Sam Roth alias Wesno hat seine EP Gummiboot bereits im Februar in der Tankstell St.Gallen getauft – mit einem rauschenden Fest. Der Wattwiler ist der Kapitän, seine Matrosen heissen Till Ostendarp (Pirmin Baumgartner Orchester) und Basil Kehl (Dachs). Sie sind für die Beats zuständig. Wobei: Sie als blosse Matrosen abzutun, wird ihnen nicht ganz gerecht, denn die Beats auf Gummiboot sind mindestens so wichtig wie Wesnos Raps.
Sonst beschwere ich mich ja gerne darüber, dass viele Beats zu 90er-lastig sind, siehe zum Beispiel Seite 51 im Maiheft von Saiten. Im Fall von Kehl und Ostendarp trifft das erfreulicherweise nicht zu: Sie sind schwammig, wuchtig und trocken zugleich, mal driftig und spährisch, dann wieder knallhart trappig – eine wunderbar zeitgenössische Angelegenheit. Im Track Mikrowelle zum Beispiel orgelt der Beat gemächlich vor sich hin, rhythmisch leicht verzögert, und wird dann elektronisch und breit in der Hook. Wesnos Line dazu: «Fastfood isch im Trend, doch i ha immer no kai Mikrowelle.»
6. Mai: Krempel Buchs, mit Errektion Guccitäschli 12. Mai, Bar59 Luzern, mit Pharoahe Monch 18. Mai: Salzhaus Winterthur, mit Baze 20. Mai Werkk Baden, mit Baze
Inhaltlich ist Wesnos Gummiboot vielleicht etwas unentschlossen, was aber ganz erfrischend ist. Explizit politisch rappt er kaum, dafür hört man eine ordentliche Portion Konsum- und Leistungskritik. Oder Sätze wie diesen: «Scheiss uf die Verantwortig, denn d’Sinnfluet chunnt jo sowieso. Wer tuscht scho freiwillig sis Luftschloss gäg es Gummiboot.» Und wie erwartet, wird im namensgebenden Track der EP das Knallrote Gummiboot gesampelt, fast schon sakral runtergepitcht, an einen Männerchor erinnernd.
Ein hörenswertes Mini-Album, das live noch viel besser weil vehementer ist, wie die Taufe gezeigt hat. Wer sie verpasst hat, hat diesen Monat noch diverse Chancen, mit ins Gummiboot zu Wesno und seinen Matrosen zu steigen.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.