überlegungen: Was braucht eine Stadt an diesem Ort? Und was braucht sie ganz sicher nicht?

Sechstens: Diese Operation ist heikel. Aber sie kann gelingen. Alle müssen zusammenspannen und das Herz St.Gallens retten. Der Bahnhof Nord darf nicht länger ein Friedhof bleiben, sondern soll ein Schmuckstück werden.

Bilder: Claudio Baeggli

10 Kommentare zu Die Operation am St.Galler Herz

  • Gallus Hufenus sagt:

    100 Punkte. Genau daran arbeiten wir weiter.

  • Holderidoo sagt:

    Wettbewerb? Investoren? Das klingt ganz grausig..
    Meine Lösung: Rümpeltum ins Klubhaus, DAS belebt das Quartier. Das Haus soll ein soziales Quartierszentrum werden (den Namen dafür hätte man auch schon parat > „centro social“), dafür brauchts weder Wettbewerb, noch Investoren, sondern eine Stadt, die sich zu gemeinschaftlichen und auch konfliktiven Orten bekennt!

  • IG Klubhaus sagt:

    Siebtens: Eine neue Genossenschaft übernimmt von der Stadt die Liegenschaften Klubhausstrasse 3 und Lagerstrasse 10 im Baurecht. Sie sorgt ohne spekulative Hintergedanken dafür, dass das Klubhaus ein Gesellschaftssaal und das angrenzende Gebäude ein Wohnhaus bleibt. Der entstehende Platz nördlich des Bahnhofs erhält einen architektonischen Kontrast, welcher nicht nur die Geschichte des Quartiers dokumentiert, sondern dessen Herz höher schlagen lässt.

  • Holderidoo sagt:

    Oder ein grosses Refugees-Welcome-Zenter bauen, das wär doch auch was…

  • Marcel Baur sagt:

    Wenn wir die letzten Beiträge hier auf Saiten anschauen, dann stellt man sehr schnell fest, dass nebst dem Bahnhof Nord auch weitere grössere Bauvorhaben umherschwirren. Da wäre die Uni-Idee am Platztor und das Autobahnkarussel beim Güterbahnhof. Weiter gehts mit dem Marktplatz und dem brachliegenden Gelände am Bahnhof St. Fiden.
    St. Gallen (Kanton, Stadt und ihre Einwohner) sollten jetzt Mut zeigen und vorausschauen.
    Es dürfte wohl lange Zeit keine solche Chance mehr geben, die auf der West-Ost Achse ein visionäres Konzept ermöglichen könnte. Seien wir mutig und denken über Bauparzellen hinaus!
    Das benötigt aber Weitsicht, kreative Ideen, viel Geduld und viel guten Willen. Geld lass ich absichtlich weg 😉

  • Macbes sagt:

    Bin mit allen Punkten einverstanden und sehe gute Chancen, dass der Patient so die Operation überlebt. Aber da ist ein Chefarzt gefragt. Der Patient ist privat versichert, also dürfte das kein Problem sein. Und weil sieben eine so schöne Zahl ist und dazu auch noch biblisch verbucht, kann eine zusätzliche operative Massnahme ins Spiel gebracht werden.

    Siebtens: Die Operation «Areal Bahnhof Nordwest» soll in ihrer Gesamtheit chefärztlich (Gebietsmanager/in) betreut werden und nicht unkoordiniert mit dutzenden von Spezialisten. Kunstfehler sind dann vorprogrammiert und der Patient stirbt einen qualvollen Tod. Eine gesamtheitliche medizinische Betrachtung ist das A und O.

  • gallenblog sagt:

    Irgendein Bahnhofnordkümmerer der auch in dessen Nähe wohnt?
    Oder noch eine autoverkehrsfreie Wochenendpartymeile für die ganze Agglo.
    Ob Stadtkinder in ihrer Freizeit auch eine Partymeile für ein gesunde Entwicklung im Wohnquartier vorfinden interessiert kein Schwein. Deren Freifläche wird immer mehr als Verkehrs- und Parkierfläche für eine autofreie Innenstadt missbraucht.
    Was interessiert eine Familie im Lachen, was für Gebäude in der Innenstadt erstellt werden?
    Saiten der Agglo-FDP-Loge auch schon auf dem Leim gekrochen?

    • Marcel Baur sagt:

      Lieber Gallenblog, warum so harsch?
      Ich denke, die meisten hier wohnen, leben und arbeiten auch in der Stadt. Viele davon seit vielen Jahren.
      Ich habe meinen Wohnsitz seit mehr als 30 Jahren in einer der schönsten Städte der Schweiz (ja, in der Stadt St. Gallen). Die Ära „Stadtwohnung“ ist bei uns zwar vorbei, dennoch erlaube ich mir bei der Stadtentwicklung meinen Senf dazuzugeben.
      Es muss nicht einigen wenigen gerecht werden, sondern allen einen Mehrwert bieten. Mit ausreichend Kreativität und Mut ist dies auch zu schaffen. Mit destruktiven Vorwürfen allerdings wird eine gute Lösung bereits im Keim erstickt.

  • […] Die Operation am St. Galler Herz – Magazin Saiten vom 14.11.2014 […]

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