Das Sparprogramm «Fit 13plus» der Stadt St.Gallen trifft auch die Kultur. Seit heute weiss man, wie: Es gibt weniger Geld für freie Projekte und für Preise.
Den Anlass darf man nicht verpassen – denn er fällt nächstes Jahr aus. Am Dienstag 5. November vergibt die Stadt ihre Anerkennungs- und Förderpreise. Im heute präsentierten Budget der Stadt sind die bisher 40’000 Franken für die Preise gestrichen, nachdem schon in diesem Jahr die vormals vier Förderpreise auf die Hälfte geschrumpft sind.
Es ist eine von zwei Streichungen im Kulturbereich, die das Sparprogramm «Fit 13plus» der Stadt zur Folge hat. Die zweite Kürzung ist schmerzlicher: Sie betrifft die freien Mittel für Veranstaltungen und Projekte. Hier fallen dem Rotstift insgesamt 80’000 Franken zum Opfer. Um zweimal 40’000 Franken, von bisher je 350’000 Franken auf 310’000 Franken gekürzt werden die Budgets für Veranstaltungen und für Projektförderung; letztere umfasst laut der Kulturbeauftragten der Stadt, Madeleine Herzog, Produktionsbeiträge für Stücke oder CDs, Gelder für Werkbeiträge, Ateliers und ähnliches.
Warum gerade diese Kürzungen?
Zum einen: Preise seien zwar wichtig als Wertschätzung, aber mit ihnen werde Kunst gewürdigt, die bereits realisiert sei, sagt Madeleine Herzog. Wenn die Stadt nur noch alle zwei Jahre ihre Anerkennungen vergebe, leide daher wenigstens das aktuelle Kulturschaffen nicht. Kommt hinzu: 2014 steht der grosse, nur alle vier Jahre verliehene Kulturpreis ins Haus.
Weil das nicht genug Spareffekt hat, müssen zum zweiten «auch die freien Kredite bluten», bedauert Herzog. Den Schaden wolle sie, zusammen mit der Kulturkommission, in Grenzen halten, indem mehr bei Gastspielen und weniger bei Veranstaltungen einheimischer Kunstschaffender gekürzt werden soll. Zudem werde man die Qualität der Gesuche «eine Runde strenger» beurteilen als heute.
Die wiederkehrenden Subventionen für Institutionen will sie hingegen nicht antasten. «Die Stadt will ein verlässlicher Partner bleiben. Und die Institutionen sind so schlank dotiert, dass es kaum Spielraum für Kürzungen gibt.» In den letzten Jahren seien zahlreicher dieser Beiträge gefestigt worden (für die Museen, das Kinok, für Palace und Grabenhalle, für die Kellerbühne, das Museum im Lagerhaus und andere) – «es wäre fatal, hier schon wieder abzubauen».
Damit wird an jener Stelle gekürzt, wo der Widerstand mutmasslich am geringsten ist – weil niemand jetzt schon weiss, wen es trifft. Dem könne sie nicht widersprechen, sagt Madeleine Herzog. Mit zwei Relativierungen: Zum einen sei der freie Kredit noch bis 2008 tiefer gewesen (250’000 Franken) und konnte dann dank dem Kulturkonzept aufgestockt werden. Und zum andern seien vom Sparprogramm Fit 13plus andere Bereiche, besonders im Sozialen, teils stärker betroffen – «es gibt keine Argumente, warum die Kultur davon ausgenommen sein sollte.»
Herzogs Fazit: Für freie Produktionen wird 2014 weniger Geld vorhanden sein, von der Stadt wie vom Kanton. Diskussionsstoff ist also da, am Dienstagabend bei der künftig nur noch alle zwei Jahre stattfindenden Kulturpreisverleihung.
Verleihung der städtischen Preise und Werkbeiträge: Palace St.Gallen, 5. November, 18 Uhr.
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