, 1. Juli 2012
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Ein Altersfleck und ein toter Abend. Schrecklich? Mitnichten.

Samstag. Noch immer zu dritt, noch immer dreissig drüber, noch immer hutlos dafür berockt, bejeanst und mit Sonnenbrillen ausgerüstet – sogar welche mit Neonbügeln. Wir starten beim Chesterfield-Zelt. Da abstehendes nervt, ist der Bändel schon am Donnerstag gestutzt worden. Jetzt fehlt ihm die grüne 18. Der unsympathisch postierte Staff beim Zelt guckt erst streng und […]

Samstag. Noch immer zu dritt, noch immer dreissig drüber, noch immer hutlos dafür berockt, bejeanst und mit Sonnenbrillen ausgerüstet – sogar welche mit Neonbügeln.

Wir starten beim Chesterfield-Zelt. Da abstehendes nervt, ist der Bändel schon am Donnerstag gestutzt worden. Jetzt fehlt ihm die grüne 18. Der unsympathisch postierte Staff beim Zelt guckt erst streng und grinst dann. Er denkt sich wohl «Neonbrille hin oder her» und meint schnodrig: Du bist ja wohl über 18! Ja eh, haha. Sorry? Hier bleiben wir bestimmt nicht. Mit Vodka-Tonic und Gin-Tonic in Händen wandern wir weiter.

Als Gossip beginnt sind wir auf dem Hügel beim Jack Daniels Zelt angelangt. Der Blick von oben ist friedlich, die Leute sehen aus, wie man halt so aussieht, am zweiten Openair-Tag. Bisschen klebrig, müffelig, verquollen, sympathisch. Wir trinken noch eines und wollen uns fortan nicht mehr über die Preise wundern. Ein geheimes Berechnungssystem.

Nach WC-Aufenthalt und Hot-Dog nehmen wir Aufstellung für das Hosenkonzert. Wir sind so weit vom Epizentrum entfernt – dort wo sich die Musik der umliegenden Zelte wummernd mit der dicken Post der Hosen mischt –, dass wir nicht alles wörtlich verstehen, aber grad genug, um mitzubekommen, dass die dort vorne so richtig da sind, wie bis jetzt niemand da.

Die alten Hosen haben das Publikum schnell in der Tasche und Johannes aus Bremen auf der Bühne. Der junge Mann mit Karohose, wird erst ausgebuht und dann haben ihn doch alle lieb – er  benimmt sich dort oben so, als stünde er immer da. Er singt und springt und wir sind ein bisschen er.

Wir sind ungezählte Helden, der Sturm ist vorbeigezogen, geblieben ist die windige Hochstimmung. Petarde nach Petarde wird gezündet, Campino freut sich, wir schreien mit nach Liebe (die Hosen sehen das mit Humor), azurren und roboten und kennen jede Menge der Lieder nicht. Aber hey, was solls.

Nachdem wir die Jägermeister mit ins Grab gezählt haben, schieben wir uns auf geradem Weg durch die Zwanzigermenge zurück zum Jack Daniels hoch. Hier hat sich die gestrige Crossover-Fraktion mit den verdreht auf den Köpfen sitzenden, steifen Baseballcaps zusammengefunden. Uns ists wohl und wir ruft mit Papa Roach zu den Zwanzigern runter: Cut my life into pieces, this is my last resort! … Und dann sind wir noch vor der Maus tot.

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