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Die Rache der Wutbürger

Von ungeniessbaren Bratwürsten über Leichtbier bis zu übermotivierten Sicherheitskräften bleibt einem im Stadion beinahe nichts erspart. In den Kommentarspalten der Boulevardpresse geht es zuweilen aber noch viel schlimmer zu und her. SENF hat das digitale Fussball-Wutbürgertum analysiert und eine Typologie erstellt.
Von  SENF Kollektiv
SENF mit Erkenntnissen aus einem noch jungen Forschungsgebiet (Bild: bitsocialmedia.com)

Fussball weckt Emotionen. Diese können nicht nur im Umfeld von Fussballspielen überborden, sondern genauso gut auch zuhause vor dem Computer. Kurz nach Vorfällen rund um Fussballspiele, wenn die ersten verpixelten Fotografien und Handyvideos auf den einschlägig bekannten Online-Portalen aufgeschaltet werden, sind sie auch schon da: Die tastaturschwingenden, kuscheljustizhassenden Wutbürger mit Internetzugang und Mitteilungsbedürfnis.

Mit unablässigem Eifer, einer kaum zu übertreffenden Sachkenntnis und einem Demokratieverständnis, das sogar Erdoğan mit stolz erfüllen würde, wird in die Tasten gehauen, so, dass sämtliche Bindestrich-Journalisten vor Neid erblassen, weil ihre eigenen Wortkreationen («Pyro-Trottel» etc.) geradezu einfallslos erscheinen.

SENF hat nach eingehendem Studium der Kommentarspalten der Schweizer Boulevardpresse die häufigsten fünf Formen des Fussball-Wutbürgertums typologisiert:

Der Nostalgiker

Diese Spezies ist ziemlich leicht zu erkennen und gehört mitunter zu den harmloseren digitalen Zeitgenossen. Seine Beiträge beginnen in der Regel mit der Formulierung «Früher, als…», um danach den Ist-Zustand zu kritisieren und den eigenen Beitrag mit dem Verweis zu beenden, dass damals noch alles besser gewesen sei und man diese Probleme nicht gehabt hätte.

Dem Nostalgiker spielt es dabei keine Rolle, wie es in der Vergangenheit effektiv war oder ob ihm sein Gedächtnis eventuell einen Streich spielt. Das Einzige, was für ihn zählt, ist, dass es nicht so ist, wie er es gerne hätte, und er am liebsten schnellstmöglich zurück in die guten alten Zeiten möchte, wo das Wünschen noch geholfen hat.

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Der Insider

Der (vermeintliche) Insider gehört zu den mühsameren Zeitgenossen, dies weil er nicht müde wird, sein angesammeltes Halbwissen der Allgemeinheit kundzutun und damit den Besserwisser vom Dienst markiert. Der Insider tarnt seine Beiträge durch eine fachmännische Ausdruckweise sowie eine kaum erreichte Versiertheit in der Darlegung seiner «Wahrheit».

Dass er seine Informationen vom Kollegen eines Kollegen hat, der die ganze Begebenheit haargenau im Fernsehen gesehen hat (HDTV sei Dank!) und sein Fachwissen auf der wiederholten Rezeption verschiedenster Youtube-Videos beruht, spielt dabei keine Rolle – schliesslich kann man in den Weiten des Internets sein, wer immer man will!

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Der Problemlöser

Er ist wahrlich kein Freund der grossen Worte. Der Problemlöser würde viel lieber Taten statt Worte sprechen lassen und dem ganzen Treiben so im Nu Einhalt gebieten. Ihn erkennt man an seinem Hang zu blindem Aktionismus und der Forderung, dass die Politiker doch endlich Massnahmen ergreifen müssten.

Was dabei genau gemacht werden soll, ist ihm ziemlich egal. Hauptsache es wird gehandelt. Dem weitverbreiteten Typus des Problemlösers hat die Schweiz solch ruhmreiche Errungenschaften wie das Hooligan-Konkordat oder die Frisur Alain Sutters zu verdanken.

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Der Realitätsfremde

Dieser Typus besticht durch seine verzerrte Wahrnehmung der Realität und die damit zusammenhängenden fragwürdigen Aussagen zur jeweils aktuellen Problemlage. Das eigene Weltbild wird dabei solange zurechtgebogen, bis die Erde endlich wieder eine Scheibe ist und der Grasshopperclub Zürich nicht mehr im Stimmungsmoloch Letzigrund spielt.

Es spielt dabei keine Rolle, wie realitätsfremd und unwahrscheinlich die eigene Meinung ist. Schliesslich ist es dank Google & Co. jederzeit möglich, ein Gegenargument anzuführen und das eigene Weltbild damit zu festigen.

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Die schweigende Mehrheit

Dazu gehörst hoffentlich auch du, liebe/r LeserIn: Du hast dich aufgrund des reisserischen Titels zwar zu einem Klick verführen lassen und den Artikel mehr oder weniger interessiert gelesen (hoffentlich). Deine Interaktion mit dem jeweiligen Vorkommnis beschränkt sich jedoch auf die persönliche Meinungsbildung und einen eventuellen Austausch mit deinen Freunden im realen Leben.

Dies nicht zuletzt, da dir bewusst ist, dass man nicht alles für bare Münze nehmen sollte, was in den Medien geschrieben steht. Und weil hinter dem tastaturschwingenden Wutbürger möglicherweise lediglich ein gelangweilter SENF-Autor steckt.

 

Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5