Eigentlich sind es keine Geschichten, die sich leicht und schnell erzählen lassen. Veronika Fischer macht es trotzdem. Ihr Kurz- und Kürzestgeschichtenband Zwischentür und Zeitmangel ist reduziert auf die essenziellen Aspekte, aber ohne die interessanten Details wegzulassen – ein Vergnügen.
Die elf Geschichten, die Veronika Fischer auf 72 Seiten erzählt, sind mit je einem Tipp versehen. «Zu lesen bei Zynismus und Katzenhass» oder «zu lesen bei Eheproblemen und Stilfragen» steht da beispielsweise. Die Tipps sind mit Vorsicht zu geniessen, denn wer bei «zu lesen bei Wirrungen und Weltschmerz» einen aufmunternden Text erwartet, wird enttäuscht. Es sind Geschichten, die die vorausgeschickten Gefühle eher verstärken.
Fischer obduziert die Momente mit einer bildhaften Sprache. Immer aus einer Distanz erzählt, immer nah am Leben (oder am Tod). Die Geschichten starten plötzlich und mittendrin. Anfangs ist oft unklar, wo sie sich abspielen und wer die Figuren sind. Diese heissen oft nur «sie» oder «er». Die Personalpronomen schaffen Anonymität, «sie» oder «er» könnten mein Lover, meine Mutter, mein Nachbar oder ich selbst sein. Er, der sich nach Freiheit sehnt und am liebsten auf fremden Sofas schläft. Sie, die sich online zu verlieben versucht. Er, der auf seine Liebe vor der Haustür wartet. Sie, die zum Einschlafen «Arte»-Dokus schaut. Er, der betrunken aus seinem Leben erzählt.
Veronika Fischer: Zwischentür und Zeitmangel. 8280 edition, Kreuzlingen 2024.
Buchpremiere: 29. September, ab 10 Uhr, Stromeyersdorfstr. 4, Konstanz
fronelle.de
Die erste Geschichte handelt vom Sommer 2015. Eine junge Frau arbeitet mit jesidischen Kindern in einer Flüchtlingsunterkunft. Die Kinder überraschen und fordern die junge Frau immer wieder. Bei einem Besuch im Kino kriegen es die Kinder mit der Angst zu tun, sie erinnern sich an ein Gefangenenlager. Sie müssen sicherstellen, dass sie die Türen des Saals selbstständig öffnen können. Die Lage entspannt sich. Es ist ein tiefer Einblick in Lebensrealitäten, die nicht weiter entfernt von der eigenen sein könnten.
Andere sind näher. Die Geschichte namens Leichte Nächte handelt von unbeschwerten Stunden. Sie richtet sich an die Leser:innen, denn die Hauptfigur ist «Du». Man taucht sofort in eine rauschende Nacht ab, sitzt aber nur eine Seite später wieder in der Realität mit dem Buch vor sich.
Fischer schafft es, in wenigen Zeilen komplexe Momente nachvollziehbar und vollständig zu erzählen. Dazu drückt sie immer wieder aufs Gaspedal, die Geschichten haben ein hohes Tempo. Zwischentür und Zeitmangel ist ein Buch für zwischendurch oder für einen ganzen Sonntagnachmittag. Überraschende Wendungen garantiert.
Musiktheater
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St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
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Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
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Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.