, 21. April 2013
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Do-It-Yourself-Afro-Rock

Zum Ende hin waren alle in Bewegung. Mit mitreissenden und tanzfrohen Rhythmen haben Konono No1 die Erwartungen an afrikanische Musik im Palace erfüllt. Ein Bericht von Lük Popp.

 

Das Palace ist halbvoll. Und diese eine Hälfte ist mit grosser Begeisterung und schwungvollem Tanz bei der Sache. Taucht ein. Nach dem Konzert meint ein Tänzer, er wäre fast in Trance gewesen. Das stimmt auch ganz gut als Beschreibung der Musik. Und der Musiker.

Sie betreten die Bühne, barfuss und in farbigem Hüfttuch, in Lackschuhen und dunklem Anzug. Sie grüssen und legen los.

Entstanden ist die Formation um Mawangu Mingiedi bereits in den 60er Jahren. In den Suburbs von Kinshasa, wo auch die inzwischen weltberühmte Staff Benda Bilili ihren Ursprung hat, findet er Autowracks, aus denen er Instrumente und sogar ein Mikrofon baut. Er schart Musiker um sich und sie legen los. Mawangu Mingiedi spielt Likembé, ein Daumenklavier. Auch dieses ist Marke Eigenbau. Mit Tonabnehmer und Overdrive ist sein Klang täuschend ähnlich einer E-Gitarre.

Sie legen los, die Reise nach Afrika beginnt, und der Schnee auf dem Blumenbergplatz ist bald in weiter Ferne. Die Kälte bleibt draussen. Doch auch die Musiker sind eingetaucht, im St. Galler Winter, in der Kälte. Eingefroren. Sie brauchen Zeit, bis sie sich vom Publikum auftauen lassen. Der Elan, den man sich von afrikanischen Musikern gewohnt ist, fehlt. Doch Mawangu Mingiedi ist ja auch schon um die 70 und hat mit diesem Konzert eine sehr intensive Europa-Tournee beendet.

Dennoch ­– schon mit den ersten Tönen ist man da, in Afrika. Eingetaucht. In einer staubigen Strasse. Auf einem lauten Platz. In erdrückender, schweisstreibender Hitze. Der Lärm der Autos und Motorräder. Pfiffe und Rufe. Tanzende und Singende umgeben uns. Dass die Musik eintönig ist, sich die Muster oft wiederholen und die einfachen Instrumente auch kaum Variation bieten, fällt anscheinend den wenigsten auf. Sie sind alle eingetaucht, tanzen in Trance.

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