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Die Stickmaschine steht still

Walter Sonderegger Senior und Walter Sonderegger Junior an der Stickmaschine. (Bild: Film Schmid & Co. GmbH / Lesegesellschaft Dorf Rehetobel)

Walter Sonderegger Senior und Walter Sonderegger Junior an der Stickmaschine. (Bild: Film Schmid & Co. GmbH / Lesegesellschaft Dorf Rehetobel)

In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.

Wie eng das Ap­pen­zel­ler­land am Tex­ti­len und am Fa­den hing, schil­dert die En­de letz­ten Jah­res ver­stor­be­ne He­di Koh­ler, die mit der Lo­kal­ge­schich­te von Re­he­to­bel eng ver­traut war. Kan­tons­bi­blio­the­ka­rin und His­to­ri­ke­rin Hei­di Ei­sen­hut ver­weist ih­rer­seits auf die lan­ge Ge­schich­te: Seit dem Mit­tel­al­ter war die Tex­til­in­dus­trie in der Re­gi­on be­deu­tend. Und sie brach­te zeit­wei­se ei­nen Reich­tum, der ei­ne Art Gold­grä­ber­stim­mung aus­lös­te.

Das En­de ei­ner Ära ist mit die­sen Rück­bli­cken und dank his­to­ri­scher Film­aus­schnit­te weit mehr als die Do­ku­men­ta­ti­on über das Lich­ter­lö­schen in der letz­ten Lohn­sti­cke­rei im Ap­pen­zel­ler­land. Doch es sind Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or, die mit ih­ren kur­zen, oft la­ko­ni­schen Dia­lo­gen klar­ma­chen, wie­so es zum En­de der Tex­til­ära ge­kom­men ist. Im­mer mehr Pro­duk­ti­on wur­de nach Asi­en ver­legt. Vie­le der frü­her in der Ost­schweiz lau­fen­den Ma­schi­nen ste­hen heu­te dort.

Mit 65 ge­nug ge­ar­bei­tet

Die Son­der­eg­gers ga­ben al­ler­dings nicht haupt­säch­lich aus wirt­schaft­li­chen Grün­den auf. Sein Haupt­grund für die Be­triebs­schlies­sung sei sein Al­ter ge­we­sen, sagt Wal­ter Son­der­eg­ger Ju­ni­or. Mit 65 ha­be er ge­nug ge­ar­bei­tet. Der in­zwi­schen über 90-jäh­ri­ge Se­ni­or hat für die­se Ein­stel­lung nicht wirk­lich Ver­ständ­nis. Er kri­ti­siert sie zwar nicht, aber sei­ne Welt war die Ar­beit. Bis zu­letzt war er je­den Tag im Be­trieb. Nur da­mit sich der Se­ni­or nicht lang­wei­le, ma­che er nicht wei­ter, kon­tert der Ju­ni­or in ei­nem Dia­log, der zu den High­lights des Films zählt.

Vier Ge­ne­ra­tio­nen lang hat­ten die Son­der­eg­gers ge­stickt, zu­erst im Ne­ben­er­werb, seit zwei Ge­ne­ra­tio­nen dann im ei­ge­nen Be­trieb. Spe­zia­li­siert auf Lohn­sti­cke­rei ver­ar­bei­te­ten sie Stof­fe für re­nom­mier­te Mo­de­la­bels von Akris bis Lou­is Vuit­ton. Und im­mer wa­ren sie tech­nisch an der Spit­ze und in der La­ge, in­nert kür­zes­ter Zeit ei­nen Ent­wurf auf den Stoff zu brin­gen.

Dem St.Gal­ler Fil­me­ma­cher Lu­ca Schmid ge­lingt mit Das En­de ei­ner Ära die Kom­bi­na­ti­on von Er­läu­te­run­gen zu wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen und per­sön­li­chen Ge­schich­ten. Der Film zeigt da­mit ge­wis­se Par­al­le­len zur im letz­ten Herbst ge­zeig­ten Do­ku­men­ta­ti­on von An­dre­as Baum­ber­ger über das En­de der He­ri­sau­er Tex­til­fir­ma Ci­lan­der.

Ein Film dank der Le­se­ge­sell­schaft

Ei­ne In­itia­ti­ve der seit fast 200 Jah­ren exis­tie­ren­den Re­he­to­bler Le­se­ge­sell­schaft Dorf hat den Film Das En­de ei­ner Ära er­mög­licht. Le­se­ge­sell­schaf­ten sind in Aus­ser­rho­der Dör­fern wich­ti­ge Kul­tur-, aber auch Po­li­tik­or­ga­ni­sa­tio­nen. Ex-Ge­mein­de­prä­si­dent Heinz Mei­er und wei­te­re Mit­glie­der der Le­se­ge­sell­schaft Dorf er­fuh­ren von der Be­triebs­auf­ga­be des letz­ten Sti­cke­rei­be­triebs in ganz Aus­ser­rho­den. «Wir woll­ten nicht, dass die Ära ein­fach sang- und klang­los zu En­de geht», so Heinz Mei­er. Dank fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung durch Stif­tun­gen, In­sti­tu­tio­nen und Pri­va­ten konn­te der Film rea­li­siert wer­den.

En­de Sep­tem­ber kommt Das En­de ei­ner Ära in die re­gio­na­len Ki­nos und da­nach ins Fern­se­hen. Er do­ku­men­tiert, was an­dern­orts still und lei­se zu En­de ging, und er be­ant­wor­tet auch die Fra­ge, wie Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or das En­de sei­nes Le­bens­wer­kes emp­fin­det. Er hat das letz­te Wort im Film. Und wenn es ihm die Ge­sund­heit er­laubt, dür­fen wir uns auf sei­ne trä­fen Wor­te in den Dis­kus­sio­nen nach den Vor­füh­run­gen freu­en.

Das En­de ei­ner Ära: Film­vor­füh­run­gen mit Dis­kus­si­on mit den Prot­ago­nist:in­nen und Hans­pe­ter Spör­ri (Mo­de­ra­ti­on): Sonn­tag, 27. Sep­tem­ber 2026, 19 Uhr, Ki­no Ro­sen­tal, Hei­den (Pre­mie­re); Wei­te­re Vor­füh­run­gen im Ki­nok, St.Gal­len; Ci­ne­treff, He­ris­au; Ki­no­thea­ter Mad­len, Heer­brugg.

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
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Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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