Ich fragte kürzlich eine Freundin, welche weiblichen Vorbilder sie als Jugendliche im Sport gehabt habe. Ohne lange zu überlegen, nannte sie Nadia Comăneci. Die rumänische Sportlerin war eine Ikone des Turnsports. Mit ihrer Kür am Stufenbarren an den Olympischen Sommerspielen in Montreal von 1976 stellte die damals 14-Jährige die Sportwelt auf den Kopf. Sie war die erste Turnerin, die vom Kampfgericht mit der perfekten Note 10,0 ausgezeichnet wurde.
Die Kehrseite der Medaille: Die Leistungen der fünffachen Goldmedaillen-Gewinnerin wurden bis zu deren Flucht 1989 in die USA für die kommunistische Propaganda missbraucht. Diktator Nicolae Ceaușescu beherrschte Rumänien mit eiserner Faust. Comăneci wurde von der westlichen Lebensweise abgeschirmt, von der Geheimpolizei Securitate überwacht und von ihren Trainern missbraucht. Die Wirtschaft war am Boden und die Bevölkerung verarmte, da sollte die Turnerin das Volk mit sportlichen Erfolgen beruhigen.
Eigentlich geht es den Sportler:innen bei Olympia heute nicht besser: Sie sollen als Stolz der Nation die Erwartungen des Publikums erfüllen und die Menschen von ihren Problemen ablenken. Wenn die US-Amerikanerin Simone Biles in Paris ihre Übungen turnte, liessen sich nicht nur viele Sportlegenden und Promis blicken, auch tausende Fans schwenkten erwartungsvoll die US-Fahne und hielten sich bei der Hymne die Hand an die Brust.
Wenn die schwarze Sportlerin vollkommene Leistungen zeigte, wurde sie von den Zuschauer:innen vergöttert, wenn sie sich menschlich zeigte und stürzte, wurde hinter ihrem Rücken «gezischt». Die «kleine Schildkröte» ist aber nicht nur sportlich für mich eine GOAT. 2021 bei den Spielen in Tokio zog sie sich von fast allen Wettkämpfen zurück. Der Hauptgrund war Larry Nassar. Der ehemalige Teamarzt, der jetzt im Gefängnis sitzt, missbrauchte Hunderte von jungen Frauen und Mädchen. Auch Simone Biles ist eine Überlebende der sexuellen Übergriffe des Arztes. Die Turnerin kehrte zurück und erklärte ganz offen, dass sie jede Woche zur Therapie gehe.
In Paris hat die 27-Jährige zudem gezeigt, dass auch «Golden Girls» grossartige Sportlerinnen sein können. Sie hat nicht nur vier weitere Medaillen gewonnen, mit einer Social-Media-Aktion hat sie sich weit über den Sport hinaus Respekt verschafft. «I love my black job», postete die 142 Zentimeter kleine Turnkönigin. Damit spielte sie auf das rassistische Konzept des Möchtegern-Diktators Trump an, dass Schwarze in den USA nur Hilfsjobs ausführen könnten.
Der Song zum Text: «Die Südstaaten-Bäume tragen merkwürdige Früchte, Blut auf den Blättern und Blut an den Wurzeln.» Das sind die ersten Zeilen des Songs Strange Fruit, der die afroamerikanische Sängerin Billie Holiday 1939 weltweit bekannt machte und untrennbar mit dem politischen Kampf um Gleichberechtigung verbunden ist.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.