, 8. Juli 2016
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Do-it-yourself im Knast

Diesen Samstag heisst es zum sechsten Mal: «Rock im Knast». Als Gegenveranstaltung zum Openair Frauenfeld setzt das Mini-Festival in der Komturei auf regionale Bands. von David Nägeli

Die ehemalige Strafanstalt von aussen (Bild: verein-komturei.ch)

Die Komturei Tobel hat eine lange Geschichte. Bis ins 19. Jahrhundert war sie Teil des Johanniterordens, versorgte Ritter oder ging geistigen Tätigkeiten nach. Danach liess der Kanton Thurgau dort Verbrecher ihre Haftzeit absitzen und die Thurgauer Felder beackern.

Nach der Schliessung der Strafanstalt in den 70ern war die Komturei lange Zeit ein Problemkind des Kantons: Käufer fanden sich keine, diverse Initiativen verliefen im Sand oder wurden vom Volk abgelehnt. Seit nunmehr zehn Jahren kümmert sich eine Stiftung um den spannenden bis gfürchigen Bau in Tobel. Und diese lässt es diesen Sommer wieder krachen – handgemacht, versteht sich.

Das Rock im Knast am 9. Juli ist ein kleines, ungemein feines Festival und bewusst eine Gegenveranstaltung zum gross angelegten Openair Frauenfeld auf der Allmend. Während dort internationale Grössen auf der Bühne stehen, begibt sich das Rock im Knast auf Perlensuche in der Region.

Obacht Obacht ist das Aushängeschild des jungen Frauenfelder DIY-Labels Augeil Records. Lo-Fi-Barde Tobias Rüetschi und Band spielen die Bandmaschinen-Songs live ziemlich brachial – und auch erst zum zweiten Mal. Definitiv ein Highlight der jungen Thurgauer Rockwelt!

Rock im Knast:
9. Juli, Komturei Tobel

komturei.ch
verein-komturei.ch

Archie Slap sind genauso frisch, wenn auch etwas fröhlicher. Statt überzerrten Gitarren gibts hier gerne auch mal akustisch gezupfte und mit souliger Damenstimme veredelte Pop-Songs zu hören. Und damit die jungen Newcomer im alten Knast nicht ganz alleine auf der Bühne stehen, sind mit den Lennox CF auch einige Veteranen mit dabei. Die Ostschweizer Funk- und Blues-Band steht zwar schon seit einigen Jahrzehnten auf der Bühne, doch die älteren Herren sind knackig wie eh und je und bringen ausserdem die Routine von Dutzenden Konzerten auf anderen Kontinenten mit.

 

Für das Rock im Knast wird die Komturei mit all ihren kunstvoll bis religiös gestalteten Ecken und Kanten herausgeputzt und fein gemacht. Mit herzlicher Handarbeit – jeder einzelne Flyer wurde eigens bemalt.

Ein kleiner Spaziergang durch den alten Knast lohnt sich übrigens, nicht nur am Festival, sondern jederzeit, denn allein das Gefühl, das einen beschleicht, wenn man sich in den unrenovierten Zellen auf die Pritsche setzt, ist den Besuch in jedem Fall wert.

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