, 28. Januar 2013
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Drei Frauen für die Freiheit

Drei Tage nach der Eröffnungsfeier enden meine diesjährigen Solothurner Filmtage (in Wahrheit dauern sie noch bis zum 31. Januar), so wie sie begonnen haben: mit drei Frauen. Vielversprechend. «Forbidden Voices» der in Winterthur geborenen Regisseurin Barbara Miller, zeigt drei Frauen, die mit ihrem Namen und ihrem Gesicht aufgestanden sind und einen Kampf der Worte gegen […]

Drei Tage nach der Eröffnungsfeier enden meine diesjährigen Solothurner Filmtage (in Wahrheit dauern sie noch bis zum 31. Januar), so wie sie begonnen haben: mit drei Frauen. Vielversprechend.

«Forbidden Voices» der in Winterthur geborenen Regisseurin Barbara Miller, zeigt drei Frauen, die mit ihrem Namen und ihrem Gesicht aufgestanden sind und einen Kampf der Worte gegen ihre Regime führen. Yoani Sánchez gegen das kubanische, Farnaz Seifi gegen das iranische und Zeng Jinyan gegen das chinesische. Harte Fäuste und Propaganda haben zurückgeschlagen. Doch die Frauen werden keine Ruhe geben.

Yoani Sánchez ist als Bloggerin international bekannt, das ist ihr Glück, das beschützt sie, davon ist sie überzeugt. In ihrem Blog macht sie publik, was nicht der offiziellen Meinung entspricht. Sie setzt sich für die politischen Gefangenen ein, instruiert Leute, wie sie per SMS auch ohne Internet twittern können, motiviert Leute sich einzusetzen. Sie ist eine der wenigen unabhängigen Stimmen innerhalb Kubas, wurde von der Polizei auch schon verhaftet und zusammengeschlagen und ein staatliches Fernsehprogramm klärte die Kubaner auf, wer sie wirklich sei: eine CIA-Agentin, die Geld von Hillary Clinton bekommt, um Lügen zu verbreiten.

Eigentlich wäre geplant gewesen, dass Sánchez am Abend in Solothurn anwesend ist, doch obwohl die Ausreise nun aus Kuba leichter sein müsste, muss Sánchez noch bleiben. Sie hat noch keinen Pass erhalten. In zwei Wochen …

Farnaz Seifi lebt in Deutschland im Exil. Sie träumt davon wieder zurück nach Teheran zu können, aber ihre Hoffnungen sind gering. Die Macht wankt im Iran nicht, wie in anderen Ländern, Ägypten und Tunesien zum Beispiel. Auch sie ist ein Bloggerin und politische Aktivistin, auch sie wurde schon verhaftet und mehrmals mit verbundenen Augen mehrere Stunden lang verhört. Heute hat sie Angst, nicht um sich, sondern um ihre Familie im Iran – und sie hat begonnen ihre Blogs nicht länger unter ihrem Namen zu schreiben, sondern unter einem Pseudonym.

Barbara Miller, die Regisseurin, wird nach dem Film gefragt, ob die eine oder andere Bloggerin Bedenken gehabt hätte, durch den Film so öffentlich zu werden? Barbara Miller verneint dies, sie hat mit drei Frauen gearbeitet, die zum damaligen Zeitpunkt bereits für sich selber entschieden hatten: Wer etwas verändern will, muss dies mit seiner Person, seinem Gesicht machen. Auch Farnaz Seifi steht dahinter. Sie sei überzeugt, dass ihr eingeschlagener Weg, bei dem Film mitzuwirken, die richtige Entscheidung war. 

Zeng Jinyan, eine Bloggerin in China, stand unter jahrelangem Hausarrest und Barbara Miller war es immer verwehrt geblieben, direkt mit Zeng Jinyan in Kontakt zu treten. Der Staatsschutz überwachte sie 24 Stunden, hat sie daran gehindert, ihrem Beruf nachzugehen und hat sie schliesslich ganz unter Hausarrest gestellt, während ihr Mann verhaftet wurde und drei Jahre lang in Haft sass. Heute lebt Zeng Jinyan mit ihrer Tochter in Hongkong und es ist vor zwei Wochen erst gelungen, ihr den Film zukommen zu lassen.

Der Film selber reist seit April 2012 von Festival zu Festival. Barbara Miller will auch versuchen, ihn in Kuba zu zeigen, aber sie lacht. Das wird wohl kaum bewilligt werden.

Das Publikum will wissen, was gemacht wird, um den Film möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen? Gerade in den Heimatländern der Bloggerinnen wäre es doch Pflicht …

Barbara Miller findet eigentlich auch, der Film sollte auf dem Schwarzmarkt verbreitet werden. Sie kennt auch Leute, die wüssten, in welche Kanäle es einzuspeisen wäre. Aber das ist erst im Laufe des Jahres geplant – jetzt laufe er noch an den Festivals.

Geldüberlegungen blockieren hier die Idee der Bloggerinnen. Dass der Film noch ein weiteres Jahr zurückgehalten werden wird, macht es gerade in diesem Fall absurd. Die drei Frauen kämpfen für eine freie Welt, leben für ihren Idealismus und bezahlen mit ihrem Mut und der Film, der eigentlich an ihrer Seite steht, muss sich bezahlt machen.

«Forbidden Voices» ist für den Prix de Soleure nominiert.

In unseren aufrührerischen Zeiten, wo sich der Umbruch ankündigt und wir erwartungsvoll gen Süden schauen: die drei Frauen hätten den Preis verdient. Sehr. Meine Stimme bekommen sie. Rosie und Frau Fröhlich wären bestimmt auch dafür.

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