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Die Schafgarben-Hirtin

Das «Herbarium» aus unserem Sommerheft, Teil 4: Warum Achillea millefolium viele schulmedizinische Mittel überflüssig macht. von Regina Germann
Von  Gastbeitrag

Meine kleine Geschichte über das Schafheilkraut (Garbe, abgeleitet vom althochdeutschen «garvan» = heilen): Eine Hirtin beobachtet bei ihren Schafen, dass sie ein Kraut mit tausend Blättern lieben (= millefolium). Sie wirken gesund und zufrieden, was sie von sich nicht behaupten kann.

Nach einem Glas Schafmilch zu viel hat sie furchtbare Bauchschmerzen. Also pflückt sie diese Blüten und Blätter. Was meinen Schafen guttut, kann mir auch nicht schaden, denkt sie.

Nach einem Tee bessern sich die Schmerzen sofort – die ätherischen Öle wirken krampflösend und verdauungsfördernd, die Bitterstoffe leberanregend. Zum Trocknen hängt sie ein paar Pflanzen auf. Mit den frischen Pflanzen macht sie eine Urtinktur, indem sie diese vier Wochen im Alkohol einlegt.

Achillea millefolium.

Nach einem heissen Tag unterwegs hat sie müde, geschwollene Beine und nimmt von der Tinktur. Der Lymph- und Venenstau löst sich – sie wirkt lymphflussfördernd.

Leichten Schrittes spaziert sie am nächsten Tag durch den Wald und verletzt sich dabei an einem Ast. Sie macht sich einen starken Tee mit dem Kraut und reinigt die Wunde damit. Ausserdem behandelt sie sie mit ihrer Schafgarben-Salbe – die Gerbstoffe wirken wundheilend und entzündungshemmend. Zum Entspa nen braucht sie nun einen Schafgarben-Leberwickel – er wirkt beruhigend.

Kurz darauf beginnen ihre Menstruationsbeschwerden. Nach einer mehrmonatigen Kur mit der Tinktur hat sich aber auch das verbessert – sie wirkt hormonregulierend.

Gesund und zufrieden trinkt sie darauf mit ihrem Hirten-Freund ein Gläschen Schafgarben-Likör und isst Schafgarben-Suppe und Brot mit Schafgarben-Pesto – die Schafgarbe ist auch in der Küche vielfältig einsetzbar.

In meiner Praxis setze ich die Pflanze oft und mit grossem Erfolg phytotherapeutisch ein. So kann ich auf viele schulmedizinische Mittel verzichten. In der Naturheilkunde betrachten wir die verschiedenen Wirkstoffe einer Pflanze oft zusammenhängend, nicht isoliert.

Auch wenn ich gesund und zufrieden bin – ein bisschen fühle ich mich immer wie meine Hirtin, wenn ich von Juni bis Oktober das blühende Kraut sammle und verarbeite.

Regina Germann, 1982, ist Naturheilpraktikerin in Rapperswil-Jona.Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

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