Die Pläne für die Badi Rotmonten stammen vom Architekturbüro Ernst Nänny und Ernest Brantschen. Der Vater und der früh verstorbene Sohn Nänny hatten zuvor unter anderem das Union-Gebäude entworfen. Und wie das Union hat auch das Freibad Rotmonten über dem Kassenhäuschen ein für die 1950er-Jahre typisches, weit ausladendes Dach, das hier auf feinen Stützen abgestellt ist.
Unter diesem Dach stehen die Garderoben und Toiletten-Einbauten frei. Auf der Südseite liegt der Kiosk mit der bereits neu gestalteten und neu möblierten Terrasse und darüber – über eine Freitreppe erreichbar – befinden sich die Betriebsräume samt Ausguck für die Badeaufsicht. Neben diesem Hauptgebäude stehen die in den Originalfarben bereits renovierten Kabinenreihen, die mit ihren farbigen Türen eine heitere Sommerstimmung verbreiten.
Wiederhergestellt: die farbigen Kabinentüren.
Einst eine Quartier-Initiative
Das Freibad Rotmonten wurde 1951 auf Initiative aus dem Quartier von einer Genossenschaft gebaut. 2006 übernahm die Stadt das Bad, weil die Trägerschaft die anstehenden Sanierungen nicht mehr stemmen konnte. Im Winter 2008/09 wurden die Becken und die Wasseraufbereitung saniert. 2014/15 wurde ein nicht mehr gebrauchter Garderobentrakt zugunsten von mehr Platz auf der Liegewiese abgebrochen und die übrigen Kabinenreihen denkmalpflegerisch mit den farbigen Türen saniert. 2016/17 bekam die Gästeterrasse neue Möbel. Seit diesen Erneuerungen steigen die Frequenzen ständig. Im Corona-Sommer 2020 wurde das Bad tageweise gar überrannt.
Jetzt braucht das Hauptgebäude eine Sanierung. Das Dach muss saniert, Strom und Wasserversorgung müssen ersetzt werden. Neue Toiletten, Duschen und anders organisierte Umkleideräume sind geplant. Der Kiosk soll eine neue Küche bekommen und damit die schon länger bestehenden Auflagen der Lebensmittelkontrolle erfüllen.
Und nicht zuletzt soll die Sonnenterrasse über dem Kiosk wiederhergestellt werden. Denn der Ausguck von dort oben für die Badeaufsicht entspricht längst nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen. Die Aufsicht erfolgt heute direkt vom Bassinrand aus.
Die Sanierung – Resultat eines eingeladenen Wettbewerbs unter fünf Büros, den die Stadt im Sommer 2019 ausgeschrieben hatte – kostet insgesamt 1,6 Millionen. Ende März ist das Geschäft im Stadtparlament traktandiert und die Kosten haben hier und dort ein Murren ausgelöst. Allerdings steuern die kantonale Denkmalpflege und die städtische Spezialfinanzierung für die Altstadt-, Ortsbild- und Denkmalpflege zusammen 130’000 Franken an die Kosten bei. Denn die Badi Rotmonten ist ein Baudenkmal und ein kantonales Schutzobjekt.
Freibad Rotmonten mit der Sonnenterasse kurz nach der Eröffnung in den frühen 1950er Jahren. (Bild: Stadtarchiv St.Gallen, PA Brandenberger)
Das siegreiche Sanierungsprojekt des St.Galler Büros GSI-Architekten behandelt das Baudenkmal denn auch mit hohem Respekt. Die freien Einbauten unter dem grossen Dach werden innen zwar neu organisiert, ihr Erscheinungsbild wird aber nicht verändert. Zubauten am Kiosk von 1985 werden entfernt, und das Sonnendeck von einst soll zur neuen Attraktion werden. Dieses war zehn Jahre nach der Eröffnung des Bades, in den frühen 1960er-Jahren, zugebaut worden. Nach der Sanierung, die im Herbst 2021 starten soll, wird das Hauptgebäude seine luftig-leichte Architektur zurückbekommen.
Dass die wieder hergestellten Freibäder aus der Nachkriegszeit grosse Sympathie beim Publikum geniessen zeigt sich unter anderem im ausserrhodischen Heiden oder neuerdings in Adelboden, wo – allerdings architektonisch unterschiedliche – Anlagen stilvoll saniert wurden.
Auf dem Flugbild ist das Sonnensegel über der Terrasse zu erkennen. (Bild: Stadtarchiv St.Gallen, Sammlung Foto Gross)
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