, 31. Juli 2013
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Ein erster Erfolg für Mehmet Ergezen

Der Asylbewerber Mehmet Ergezen hat seinen Hungerstreik beendet, nachdem die Gemeinde St.Margrethen seine Probleme ernst genommen hat.

Am vergangenen Sonntag hat Mehmet Ergezen nach 20 Tagen seinen Hungerstreik beendet. «Der Hungerstreik hat sich gelohnt, weil ich Aufmerksamkeit für meine Probleme erhielt und mit Respekt behandelt wurde», sagt Ergezen. Er war in den Hungerstreik getreten, weil er zusammen mit fünf anderen Männern in einem Raum leben müsse, obwohl er unter psychischen Problemen leide. Ergezen ist der Gemeinde St.Margrethen zugeteilt, die ihre Asylunterkunft von der privaten Betreuungsfirma ABS verwalten lässt (vgl. den Artikel vom 23. Juli 2013).

Plötzlich gings schnell

Ein amtsärztliches Zeugnis hat dem 29-Jährigen bescheinigt, dass er wegen ernster Gefährdung seines Gesundheitszustandes in einem Einzelzimmer wohnen soll. Die Gemeinde St.Margrethen gab darauf den Fall zur Beurteilung an die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Rheintal weiter, die am Dienstag der Empfehlung des Amtsarztes nachkam: Ergezen erhält ein Einzelzimmer in einem anderen Haus in St.Margrethen, verwaltet wird es wiederum von der ABS. «In einem nächsten Schritt werden die psychischen Probleme des Asylsuchenden in einem fachärztlichen Abklärungsverfahren untersucht», sagt Reto Friedauer, Gemeindepräsident von St.Margrethen. «Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, werden wir definitiv über eine Lösung entscheiden.»

Gemäss einem weiteren Arztzeugnis, dass sich Ergezen auf eigene Intiative beschafft hat, leidet er unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom. Ergezen war in der Türkei sechs Jahre inhaftiert und wurde im Gefängnis gefoltert. Im Zeugnis heisst es, dass er das Trauma wiederholt als Flashback erlebe. Er brauche eine Wohnmöglichkeit, «wo er sich nicht im Gefängnis fühlt.»

Freude bei Unterstützern

Ergezen freut sich sehr, dass er vorerst eine eigene Unterkunft erhält, merkt aber auch an, dass er noch einen weiten Weg vor sich hat: Neben der medizinischen Untersuchung läuft auch sein Asylverfahren weiter. Er bedankt sich bei seinen UnterstützerInnen: «Ihr Engagement war hundertprozentig nötig.»

SP-Kantonsrat Etrit Hasler, der sich für Ergezen eingesetzt hat, zeigt sich fürs erste zufrieden: «Zwar liegt kein grundsätzlicher Entscheid vor, wie traumatisierte Asylsuchende untergebracht werden sollen. Die Gemeinde St.Margrethen hat im Einzelfall aber unkompliziert und speditiv ihren Ermessenspielraum genutzt.» Für Hasler ist klar: Eine Unterbringung in Kollektivunterkünften ist für traumatisierte Menschen längerfristig nicht zumutbar.

Giuliano Pasqualini hat mit weiteren jungen Aktivistinnen und Aktivisten auf den Hungerstreik von Ergezen öffentlich aufmerksam gemacht. Er freut sich über den Erfolg, doch der Widerstand gegen die herrschende Asylpolitik müsse grundsätzlich weitergehen: «Es ist eine Schweinerei, dass jemand erst Gehör findet, wenn er in den Hungerstreik tritt.»

Auf dem Foto: SP-Kantonsrat Etrit Hasler, Mehmet Ergezen, Unterstützer Giuliano Pasqualini und Eren Baglar.

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