Eine Leiter, ein millimetergenau präpariertes Schild und ein paar Klebstreifen: Mehr braucht es nicht, um aus einer Platzbeschriftung ein Protestschild zu machen. Hans Fässler nutzt für seine Aktion den ersten Tag nach Ferienschluss – es ist nebenbei auch sein erster schulfreier Montag, nach seiner Pensionierung als Englischlehrer an der Kanti Trogen.
Den Anstoss gaben für den Sklavereiforscher, Politiker und Kabarettisten Fässler die sich jagenden Skandalmeldungen um die mutmasslichen Betrügereien und Selbstbereicherungen der Führungsriege der Raiffeisenbank, allen voran Ex-Direktor Pierin Vincenz. Seine Aktion sei der «Ausdruck von Enttäuschung und Wut» eines einfachen Raiffeisenkunden, sagt Fässler.
Dabei habe er früher grosse Stücke auf die Bank gehalten. Fässlers Bankkunden-Karriere im Zeitraffer: «Von meinen Eltern her bei der damaligen Bankgesellschaft (heute UBS), wechselte ich Mitte der Achtzigerjahre im Rahmen der Kampagne der Anti-Apartheid-Bewegung gegen die Politik der Schweizer Grossbanken zur St.Gallischen Kantonalbank. Als auch diese nicht auf den Verkauf von Krügerrandmünzen verzichten wollte, ging ich weiter zur Raiffeisenbank.»
«Im Finanzcasino angekommen»
Für Raiffeisen habe ihn zum einen die genossenschaftliche Struktur und die Herkunft nicht aus dem Finanzkapital, sondern aus der Armutsbekämpfung in der Landwirtschaft eingenommen, ausserdem das fehlende Auslandsengagement. Zum andern schien ihm Pierin Vincenz mit seinen «mutigen» Äusserungen zum Bankgeheimnis und seiner Unterstützung des Informationsaustausches als sympathischer «Anti-Banker». Dann kamen die Enthüllungen, Vincenz’ Verhaftung, die Strafverfahren, die Irritation über den «feudalen Lebensstil» des Chefs und jüngst die Informationen über seine offenbar schamlosen Spesenbezüge.
Auch wenn weiterhin die Unschuldsvermutung gelte: Mit der Illusion, Raiffeisen funktioniere anders als die «bösen Grossbanken», sei es vorbei. «Raiffeisen war im kapitalistischen (und globalen) Finanzcasino angekommen.» Zurück blieben bei Fässler Wut und Enttäuschung – und die Lust, zur Aktion zu schreiten. Und so steht jetzt, weiss auf blau, auf dem St.Galler Raiffeisenplatz: «Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, was man aus seiner Bank gemacht hat.»
Trotz der Machenschaften der Bosse sei die Genossenschaftsidee grundsätzlich aber nicht passé, ist Fässler «als Linker und Sozialist» überzeugt und hofft weiterhin auf die Überwindung des Kapitalismus.
«Kein Selbstzweck»
Mit Namens-Politik hat Fässler Erfahrung. Am bekanntesten geworden ist sein Kampf um eine Umbenennung des Agassizhorns im Berner Oberland in Renty-Horn – aus Protest gegen die rassistischen Ansichten des Gletscherforschers Agassiz. Erfolgreicher war der Protest gegen die Krügerstrasse im St.Galler Vonwilquartier, dessen treibende Kraft Fässler war. Statt den südafrikanischen Apartheid-Politiker Krüger ehrt die Strasse seit 2009 den Dichter Friedrich Dürrenmatt. Als Gründungsmitglied des Vereins «Gerechtigkeit für Paul Grüninger» half er in den 1990er-Jahren zudem bei der Rehabilitierung des St. Galler Flüchtlingsretters mit, die in der Namensgebung für das Paul-Grüninger-Stadion des SC Brühl gipfelte.
«Ein Fussballstadion zu benennen (Grüningerstadion), eine Schule zu benennen (Ecole Primaire Dulcie September), eine Stadt (Stalingrad, Pretoria) oder eine Strasse (Krügerstrasse) umzubenennen oder einen Berg (Agassizhorn), das alles kann und darf nie Selbstzweck sein. Es muss und wird vielmehr immer Teil der Erinnerungspolitik sein, d.h. der Auseinandersetzung um die Interpretationen der Geschichte und Teil des heute weitergehenden Kampfes für Gerechtigkeit, Gleichheit und für ein Leben in Würde für alle», sagte Fässler in seiner Rede zur Einweihung der Dürrenmattstrasse 2009.
Im Fall der «Umwidmung» des Raiffeisenplatzes hofft Fässler auf ein genügendes Mass an «Selbstkritik und Ironie» von Seiten der Bank, dass sie das Schild stehen lässt oder zumindest als «Kunst am Bau» im eigenen Gebäude plaziert. Bis Montagmittag stand es noch – um 13 Uhr dann war es weg.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.