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Die Synthesizer schick usebüzlät

Das St.Galler Electropop-Duo Dachs hat eine neue EP: Hall wie im Kloster, Metaphern à la Coelho und eine gefährliche Nähe zum Kitsch – Büzlä ist gelungen. von David Nägeli
Von  Gastbeitrag
Lukas Senn und Basil Kehl (rechts) sind Dachs. (Bild: pd)

Dachs spielen Electropop. Die Masche: Electropop mit Mundart-Gesang. Auf Sangallisch, versteht sich. Nachdem Basil Kehl (ihn kennt man auch als Wassily) und Lukas Senn 2012 den bandXost-Wettbewerb gewonnen hatten, standen sie am Openair St.Gallen auf der Bühne und veröffentlichten eine Mini-EP mit zwei Songs.

Am 7. Mai taufen Dachs im Palace nun den ersten grösseren Release namens Büzlä: Eine knappe halbe Stunde verhallte Synthesizer und Geschichten, aus der grossen, meist aber aus der kleinen Welt des Ostschweizer Alltags.

Mundarthymnen mit Coelho-Metaphern

Der wohl stärkste Song auf der EP heisst Bumerang. Ein älterer Typ (so ähnlich wie ihn die Aeronauten in Heinz schildern) läuft vor einen Club, hat «e Hampfle voll mit Glück debii und biz Freud» und gibt ungefragt Lebensweisheiten von sich. «S [Glück] chunnt zrugg, so wie en Bumerang».

Ein Refrain, den man sich gut auf ewigem Repeat im mundartliebenden Sonntagsprogramm von Schweizer Radios vorstellen könnte, so ähnlich wie Züri West. Nur halt aus dem Osten, mit Synthesizern und doch ein gutes Stück lässiger.

Bumerang zeigt auch, was viele Dachs-Texte stark macht. Das Glück «chunnt zrugg», «flüügt nu umenand» und du «mueschs fange» – alles wie ein Bumerang. So sind auch die anderen Metaphern, die Dachs in ihre Texte packen: verständlich, beinah auf alles anwendbar und gefährlich nahe am Kitsch. Die Paolo Coelho-Methode, sozusagen.

Beim Liechtsignal («blibsch no stoh und denn isch rot»), beim König vo de Welt oder auf der lachenden Titanik. «Mir gefällt die usebüzläti Wirklichkeit», sagt Kehl. «Und die Nähe zum Kitsch finde ich aufregend.»

Subtil aufgeregt

Ums Usebüzlä gehts beim Titeltrack aber nicht. Zumindest nicht im Sinn eines brauchbaren Schönheitsideals. Hier büzlät der Schweizer Bünzli vor der eigenen Hütte («Mitem Schüfeli und em Bäseli / Sie säged; c’est la vie») und wirft keinen Blick über die Hecke. Im sauber-luftigen Gewand aus Synths und weicher Stimme wirkt die Kritik eher brav, vielleicht aber auch eher zynisch. «In der EP steckt durchaus eine subtile Aufregung», sagt Kehl.

So wie die Texte den Alltag usebützlen, haben Dachs die Synthesizer und Gitarren gut angezogen, hübsch geschminkt und danach ein Foto mit verwaschenem Instagram-Filter geschossen.

EP-Taufe: 7. Mai, 21 Uhr, Palace St.Gallen. Mit Dachs, Don’t Kill the Beast, Sensu und Gigolo Romantico

Aufgenommen wurde zwar alles in Eigenregie im Dachs-Bandraum in der Reithalle, aber der Hall klingt nach Kloster. Die schwebenden Synths fliessen in die Stimme über, hohe Vocal-Samples tragen durch die Songs. Heraus stechen auf Büzlä die Stereo-Spielereien von Mir Sind Di Lachend Titanik oder der pompöse Refrain von Z’Sangalle Schneits. Und die starken Melodien, die sich Stimme und Synthesizer gegenseitig zuspielen.

Hook um Hook

Die EP strotzt vor Hooklines. Und sie werden in fast allen Songs unermüdlich wiederholt. Dass Dachs das können, haben sie unter anderem auch mit ihrem WM-Song Kei Eidgenosse und mit bereits bewiesen. Kandidaten für Ohrwürmer gibts auch jetzt einige, allen voran Bumerang und Büzlä. Etwas weniger fesselnd sind König vo de Welt und Riisigi Erwartige, die in sich gleichförmiger und weniger charakterstark sind als die restlichen Songs der EP.

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Artwork: Dario Forlin

Büzlä kommt sehr homogen daher. Einerseits verwischt der Lead-Gesang mit zahlreichen Backing-Vocals und den Synthesizern, andererseits harmonieren die Songs gut miteinander. Die Texte leiten hübsch von Metapher zu Metapher, malen die Welt mal gross (König vo de Welt), mal klein (Büzlä), und Kehls charakteristische Stimme bietet Wiedererkennungswert – natürlich auch dank des Dialekts.

Kitsch und Bünzlitum

Was moderne Mundartmusik angeht, passiert in den letzten Jahren doch einiges. Man könnte sich den Menschen anschliessen, die von einem «neuen Bünzlitum der Jugend» sprechen, die das Backen und das Stricken wieder entdeckt (siehe dazu das Interview im Märzheft von Saiten) – und eben auch die Mundartmusik.

 

Man könnte bös sein und Dachs auf das Rezept «Ostschweizer Dialekt meets Electropop» reduzieren (die Band selbst weibelt damit, die ersten zu sein, die dies tun). Doch damit würde man ihnen nicht gerecht. Mundart funktioniert grossartig bei Dachs – die Texte wirken ehrlicher. Und dank der Ehrlichkeit verfällt Büzlä nicht dem Kitsch, sondern ist nur ein wenig usäbüzlät.

Dachs live für alle, die die Taufe verpassen:
27. Mai: Lauterfestival Zürich
28. Mai: Jugendfestival Wattwil
6. Juni: Musig uf de Gass St.Gallen
22. Juni: Katakombe Zürich

Dieser Beitrag erschien im Maiheft von Saiten.

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