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Eidgenosse Meienberg

Reden über Meienberg: Das taten im Rahmen der St.Galler Ausstellung nach Ruth Dreifuss oder Peter Bichsel jetzt Roger de Weck und Paul Rechsteiner. Es ging um Meienbergs Schweiz.

Von  Peter Surber

«Er war ein Eidgenosse in jeder Hinsicht, auch in politischer.» Den markigen Satz sprach Roger de Weck am Dienstagabend in St.Gallen, gemeint war Niklaus Meienberg. Ein erstaunlicher Satz aus dem Mund des SRG-Generaldirektors und Sprösslings jener Freiburger Oberschicht, deren Gegenpart, dem Freiburger Underdog Jo Siffert, Meienberg in den Siebzigerjahren einen seiner besten Texte gewidmet hatte.

Aber davon war an dem Abend keine Rede beziehungsweise nur allgemein: In der vierten Diskussionsrunde im Rahmen der Meienberg-Ausstellung ging es um das Schweizbild des Autors. Und um Meienbergs Verdienste, die de Weck ebenso  in den höchsten Tönen lobte wie Paul Rechsteiner: Sein Ernst S., sein Wille-Buch, seine Reportagen hätten eine Schweiz aufgerüttelt, die verstockt, vom Kalten Krieg paralysiert und von einer schmalen FDP-Vorort-Armee-Oligarchie beherrscht war. Eine Elite, welche schon die kleinste Infragestellung gleich als Landesverrat empfand.

In diese Betonschweiz hinein schrieb Meienberg seine Texte, die Rechsteiner  als «Geschichtsschreibung von unten» charakterisierte. Meienbergs Einsatz für die Würde der sogenannt «kleinen» und gegen das Herrschaftssystem der «grossen» Leute verteidigte der St.Galler Ständerat und Gewerkschaftspräsident auf dem Podium mit Nachdruck als linke Position – während de Weck den bilinguen Horizont Meienbergs hervorhob, seine Zuneigung zum französischen wie zum schweizerdeutschen Kulturraum.  De Weck knüpfte daran die These, es gebe wenige Länder, die so kosmopolitisch seien wie die Schweiz. Aber auch: In kaum einem Land brauche es so wenig, bis man als Linker gelte.

Da hätte die Debatte losgehen können. Mit Fragen: Kann Meienbergs weltoffene und zugleich lokal verwurzelte Schweiz-Position heute fruchtbar gemacht werden – für eine Schweiz der offenen Grenzen und der Solidarität? Oder ist die schmerzensreiche Reibung am eigenen Land, wie sie ihn umtrieb, so passé wie alles Denken in nationalen Kategorien?  Oder auch: Wer schaut heute einer Schweiz, die zwischen Inside Paradeplatz und Outlet Heidiland ausfranst, so genau auf die Finger wie einst Meienberg?

Bleibt eine weitere Frage: Wie müsste eine Meienberg-Debatte angelegt sein, damit sie auch für U40 attraktiv und informativ wäre? Im übervollen Kulturraum des Kantons war die jüngere Generation ziemlich abwesend. Und das von Stefan Keller geleitete Podium gab darauf auch keine Antwort.

Finissage «C’est la lutte finale» mit Peter Weber und Dorothee Elmiger: 29. September 16 Uhr, Kulturraum am Klosterplatz

 

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Andreas Niedermann,  

"Wer schaut heute einer Schweiz, die zwischen Inside Paradeplatz und Outlet Heidiland ausfranst, so genau auf die Finger wie einst Meienberg?"

Vielleicht ist es nicht mehr so notwendig?
Vielleicht hat die Linke in den vergangenen 20-25 Jahren so viel erreicht und verändert, und nimmt es gar nicht wahr?
Vielleicht hat ein Paradigmawechsel stattgefunden: Die Linken sind nun die Konservativen, die Bewahrer des Status quo?
Vielleicht schaut heute die die ganze Welt den Schweizern "auf die Finger"?
Vielleicht...

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