Ein aussergewöhnliches Gespür für künstlerische Qualität
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Dr. Ursula Krinzinger auf Belts Couch 014 von Monica Bonvicini (Bild: pd/Irina Gavrich)
Vor 55 Jahren hat Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz eröffnet. Schon in ihren ersten Ausstellungen hat sie Künstler:innen präsentiert, die später sehr erfolgreich geworden sind, wie etwa Gottfried Bechtold, Bruno Gironcoli, Maria Lassnig, Arnulf Rainer oder auch Günter Brus. «Sie ist eine der prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Galerien-Szene. Und ihre Haltung, ihre Konsequenz und ihren nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst, das wollen wir würdigen», sagt die Leiterin des Kulturservice Bregenz Judith Reichart, die die Sommerausstellung gemeinsam mit Gerald Matt kuratiert hat.
Letztes Jahr im April habe Reichart das erste Mal Kontakt mit der Galeristin aufgenommen und Krinzinger habe das Konzept nicht nur «überraschend interessant» gefunden, sondern sei auch in das Kuratorium sehr involviert. «Wir haben die Arbeiten zu dritt gemeinsam vor Ort ausgesucht. Ursula Krinzinger war da äusserst präzise und sorgfältig, was nicht überrascht, schliesslich spiegelt die Ausstellung ihr Lebenswerk wider», sagt Reichart, und darum heisse die Ausstellung auch «Die Galeristin Ursula Krinzinger und Bregenz» und verweise auf jene Stadt, in der ihr Wirken als Galeristin begann. Auch heute noch ist Krinzinger als über 80-Jährige auf allen Messen persönlich dabei und führt die Galerie nun gemeinsam mit ihrem Sohn Thomas.
Ausgangspunkt der Sommerausstellung sind Krinzingers Anfänge als Galeristin, ihre programmatische Haltung und das erste Jahr der Galerie in der Deuringstrasse 7 in Bregenz. Mit Bechtolds Crash-Porsche im Rondell vor dem Palais wird etwa daran erinnert, wie die Galeristin damals den ersten Betonporsche des Konzeptkünstlers ausstellte. Im Obergeschoss des Hauses lassen Plakate und Archivmaterial die Festspielausstellungen im Benger Areal Revue passieren. Und auch Ursula Krinzinger und ihre beruflichen Wegbegleiter kommen in filmischen Porträts und in einem Podcast zu Wort.
Zwar liegt ein thematischer Schwerpunkt auf der Lebensgeschichte von Ursula Krinzinger und auf ihrer Ausstellungstätigkeit in Bregenz, aber vor allem stehen die von ihr vertretenen Künstler:innen im Fokus, denn gerade diese Positionen zeigen einen biografischen Abriss der Galeristin: «Wann welche Ausstellungen realisiert wurden und welche Künstler:innen sie über Jahrzehnte hinweg begleitet und gefördert hat – das ist untrennbar mit ihrer eigenen Biografie verbunden», erklärt Reichart. Daher werden im Palais Thurn und Taxis jene Künstler:innen präsentiert, die Krinzinger zu grossen Namen gemacht hat und die immer noch in ihrem Galerienprogramm vertreten sind – wie etwa Marina Abramović, Monica Bonvicini, Siegfried Anzinger, Bruno Gironcoli, Brigitte Kowanz, Chris Burden, Valie Export, Urs Lüthi, Jonathan Meese, Oswald Oberhuber, Gina Pane, Rudolf Schwarzkogler, Toni Schmale und Erwin Wurm.
Aus der Bregenzer Kunstsammlung werden ausserdem Werke von Hermann Nitsch, Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Paul Renner und Max Weiler zu sehen sein. «Die Auswahl der Werke bezieht sich auch auf ihre Anfänge in Bregenz», beschreibt Reichart den thematischen Zusammenhang. Mit der Kuration der Ausstellung sollen die einzelnen Künstlerpositionen zudem in einen Dialog gebracht werden.
Nicht überall sei die Galeristin mit ihren sehr zeitgenössischen Positionen gut angekommen. Aber «sie hat enorm viel Mut bewiesen und sich von Gegenreaktionen nicht beeinflussen oder behindern lassen», so Reichart. «Sie hat da sehr gekämpft und war immer davon überzeugt, dass die Künstler:innen und deren Werke, die sie vertreten hat, von besonderer Relevanz sind. Sie hat auch einen gesellschaftspolitischen Anspruch in vielen dieser Arbeiten gesehen.» Akribisch wählte Krinzinger ihre Positionen aus und habe «über Jahrzehnte ein aussergewöhnliches Gespür für künstlerische Qualität bewiesen», sagt Reichart über den hohen Anspruch an die Kunst, den Krinzinger auch mit grossem Respekt gegenüber den Künstler:innen verbinde.
«Wer von ihr vertreten wird, gewinnt nicht selten an internationaler Aufmerksamkeit und Anerkennung.» Die Galeristin habe zu jeder Zeit immer «den richtigen Riecher» gehabt – auch für den Aktionismus. So war sie eine der ersten Galerist:innen, die das Potenzial und die künstlerische Bedeutung über den Skandal hinaus erkannte und sich ganz intensiv mit den Künstler:innen auseinandersetzte. «Natürlich hat sie die Galerie und Österreich dadurch auch international nach aussen getragen.»
Ursula Krinzinger wurde 1940 in Bregenz geboren, machte in Innsbruck ihr Diplom als Dolmetscherin für Englisch und Französisch, danach studierte sie Archäologie und Kunstgeschichte und eröffnete 1971 ihre erste Galerie in Bregenz. 1972 übersiedelte sie nach Innsbruck, eröffnete dort ihre Galerie, die sie bis 1993 bespielte. 1986 zog sie weiter nach Wien in die Seilerstätte 16, wo sie sich auch international etablieren konnte.
Seit 2002 fördert Krinzinger junge Künstler:innen in Artist-in-Residence-Programmen und betreibt neben der Wiener Galerie dazu vier weitere Standorte. Seit der Gründung im Jahr 1971 hat Krinzinger über 500 Ausstellungen mit nationalen und internationalen Künstler:innen organisiert. Die jüngsten Neuzugänge im Galerieprogramm (Kader Attia, Waqas Khan, Maha Malluh, Sudarshan Shetty, Zhang Ding) stammen aus Krinzingers Recherchen und Netzwerkarbeit in Asien und dem Nahen Osten.
(Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe Juli/August 2026 der Zeitschrift für Kultur und Gesellschaft.)
Sommerausstellung der Landeshauptstadt Bregenz – «Die Galeristin Ursula Krinzinger und Bregenz»: bis Sonntag, 30. August, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz.
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