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Ein herber Verlust

Die Ostschweiz verliert ihre unabhängige Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht. Der Verein hat sich Mitte Juni aufgelöst. Die Fussstapfen, die Hannelore Fuchs (1936–2020) hinterliess, waren schlicht zu gross.
Von  Roman Hertler , 
Bild: Saitengrafik

Hannelore Fuchs sei das Herz, die Seele und der Motor der Beobachtungsstelle gewesen. So beschrieb sie Vorstandskollegin Silvia Maag an der Trauerfeier im März vor einem Jahr.

Lange war unklar, ob und wie es mit der Stelle weitergeht. Ersatz für die enormen Freiwilligendienste und das juristische Knowhow zu finden, das mit Hannelore Fuchs verloren ging, erwies sich als Ding der Unmöglichkeit. Vor allem darum wurde die Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht Ostschweiz an der Hauptversammlung vom 17. Juni im Solidaritätshaus St.Gallen aufgelöst.

Ana Paredes hatte sich im Vorfeld bereit erklärt, die Geschäftsführung des Vereins auch ohne Lohn noch weiterzuführen und die wichtigsten administrativen Arbeiten bis zur Vereinsauflösung zu erledigen. Dazu gehörte unter anderem die Publikation des Buchs Mutter, mach dir keine Sorgen, das ist eine ganz andere Welt, das noch von Hannelore Fuchs projektiert und auch den Herausgeberinnen Ana Paredes und Barbara Weibel zur Herzensangelegenheit wurde. Im Sammelband erzählen elf unbegleitete minderjährige Asylsuchende in Textportraits von ihrer Flucht und vom Leben in der Schweiz (mehr dazu im Aprilheft und im letzten Jahresbericht der Beobachtungsstelle). Das äusserst gelungene Projekt markiert nun traurigerweise auch den Schlusspunkt der Beobachtungsstelle.

Fundraising wurde immer schwieriger

«Niemand wollte den Verein auflösen», sagt Ana Paredes, die die Geschäftsführung 2017 übernommen hat und seit 2020 auch das Solihaus leitet. Man habe intensiv nach Nachfolgelösungen gesucht, aber eine juristische Fachperson zu finden, die gratis so viele asylrechtliche Einzelfälle betreut und dokumentiert und parallel dazu noch politische Arbeit leistet, sei nicht geglückt.

Zudem hatte sich die finanzielle Situation des Vereins aufgrund zurückgehender Spenden verschlechtert. Einen ersten herben Verlust musste die Beobachtungsstelle bereits 2018 mit dem Tod des St.Galler Pfarrers Josef Wirth hinnehmen. Wirth war dank seines humanitären Engagements und seinem breiten Netzwerk der perfekte Fundraiser für die Beobachtungsstelle. Jetzt schliesst die letzte Rechnung in der Vereinsgeschichte mit einer schwarzen Null.

Die Beobachtungsstelle ist 2004 aus einem Runden Tisch der CaBi-Anlaufstelle gegen Rassismus hervorgegangen und hat 2008 den Betrieb aufgenommen. Ziel war, auch unter dem Eindruck einer verschärften schweizerischen Asyl- und Ausländergesetzgebung ab 2006, die Einzelfall-Dokumentation der zunehmend harten Asylpraxis und -politik im Kanton St.Gallen. Die Landeskirchen sowie die Schweizerische Beobachtungsstelle in Bern hatten das Büro in St.Gallen finanziell unterstützt.

Die Schweiz mauert weiter

«Wenn Menschenrechte und Menschenwürde in einer Gesellschaft antastbar geworden sind, sind dem Einfallsreichtum der Parteien für Verschärfungen keine Grenzen mehr gesetzt», schrieb Hannelore Fuchs 2009 im Jahresbericht. Zwölf Jahre später muss man sagen, sie hatte recht: Ausschaffungsinitiative, Minarettinitiative, Ecopopinitiative, Masseneinwanderungsinitiative, Durchsetzungsinitiative, Burkainitiative. Was kommt als Nächstes?

Die Schweiz mauert fleissig weiter. Umso wichtiger wäre, dass nicht nur aus Genf und Bern, sondern auch aus St.Gallen heraus genau hingeschaut wird. Und umso bedauerlicher natürlich, dass die Ostschweizer Beobachtungsstelle diese wichtige Arbeit nicht mehr verrichten kann. Offenbar gab es Gespräche und deutet einiges darauf hin, dass zumindest die politische Arbeit zum Teil vom Solidaritätsnetzwerk übernommen werden könnte.

Wer sich aber der in den hiesigen Asylzentren Gestrandeten in jener verdienstvollen Weise direkt annimmt, wie es Hannelore Fuchs getan hat, bleibt vorerst eine offene Frage.

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

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Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

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VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

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Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

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Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

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2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

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Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

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Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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