Es scheint vermessen, sich überhaupt kritisch zur Institution der Solothurner Literaturtage, die über die diesjährigen Auffahrtstage zum 39sten Mal stattfanden, zu äussern. Denn angesichts einer Auswahl von 78 zum Teil sehr bekannten, von nah und fern herkommenden Autorinnen und Autoren, 13 Übersetzerinnen, einem Kinder- und Jugendprogramm, einer Veranstaltung für ein Fachpublikum, einem Zukunftsatelier über Literatur und Digitalität, einer Late-Night Bar, einer Offenen Bühne, zahlreichen Gastveranstaltungen und noch anderem mehr (das Programmheft ist 140 Seiten stark), ist Mäkelei schwierig.
Und es gab denn auch Hörenswertes, nachzulesen zum Beispiel hier.
An Lohnendem fehlt es nicht Dennoch muss Mäkelei sein – aus Ostschweizer Sicht jedenfalls. Auf Seite 116 des Programmheftes heisst es: «Die Solothurner Literaturtage sind neben einer Werkschau des vergangenen Literaturjahrs der viersprachigen Schweiz auch Ort des Dialogs und Austausches.» Die Ostschweiz, also die beiden Appenzeller Kantone sowie St.Gallen und Thurgau, kann damit nicht gemeint sein. Sie war in diesem Jahr in Solothurn nur gerade zwei Mal und nur stadtsanktgallisch vertreten: mit der guten Wahl des Romanciers, Lyrikers und Dramatikers Christoph Keller und mit der Illustratorin und Performerin Lika Nüssli im Kinder- und Jugendlichenprogramm sowie in der Late Night Bar zusammen mit dem Bassisten Marc Jenny und dem Fotografen Herbert Weber.
Das war es, und mehr Ostschweiz erschien der elfköpfigen Programmkommission anscheinend nicht interessant oder nicht wichtig genug. Das gilt offensichtlich sogar für die monumentale Appenzeller Anthologie Ich wäre überall und nirgends, die gegen 200 Autorinnen und Autoren von 1900 bis heute dokumentiert. Sie hätte eine stimmige Vorstellung verdient gehabt. Das gleiche Schicksal der Nichtbeachtung hatte übrigens auch die 2005 erschienene Anthologie Bäuchlings auf Grün ereilt, die einen möglichst vollständigen Blick auf die Lyrik des Kantons St.Gallen im 20. Jahrhundert versuchte.
Es darf vermutet werden, dass sich die Programmkommission beispielsweise nicht beim Waldgut Verlag (Frauenfeld) oder beim Orte Verlag (Schwellbrunn) umgesehen hat. Gleiches gilt für einzelne Namen wie Frédéric Zwicker oder Lisa Elsässer (letztmals 2012 in Solothurn) und ihre aktuellen Neuerscheinungen. Das hat, muss angenommen werden, eine gewisse Tradition. Es gibt zahlreiche Ostschweizer Autorinnen und Autoren, unter ihnen Max Peter Ammann, Verfasser des grossartigen Romans Die Gottfriedkinder (2011), die Lyriker Fred Kurer und Ivo Ledergerber oder Claudia Vamvas mit ihrer originellen Twitter-Lyrik Sitze im Bus (2016), die es bisher nicht nach Solothurn geschafft haben. Andere sind seit langem nicht mehr in Solothurn zu hören gewesen, so etwa Christine Fischer, die seit ihrem 1993 in Solothurn vorgestellten Erstling Eisland sieben weitere Romane und einen Band mit Prosa und Lyrik veröffentlicht hat. Diese Liste könnte beliebig fortgesetzt werden.
Programmkommission mit West-Drall
Zuständig für die jeweilige Auswahl ist die Programmkommission. Die jetzige Zusammensetzung könnte einen Fingerzeig geben. Vertreten sind die Westschweiz (2 x), Bern (2x), Innerschweiz (2x) Zürich (2 x), je einmal Tessin und Basel sowie der in Birwinken (TG) und Paris lebende Publizist Christoph Kuhn. Er kann kaum als Vertreter der Ostschweiz angesehen werden, und darum lautet das Fazit: Einmal mehr reicht die literarische Schweiz nur bis Zürich oder höchstens bis Winterthur.
Einzuräumen ist: Eine ausgewogene Regionalvertretung kann nicht das wichtigste Kriterium dieser Veranstaltung sein, an erster Stelle muss die Qualität stehen. Aber daran mangelt es dem Ostschweizer Literaturschaffen nicht, und darum ist aus der Sicht des Schreibenden und gemäss dem eigenen Anspruch der Solothurner Literaturtage diese Mäkelei berechtigt.
Gleich zwei Romandebüts von Ostschweizerinnen innert weniger Wochen und ein (fast) gemeinsamer Auftritt am Wortlaut-Festival: Mit Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt betreten zwei junge Autorinnen mit Ambitionen die Bühne.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.