, 4. Januar 2013
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Ein Jahr ohne Hummler

Zuerst redete er viel und auf allen Kanälen. Dann schwieg er zu allem: Zu den Vorwürfen aus den USA, zu seiner Rolle, zum Verkauf der Bank an Raiffeisen. Nur noch Schweigen zwölf Monate lang. Natürlich aus prozesstaktischen Gründen. Am 3. Januar 2012 hatte die Staatsanwaltschaft des South District von New York drei Wegelin-Mitarbeiter angeklagt. Am […]

Zuerst redete er viel und auf allen Kanälen. Dann schwieg er zu allem: Zu den Vorwürfen aus den USA, zu seiner Rolle, zum Verkauf der Bank an Raiffeisen. Nur noch Schweigen zwölf Monate lang. Natürlich aus prozesstaktischen Gründen.

Am 3. Januar 2012 hatte die Staatsanwaltschaft des South District von New York drei Wegelin-Mitarbeiter angeklagt. Am 27. Januar 2012 war die Privatbank bereits Geschichte. Raiffeisen bezahlte für Notenstein je nach Quelle zwischen 360 oder 550 Mio. Franken. Zum Gewinn der beiden Teilhaber Konrad Hummler und Otto Bruderer kursieren diverseste Zahlen. Hier ein paar davon: Hummler und Bruderer sackten je rund 70 Mio. Franken ein. Weitere 40 Mio. Franken wurden in Form von Rückstellungen für allfällige Strafzahlungen reserviert.

Danach sass Hummler in seiner Wegelin-Villa an der Museumsstrasse 1 oder in seinem Haus in Teufen, wartet auf sein Comeback, sagte nichts mehr und machte – was?

Einen Gerichtstermin in New York liess er verstreichen. Gegen die Zustellung einer Vorladung klagte Hummler bis vor Bundesgericht – und verlor.

In der Kirche von Teufen liess er sich zu einem «Gespräch an der Kanzel» einladen. Thema? Werte.

Er war Ehrengast der Zunft zum Kämbel am Zürcher Sechseläuten.

Hummler verlor seinen Posten als NZZ-Verwaltungsratspräsident, blieb aber im Verwaltungsrat (zusammen mit Karin Keller-Sutter). Er sitzt auch weiterhin im Verwaltungsrat der Bühler AG.

Hummler setzte beim Finanzblog «Inside Paradeplatz» eine Gegendarstellung durch. Dort war behauptet worden, er habe einen Teil der Kaufsumme seinen Mitarbeiter verschwiegen und das Geld «still und heimlich in den Sack gestopft». Alles «unwahr», schrieb Hummler.

So oder anders verstrichen zwölf Monate. Als dann wieder geredet wurde, redete ein anderer. Es war Otto Bruderer, der vor dem Gericht in New York ein Schuldeingeständnis ablegte und damit den Ablass besiegelte, der 74 Mio. Dollar kostet. Damit ist der Fall für die USA strafrechtlich erledigt. Dem Vernehmen nach soll es auch Bruderer – und nicht Hummler – gewesen sein, der Ende 2012 mit Raiffeisen-Vincenz über den Verkauf verhandelte.

Was macht jetzt Konrad Hummler? Nimmt er wieder das Megaphon hervor? Folgen jetzt die Interviews in der Sonntagspresse, in denen er dem Bundesrat, der Finma die Schuld am Ende der Bank gibt?

Vielleicht besser nicht.

Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien gilt der Deal nur für Bruderer und Hummler. Nicht aber für die drei angeklagten Wegelin-Angestellten. Vielleicht fehlten ihnen die Millionen für einen Ablass?

Eine der letzten Meldungen zu Wegelin stammt wiederum von «Inside Paradeplatz». Ein Mitarbeiter der früheren Wegelin-Filiale in Lugano ist verhaftet worden. Ihm wird Betrug und Veruntreuung vorgeworfen. Offenbar geht es um Währungsspekulationen, Monate vor dem Ende der Privatbank.

Vielleicht liegt noch mehr unter dem Teppich?

Würde das jemanden überraschen?

 

 

 

 

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