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Dunants Geist soll lebendig bleiben

17 Museen von Appenzell bis Wolfhalden: Ausserrhoden hat eine der höchsten Museumsdichten. Und weit mehr als Brauchtum zu bieten - beispielhaft dafür ist das Dunant-Museum Heiden. Ein Besuch im «Dunant Plaza», der beweglichen Zwischennutzung am Dorfplatz.
Von  Peter Surber

Zusammen mit Nadine Schneider ist Kaba Rössler vor eineinhalb Jahren aus dem Aargau nach Heiden gekommen und ist überzeugt: «Museen müssen sich anbinden an die Gegenwart und Zukunft.» Das gelinge dann, wenn die Besucherinnen und Besucher emotional berührt werden mit Themen, die sie und die Welt beschäftigen. Im «Dunant Plaza» genannten Parterre des einstigen Hotels «Krone» in Heiden schildert Rössler ihre Vision des künftigen Dunant-Museums.

Frieden, Fussball, Weissrussland…

Die Themen lägen im Fall von Henry Dunant auf der Hand: die humanitären Werte, die der Rotkreuzgründer vorgelebt hat und die je länger je mehr unter Beschuss gerieten. «Hand zu bieten denen, die in Not sind: Was bedeutet das heute?», fragt Kaba Rössler. Antworten könne ein Museum nicht einfach liefern, denn: «Erzählen, wie die Welt ist, diese Zeiten sind vorbei.» Vielmehr müsse das Museum Diskussionsräume aufstossen – aktuell im «Dunant Plaza», zentral am Dorfplatz gelegen.

Die Veranda des «Dunant Plaza», ehemals Hotel «Krone». (Bild: Dunant-Museum)

Im Dunant Museum stellt sich diesen Sonntag Swissint vor, die Abteilung für militärische Friedenssicherung der Armee.

In der Veranda des Dunant Plaza zeigt die Künstlerin Johanna Kotlaris bis 13. Juni ihre Arbeit «Let me get concrete». Am 6. Juni ist sie mit einer Live-Performance zu sehen.

Swissint: Dunant Museum, 6. Juni 11-17 Uhr

Performance: Dunant Plaza, 6. Juni, 15.15 Uhr

dunant-museum.ch

Dort bespielen Künstler:innen im Wechsel die lange Glasfront des Wintergartens und ab Juni auch den ehemaligen Salon. «Let me get concrete» heisst die aktuelle Wortarbeit von Johanna Kotlaris. Mit «Fair Play», der daran schliessenden Intervention, wird Philip Ullrich die Olympischen Spiele thematisieren und die Regeln des respektvollen Umgangs miteinander.

Die Hand reichen: Das passierte letzten Winter ganz konkret mit einer Anfrage eines Fotografen aus Belarus an Nadine Schneider. Er wies auf die schwierige Menschenrechtslage in Weissrussland hin und auf die Repressionen gegen seine Berufsleute. Es gelang, eine Ausstellung in Heiden mit Aufnahmen ausschliesslich von Fotografinnen zu realisieren, deren Arbeiten im eigenen Land nicht gezeigt werden konnten.

Das Publikumsinteresse war gross, das Signal für die Betroffenen stark, und für Schneider und Rössler passte diese Aktion sehr gut hierher: «Es gibt eine Tradition der Weltoffenheit und des humanitären Engagements in Ausserrhoden. Die Menschen auf dem Land hatten und haben diese Offenheit, weil sie sie haben mussten. Hier muss man auf die Welt zugehen, weil die Welt nicht einfach da ist.»

Geplant: Das Museum 24/7

Das Dunant-Museum im ehemaligen Spital schliesst Ende Juni für eine Renovation, das «Dunant Plaza» übernimmt mit Diskussionen, Ausstellungen und digitalen Angeboten. Die Themen, zusammen mit Co-Kuratorin Lea Schaffner entwickelt, sprudeln nur so: Kolonialismus, Demokratie und ihre Gefährdung, Konfliktbewältigung, Kinderrechte. «Themen zu setzen, wie dies ein Museum kann, ist eine Machtposition. Wir wollen dies öffnen und Themen auch von aussen ins Museum hereinholen.» Partizipation und Demokratisierung sind Stichworte, die für das Museum der Zukunft prägend seien.

Kaba Rössler in dem zwischengenutzten Wintergarten des ehemaligen Hotels «Krone» in Heiden. (Bild: Ueli Steingruber)

So wird es nach dem Umbau im Museum einen Schauraum geben, der 24 Stunden am Tag zugänglich ist. Mit Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr erreiche man heute nur eine ausgewählte Kundschaft – das Museum wolle aber ein 24/7-Angebot machen. Das sei zwar auch digital möglich und geplant, interaktiv und mehrsprachig, um auch ein internationales und junges Publikum erreichen zu können. Aber ohne physische Präsenz gehe es nicht, ist Kaba Rössler überzeugt: Analog und digital müssen Hand in Hand gehen.

Es braucht ein Raumerlebnis, die Präsenz von Objekten, die persönliche Ansprache. Und es baut auf die Qualität, die für Rössler das Museum aus der vielfältigen Konkurrenz anderer Freizeitangebote heraushebt: «Es ist ein konsumfreier Ort der Entschleunigung.»

Im weiten Feld zwischen lokal und global sind für die Dunant-Leiterinnen Kollaborationen unverzichtbar. Eine davon geschieht bereits jetzt mit dem IKRK-Museum in Genf, das weniger die Person Dunant als die Geschichte des Roten Kreuzes ins Zentrum stellt. Eine andere ist aufgegleist mit dem Pestalozzidorf Trogen, das auf seine Art ebenfalls vom humanitären Erbe des Appenzellerlands handelt – und von dessen Zukunft.

museum-dunant.ch

Aktualisierte Fassung des Beitrags aus dem Juniheft von Saiten.

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